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Die Ärzte: Overkiller

Von alten Männern, kurzen Videos und debilen Wachstumseffekten
Wertung: 9.5/10
Genre: Punk Rock
Spielzeit: über 2 1/2 Stunden
Release: 04.12.2009
Label: Hot Action Records

Weihnachten naht und damit ist auch schon längst die Zeit angebrochen, in der viele Bands und Labels mit mehr oder minder wichtigen DVDs ihre Verkäufe ankurbeln wollen. Diese DVD ist aber schon jetzt vom Vorwurf der Abzocke ausgenommen, der typische Die Ärzte-Standard eben. Das Herzstück von „Overkiller“ bilden sämtliche Videoclips der „besten Band der Welt“ seit dem Jahr 2000 (die älteren Clips sind auf der DVD „Killer“ zu sehen), die allesamt absolut sehenswert sind.

Die Ärzte geben sich eben auch im visuellen Bereich viel Mühe und bieten ihren Fans etwas Besonderes. „Wie es geht“ ließ mich seinerzeit annehmen, dass BelaFarinRod auf Nummer sicher gehen wollen. Zu meinen Favoriten zählen das Lied und das Video (die Band auf einer Jacht und einem Motorboot) bis heute nicht, aber was danach auf den Fan losgelassen wird, ist nichts anderes als die absolute Vollbedienung. „Manchmal haben Frauen“ offenbart ungewohnte Vorlieben Bela Bs , „Yoko Ono“ ist das kürzeste Video einer Major-Band überhaupt und „Rock'n Roll Übermensch“ rundet die Clips des Albums „Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer!“ kongenial ab. Das Lied an sich ist mit seinen schrägen Effekten und dem debilen Text schon völlig von dieser Welt, aber das Video mit seiner unglaublich billigen Kamera und einem Wachstumseffekt, den sogar Ed Wood stehend beklatscht hätte, ist einer meiner persönlichen Favoriten, dem Worte nicht gerecht werden.

Die nächsten vier Videos stammen vom Unplugged Konzert „Rock'n Roll Realschule“, welches aus der bekannten „MTV Unplugged“-Reihe stammt und für mich persönlich deren absolutes Highlight darstellt. Nichts gegen Eric Clapton, aber was Die Ärzte aus den Möglichkeiten eines Unplugged-Konzertes heraus geholt haben, toppt auch die Die Toten Hosen - und vor allem die im Nachhinein völlig überbewerte Nirvana-Version um Längen. Die Clips zu „Komm zurück“, „Die Banane“ (hier viel besser als auf „Planet Punk“) und dem mittlerweile nicht mehr indizierten „Schlaflied“ warten im Gegensatz zur DVD „Rock'n Roll Realschule“ mit Multi-Camera-Angles auf. „Monsterparty“ hat hingegen ein Video aus Scherenschnitten spendiert bekommen.

Aus dem Doppelalbum „Geräusch“ wurden mit dem Hit „Unrockbar“, „Dinge von denen“, „Deine Schuld“, „Nichts in der Welt“ und „Die klügsten Männer der Welt“ ganze fünf Songs ausgekoppelt, die mit Ausnahme von „Nichts in der Welt“ alle mit tollen Bildern unterlegt worden sind. Die Ballade besteht lediglich aus dunklen Aufnahmen des Trios, was aber ganz gut zu ihr passt. „Unrockbar“ spricht mir textlich nicht nur aus der Seele, sondern erzählt auch eine vom typischen Ärzte-Humor geprägte Geschichte.

Als kleine Anmerkung sei mir gestattet, wie grandios ich damals die vereinzelten Diskussionen um das Ende des Videos fand. Also wirklich, wer Die Ärzte (ihr wisst ja, den Bandnamen niemals deklinieren) wirklich solche politischen Ansichten unterstellt, hat mehr als dezent einen an der Waffel. Aber gut, solche Blüten treibt wohl nur das Internet. „Dinge von denen“ muss man einfach gesehen haben und wer Farin als Angler mit Gravitationsproblemen oder Bela als Farmer mit Karaokemaschine sehen will, kommt auch an „Deine Schuld“ (so müssen politische Texte aussehen, ohne zu nerven!) oder „Die klügsten Männer der Welt“ (dito) nicht vorbei.

Das immer noch aktuelle Album „Jazz ist anders“ wartete seinerzeit erstmal mit dem Zombievideo „Junge“ auf, welches von der Band selbst grandios zensiert wurde. Für die unzensierte Version liegt der DVD ein Download-Code bei. Der Sinn hinter dem Gangsta-Video von „Lied vom Scheitern“ erschließt sich mir zwar nicht, aber vermutlich gibt es auch keinen. „Lasse redn“ hat eine einzigartige Choreografie zu bieten, aber bedenkt: „einzigartig“ bedeutet nicht „technisch perfekt“. Den Abschluss bildet der zehn Minuten lange Kurzfilm zu „PerfektHimmelblauBreit“, der die gealterten Ärzte (siehe das Cover) im Ruhestand zeigt und teilweise genial-trashig mit alten (angepassten) Videos der Band unterlegt ist.

Bei „Killer“ kam es teilweise einem Glücksspiel gleich, sämtliches Bonusmaterial zu finden, aber anno 2009 macht es die beste Band der Welt ihren Fans etwas leichter. Natürlich nur solange man die alten Männer in den Menüs nicht verärgert, aber das lasse ich euch selber herausfinden. Die absoluten Highlights des Bonusmaterials sind der Liveclip zu „Junge“ und vor allem „Samuel L. Bronkowitz präsentiert“, ein Rückblick auf die ganz frühen Tage, kommentiert von Farin und Bela.

Fazit: „Die overbeste DVD der Welt“ ist erwartungsgemäß großartig geworden und jeden Cent wert. Und nun wieder ab ins Studio, Jungs: „Jazz ist anders“ ist schon wieder viel zu lange her.

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