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Dialis: Precatio

In Ansätzen gelungener Düsterfolk
Wertung: 6.5/10
Genre: Neofolk/Gothic/Rock
Spielzeit: 54:02
Release: 21.07.2009
Label: Eigenproduktion

Franco Bottoni und Giuseppe Giulio Di Lorenzo sind, wie ihre Namen schon vermuten lassen, Italiener und Hauptverantwortliche der Band Dialis. Als solche haben sie in den letzten Jahren den schon fast typischen Weg im Musik-Underground beschritten, um jetzt, nach einer – wie sie selbst sagen – sehr "rauen" 5-Track-EP ihr erstes echtes Studioalbum namens "Precatio" zu veröffentlichen.

Wären Albenveröffentlichungen stereotyp für ihre Enstehungsländer, würde Italien wohl den größten Teil seiner Tourismuseinnahmen einbüßen, stände genanntes Album stellvertretend für den Stiefel am Mittelmeer: Dialis' düsterer Neofolk mit leichten Rockeinflüssen weckt Assoziationen von Eiseskälte, endlosen Nächten inmitten verschneiter Landschaften, Hoffnungslosigkeit und tiefer Melancholie.

Tragende und markante Elemente im Sound des Duos sind monotone, hypnotische Basslines, dem gegenüber stehen helle Klavierakkorde, Akustikgitarren sowie zahlreiche Instrumente von Streichern über Bläser bis hin zu Akkordeonklängen, die den kühlen Klangkosmos mit Leben füllen. Unterlegt wird dieses Gerüst von dezentem Schlagzeug; darüber lässt Franco Bottoni seine sonore Stimme erklingen.  

Eigentlich wäre es sinnvoll, bei der Beschreibung einer Veröffentlichung mit deren positiven Seiten zu beginnen. Im Falle von Dialis jedoch sind einige Makel so augenfällig, dass sie auf Erwähnung drängen. Um trotzdem einen positiven Aspekt voran zu stellen, möchte ich es einmal so formulieren: Die Band bemüht sich. Gerade Franco Bottoni gibt sich echte Mühe, seinen Gesang tief und mystisch rüberzubringen – auch wenn sein Organ wahrscheinlich gar nicht für diese Stimmlage geschaffen ist, was zu einem stellenweise meckernden Klang führt, der den Eindruck erweckt, als versuche der Sänger, die letzten Halbtonschritte am unteren Ende seines Spektrums zusammenzukratzen.

Auch in höheren Lagen bleibt dieser Eindruck dank heftigem, absichtlich herbeigezwungenem Vibrato, erhalten. Schon im ersten Song – dem Titeltrack – fällt diese Schwäche deutlich auf und hält sich auch über die gesamte Albumlänge. Dazu kommt ein ziemlich starker Akzent, der der Platte doch recht schnell den "Amateur"-Stempel aufdrückt. Apropos: zwar ist diese Platte eine Eigenproduktion und daher vom allgemeinen Sound her relativ dumpf, was an sich nicht weiter stört. Stellenweise hat man jedoch das Gefühl, als wären einige Instrumente nicht wirklich sorgfältig gestimmt worden, bevor man sie auf Band gebannt hat. Möglicherweise ist das Absicht, denn die dadurch entstehenden Schwebungen haben manchmal durchaus ihren Reiz und fügen sich ins Klangbild ein; gerade auch wegen der gesanglichen Schwächen regen sich jedoch Zweifel daran.

Abgesehen von den genannten, hauptsächlich handwerklichen Mängeln firmiert "Precatio" unter "ordentlich" bis "gelungen". Man merkt, dass sich Franco und Giuseppe mit dem Sound, den sie produzieren wollen, intensiv auseinandergestzt haben und sich auf das Erschaffen einer düsteren Atmosphäre verstehen. Dabei sind die besonderen Highlights hauptsächlich die vermutlich von eingeladenen Gastmusikern eingespielten Passagen, wie das Saxophonsolo in "Close Ocean", die Geigen und das Akkordeon in "Labyrinth Of Senses" oder die Flötenmelodie zu Beginn von "Feeding Of Tears For E. Dickinson". Hin und wieder brechen Dialis zudem aus dem akustischen Konzept mit Klavier, Bass und Akustikgitarre aus und flechten verzerrte E-Gitarren ein.

Aber auch auf kompositorischer Seite hat "Precatio" seine durrchaus gelungenen Momente: "As Judas Curses" besticht durch eine Ohrwurmmelodie, derer man sich erst später bewusst wird und die sich klammheimlich ins Gehör schleicht; "Presentation To The Heaven" gefällt durch ausgefeilte dynamische und melodische Gestaltung und durch den langen Instrumentalteil, der mit der Zeit seine geradezu hypnotische Wirkung entfaltet. Gerade gegen Ende der Platte werden die Songs interessanter und ausgefeilter. Im letzten Track "A Cliff Apart" landen dann noch einmal alle zuvor verwendeten Instrumente in einem Topf und bilden damit einen fast schon kammermusikalischen Abschluss.

Fazit: Wie schon erwähnt, geben sich Dialis auf "Precatio" wirklich Mühe, ihren düsteren Sound ansprechend zu präsentieren und über weite Strecken gelingt den beiden Italienern dieses Ansinnen auch ziemlich gut. Insgesamt wirkt die Platte aber doch wie das, was sie ist: ein erster Gehversuch zweier Musiker im Albumformat, der von vielen guten Ideen, aber auch von typischen Amateurfehlern geprägt ist. Sozusagen eine in Eigenproduktion angefertigte Kostprobe mit generell hörbarem Sound, dem aber noch der letzte Feinschliff fehlt. Insbesondere im Gesang sind wie gesagt noch einige Verbesserungen möglich und nötig. Wer auf düsteren, melancholischen Folk(Rock) nach Art eines Nick Cave mit vielen unterschiedlichen Klangelementen steht, sollte Dialis aber eine Chance geben.

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