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Diablo: Icaros

Eine bessere Verpackung bedeutet nicht unbedingt bessere Musik
Wertung: 8.5/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 45:0
Release: 29.08.2008
Label: Drakkar Records

Nach dem musikalischen Meisterwerk „Mimic 47“ und dem ersten Kurzauftritt der Band bei der Popkomm 2006 als Co-Headliner für Shade Empire konnte man dann Anfang 2007 eine Tour mit Tarot durch die deutschen Lande organisieren und kräftig Fans gewinnen. Und nun, anno 2008, steht das neue Album „Icarus“ in den Regalen. Wieder über Drakkar veröffentlicht, fällt erstmal das 16-seitige Booklet auf, welches mal nicht auf Hochglanzpapier verewigt wurde. Nein, man hat sich hier dafür entschieden, dickes, rauhes Papier zu verwenden, und das fühlt sich sehr gut an und passt auch zum Layout und der Band.

Sehr melodisch beginnt der Opener „Trail Of Kings“ mit einer Spinett- oder auch Spieluhrmelodie, welche natürlich von Gitarren wiedergegeben wird, bevor dann die Band im gewohnt kräftigen Maße die Melodie weiterführt. Fast schon ein wenig zu melodiebewusst, was da aus den Lautsprechern kommt, zumindest für Diablo Verhältnisse. Aber keine Sorge, nach kurzer Zeit bollert das alte Thrash Flagschiff aus Finnland wieder kräftig drauflos. Auch wenn die zwar im Hintergrund gehaltenen Keyboards etwas verwundern, die Band selbst sorgt wie eh und jeh mit ihren Gitarrenmelodien und Riffs für die gewünschte Headbangmotivierung. Die Backingvocals sorgen etwas ungewohnt für ein wenig Tarot Flair, was wohl auch an Tommi Salmela liegen dürfte, der auf diesem Album der Band als Backgroundsänger einen Gastbesuch abstattet. Starker Einstieg.

„Living Dead Superstar“ besticht durch seine recht agressiven Vocals und das hervorragende, teilweise stakkatoartige Drumming von Heikki Malmberg. Unterstützt von Aadolf Virtanen am Bass wird so einiges an Druck erzeugt. Hohe finnische Musikkunst des Nummer 1 Acts aus Finnland. Etwas befremdlich wirkt aber auch hier der schönerweise kurz gehaltene Keyboardpart in der Mitte des Songs. So etwas haben die Finnen doch nun wirklich nicht nötig!

„Bad Sign“ beschreitet dann, für dieses Album eigentlich nur konsequent, den etwas melodischeren Pfad. Irgendwie fehlen mir die sonst bei Diablo eher typisch finnisch klingenden Gitarrenattribute. Man wollte doch wohl nicht versuchen, sich der Masse etwas kompatibler anzubieten? Trotz alledem ein guter Song mit gehörig Power im Popo, also auch weiterhin nichts für die deutschen Charts.

„Resign From Life“ geht der Band deutlich zügiger von den Instrumenten. Der Song fliegt quasi daher. Schöne, sauber ausgearbeitete Rhythmuswechsel mit einem genialen Refrain. Ein richtig starker Track mal wieder mit einem starken Solo von Marko Utriainen.

Dann kommen wir zur Hymne des Albums: „Icarus“. Nachdem der Song erst ein wenig fragende Blicke auf mein Gesicht zauberte, muss ich zugeben, dass mit jedem weiteren Durchlauf das Lied zu einem dicken, fetten Ohrwurm wird. Geniale Vocals von Rainer Nygard, der ja auch für die Rhythmusgitarre verantwortlich ist. Ein hammermäßiger Refrain, der zum Mitgröhlen nicht nur einläd, sondern geradezu auffordert. Der Wechsel aus melodischen und aggressiven Gesangslinien ist beeindruckend. Nichts wirkt aufgesetzt oder inszeniert. Ein irgendwie erhabener Song.

„Light Of The End“ kann da fast logischerweise nur abstinken. Nicht schlecht, aber irgendwie nicht das, was man sich gewünscht hätte, auch wenn das langsame Solo richtig schön anzuhören ist.

„Chagrin“ spült wieder die melodischere Seite der Band ans Tageslicht. Irgendwie fast schon charttauglich beginnt der Song. Durch die recht bombastische, gute Produktion aber dennoch kraftvoll. Eine für Diablo richtige Ballade hat sich die Band da geschrieben. Diese hohen Synthesizertöne zerstören allerdings relativ viel der Stimmung des Songs. Ja, sie stören und verursachen schon fast ein wenig Schmerzen bei überlautem Hörgenuss in den Ohren. Nee, warum hat die Band diesen Song derart kasteit? Der Song hätte trotz der kurzen, heftigen Powerexplosionen richtigen Kuschelcharakter, zumindest für die härteren Musikliebhaber.

Leider kommt dann mit „Through Difficulties To Defeat” ein unerwarteter Tiefpunkt in der Geschichte von Diablo. Irgendwie hektisch und unausgereift wirkt dieser depressive Song. Der Text wird irgendwie nicht passend durch die Musik umgesetzt, was ja nicht einmal schlimm wäre, bloß mit einem psychisch durchgeknallten Text hätte man zumindest das Musikalische gut erklärt und umgesetzt. SO allerdings verfehlt der Song seine Wirkung.

„Hammer“ startet dann im Uptempo und mit gelungenem Soundeffekt. Mit dem durchgetretenen Gaspedal hämmert sich die Band durch den Song. Irgendwie kommen so leichte Pantera Untertöne in der Instrumentierung durch. Die mehrstimigen Backgroundvocals kommen wie Peitschenhiebe daher und unterstützen die Kompromisslosigkeit vollends. Gutes Lied.

„Into The Sea“ setzt dann den wieder einmal zu frühen Schlusspunkt unter das Album. Sehr schön ausarrangiert, wechseln sich die verschiedenen Tempi und Melodien ab. Ein starker Song gegen Ende des Werkes lässt dann die Mundwinkel nochmals nach oben zeigen. Warum man allerdings dann noch fast drei Minuten Stille hinten anhängen muss, wird erst bei Blick auf die im Display angezeigte Spielzeit klar. Da stehen insgesamt nur 45:00 Minuten. Sehr schwach!

Fazit: Ein wirklich gutes Album haben Diablo da mit „Icarus“ abgeliefert. Trotzdem muss ich leider zugeben, dass zum Beispiel „Mimic 47“ doch deutlich stärker geraten war. Wie schon beim Vorgängeralbum setzen Diablo mit dem Titelsong ein richtiges Highlight in ihrer eigenen Karriere. Gerade mal auf 42 Minuten Musik hat es die Band geschafft. Schade, dass die Band dann noch nicht mal die Courage hat, das zuzugeben und einfach drei Minuten Funkstille dranhängt, um dann noch drei oder vier Worte rückwärts abgespielt ins Mikro zu hauchen. Nicht viel für eine CD und nach zwei Jahren Wartezeit. Die gute Musik weiß dies in diesem Fall nur bedingt abzufedern, da man insgesamt von einem kleinen Rückschritt sprechen muß, so leid mir das auch tut. Diablo haben versucht, massenkompatibler zu werden ohne allerdings alle ihre hervorstechenden Attribute ad acta zu legen. Man wird sehen, ob die Rechnung aufgeht und vor allem, wie die neuen Songs live klingen.

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