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DGM: Tragic Separation

Keine großen Überraschungen, dafür eine Menge starker Songs
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 56:42
Release: 09.10.2020
Label: Frontiers Music

Witzig, wofür die Abkürzung DGM alles steht: Deutsche Gesellschaft für Meeresforschung, Deutsche Gesellschaft für Musikpsychologie oder Deutsche Geländewagen Meisterschaft zum Beispiel und noch vieles mehr. Es gibt sogar ein Label namens DGM, das 1992 von King Crimson-Boss Robert Fripp gegründet wurde, was für Discipline Global Mobile steht. In diesem Fall jedoch sind die italienischen Proggies von DGM gemeint, eine Band, die bereits 1994 formiert wurde und seitdem neun Studioalben veröffentlichte. Sie benannten sich schlicht nach den Vornamen ihrer Gründungsmitglieder: Diego Reali, Maurizio Pariotti und Gianfranco Tassella, von denen kurioserweise schon seit einer gefühlten Ewigkeit keiner mehr in der Band aktiv ist (so ähnlich wie bei den bayrischen Pink Floyd-Verehrern RPWL).

Dennoch ist das Line-Up mittlerweile seit vielen Jahren konstant, mit Saitenhexer Simone Mularoni und Frontmann Mark Basile als prägenden Figuren, und nach so langer Zeit würde deswegen ja ohnehin niemand mehr seinen etablierten Bandnamen ändern. Das Quintett aus Rom schipperte von Anfang an deutlich im Fahrwasser von Szenegrößen wie Dream Theater und insbesondere Symphony X (für die sie bereits Konzerte eröffneten, wie auch im The-Pit.de-Archiv nachvollziehbar, und deren Mitglieder Russell Allen und Michael Romeo bereits Gastauftritte auf DGM-Platten hatten), auch wenn man alles in allem etwas straighter und mit mehr Power-Metal-Anleihen agiert.

Daran hat sich auch auf dem zehnten Studiowerk „Tragic Separation“ wenig geändert. „Progressiv“ in dem Sinne ist das sicherlich nicht, andererseits haben Symphony X oder beispielsweise auch die Engländer von Threshold ebenfalls meist wenig an ihrem Sound geändert und werden nach wie vor in der progressiven Ecke verortet – aber so ist das nun einmal mit den berühmt-berüchtigten Schubladen.

Das eröffnende „Flesh And Blood“ weist zum Teil frappierende Parallelen zu Symphony Xs „Iconoclast“ auf, auch das schnörkelige, komplizierte Riff von „Silence“ könnte locker aus der Feder von Michael Romeo stammen. Das Schöne jedoch ist, dass all dies nicht wirklich stört, weil das Album einfach zu viel Spaß macht und die Songs keine tatsächlichen Schwächen beinhalten – vor allem die Refrains sind quasi durch die Bank spitze. Wer jedenfalls grundsätzlich auf solche Art Musik steht und bei den obergeilen Melodien in Stücken wie dem dramatischen „Hope“ (Mega-Hookline!), dem formidablen Titeltrack, „Stranded“ oder dem mit Speed-Metal-Schlagseite versehenen „Turn Back Time“ nicht völlig steilgeht, dem kann eigentlich nicht zu helfen sein.

Außerdem läuft die Mucke durch Mark Basiles eigenständige Stimme keineswegs Gefahr, als purer Abklatsch abgekanzelt werden zu müssen und trotz einiger halsbrecherischer Soli von Simone Mularoni und Keyboarder Emanuele Casali hält man sich wie angedeutet frickeltechnisch im Vergleich zu den genannten Vorbildern noch zurück. Gesanglich und instrumental lässt man nichts anbrennen – hier sind vorzügliche Musiker am Werk, die genau wissen was sie tun und mit hörbar viel Elan und Leidenschaft performen.

Dabei wird fast die ganze Zeit Vollgas gegeben, was man vielleicht als kleinen Makel ausmachen darf – zwischendurch aus Gründen der Abwechslung das Tempo und den Bombastfaktor (es knallt einem fast permanent eine Soundwand entgegen) etwas häufiger herunterzufahren, wäre möglicherweise nicht die schlechteste Idee gewesen; einzig beim rockigen „Surrender“ und dem melancholischen „Land Of Sorrow“ kann streckenweise leicht verschnauft werden. Deswegen wäre das instrumentale Outro „Curtain“ irgendwo in der Mitte der Platte sicherlich auch besser aufgehoben gewesen und wäre effektiver zur Geltung gekommen; so am Ende macht das wenig Sinn und lässt das Album seltsam abrupt enden.

Dennoch: „Tragic Separation“ ist eine starke Platte einer Band, die zwar im Laufe ihrer Karriere nicht viel verändert hat und bei der man im Prinzip stets weiß was man kriegt, aber was soll’s: Solange die Jungs Spaß an ihrer Musik haben und sich dieser Spaß auch in Form einer Reihe starker Songs auf den Hörer überträgt, gibt es dagegen nicht viel einzuwenden. Zudem ist die Produktion ein ordentliches Brett, kitschig droht es allein wegen des konstant hohen Härte- und Geschwindigkeitsgrades nie zu werden – hier ist zugreifen angesagt.

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