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Dexy Corp: Fragmentation

Elektronischer Overkill für die Synapsen
Wertung: 7/10
Genre: Industrial, EBM
Spielzeit: 39:53
Release: 25.09.2009
Label: Black Rain Records

Industrial und Electronic Body Music-Bands kann es nie genug geben. Schließlich wollen die Clubs gefüllt und die neonpuscheligen, cyberbebrillten, haarteiltragenden Tanzsüchtigen befriedigt werden. Die Nacht zum Tag machen lautet die Devise, und das funktioniert mit der neuen Scheibe von Dexy Corp bestens.

Die fünf Franzosen haben es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht, dem geneigten Zuhörer das Trommelfell vollends wegzufetzen. Ihr aktuelles Werk "Fragmentation" - nach der "Jigger"-Ep aus dem Jahr 2007 ihr erstes richtiges Album - wartet mit einer geballten Ladung nervenzerfetzender Instrumentals auf, die einen tatsächlich etwas überfordern. Die Warnung auf dem Cover "Use the dose as prescribed" lässt sich hier relativ einfach übersetzen: Im Club kommen die einzelnen Songs sicher sehr geil rüber, auf der hauseigenen Anlage stellt sich allerdings schnell eine gewisse Art von Resignation ein, weil man zeitweise einfach dem Songverlauf nicht mehr folgen kann.

Der erste Song wiegt einen zumindest zu Anfang noch in trügerischer Sicherheit; "Overlord" startet relativ ruhig, entwickelt aber schnell einen stampfenden Beat, der sofort in die Beine geht. Auch "Proselytes" erweist sich als extrem tanzbar. Was hier auf der Anlage noch ziemlich gut rüberkommt, wird bei "A Needle In Each Arm" schon zunehmend anstrengend; gemäß dem Titel steigert sich der Beat bis ins Ultraaggressive, ich habe sofort ein wunderbar buntes Bild von tanzenden, drogenumnebelten EBMlern im Kopf und skippe schnell weiter, bevor auch ich dem auditiven Drogenwahn verfalle.

"Anhédonie" schaltet glücklicherweise einen Gang runter und besticht durch einen ruhigeren und sehr düsteren Beat. Jean-Bapiste Dropsys Stimme klingt passagenweise nach dem ehemaligen Adema-Sänger Mark Chavez, was bei selbigem schon nervig genug war, mit dem französisch-nasalen Unterton allerdings nicht unbedingt besser wird. Etwas völlig Neues erwartet den Hörer bei "Beat Me": Der Mann kann growlen - und das nicht mal schlecht. Die völlig geisteskranke Instrumentierung lässt einen extrem schwindelig zurück, die kurzen Growls geben dem Song einen Stoß in Richtung Groove Metal - absolut genial!

Das futuristische Instrumentalstück "Dark Bliss" bietet die Möglichkeit für eine kleine Verschnaufpause, die man beim folgenden "Lie Is Life" bitter nötig hat: ein unglaublich anstrengender Song, bei dem der Finger spätestens nach der ersten Minute automatisch zur Skip-Taste zuckt. Ebenso nervenaufreibend gestaltet sich das hektische "Ghost Connection" mit extrem stampfenden Elektrobeats, zu denen vermutlich nur noch Dark Electro-Veteranen tanzen können, ohne sich die Beine zu brechen.

Der beste Song des fast vierzigminütigen Werks ist bezeichnenderweise der Hidden Track, ein unglaublich heftiger Song, bei dem einen der Rhythmus schier in Grund und Boden stampft. Die Fensterscheiben klirren ob der wahnwitzig derben Instrumentals; Drummer Olivier Pesquié und Erwan Ropars, der für Bass und Programming zuständig ist, liefern hier ohne Zweifel eine absolute Meisterleistung ab. Ein Geniestreich, der leider vorerst unbetitelt bleibt.

Fazit: Dexy Corps Debütalbum wird die Dark Electro-Clubs dieser - und vermutlich auch jeder anderen - Welt auf jeden Fall ordentlich durchschütteln. Für den Hausgebrauch ist die Platte allerdings kaum zu empfehlen und fürs berühmte Nebenbeihören schon gar nicht. Fast alle Songs überfordern einen schon in der ersten Minute, dennoch sollte man der Platte eine Chance einräumen - die Nacht um die Ohren schlagen kann man sich damit allemal.

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