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Dexter Jones\' Circus Orchestra: Side By Side

Eine sanfte, gefühlvolle und mit so viel Liebe zum Detail aufgenommene CD
Wertung: 9/10
Genre: Rock
Spielzeit: 36:40
Release: 21.08.2007
Label: Fuzzorama Records

Seite an Seite ist wirklich ein passender Titel für das neue Album von Dexter Jones Circus Orchestra. Die Photos des Booklets lassen den Schluss zu, dass die Band wirklich intensiv und auf engstem Raum zusammengearbeitet hat. Da sieht man die fünf Schweden mal in der Stadt spazieren gehen, mit die Gitarrenkoffer auf dem Gehweg abgelegt, während sie vor dem Studio (?) warten, zusammen essend, in der Pause während eines Fotoshootings, einen überladenen Bus noch weiter mit Gepäck zustopfend oder die Landkarte lesend. Seite an Seite und so klingt auch die CD.

Nach Zusammenarbeit und nach Kennen. Immerhin arbeiten Tia Marklund, David und Daniel Israelsson, Håkan Dalsfelt und Kent Jonsson jetzt schon seit sieben Jahren zusammen. Heraus kamen dabei drei Jahre später die erste Demo „The Losers are Back in Town“, ein Jahr später das Debutalbum „Dexter Jones Circus Orchestra“, im folgenden Jahr ein paar Festivalgigs und sogar eine Supporttour mit Hypnos 69 in Europa.

2006 verließen Kent und Håkan die Band; stattdessen spielten jetzt Björn Billgren und Fredrik Jonsson Gitarre bzw. Bass auf der neuen EP „Morbyn Outtakes“. Die brachte die Schweden dann sogar bis in die USA, in der sie zweimal tourten. In den Pausen war man nicht untätig, aufgenommen wurde während der Tour und die Mühen lohnten sich. „Side by Side“ bekam einen neuen Plattenvertrag bei Fuzzorama Records. Und auch jetzt haben Dexter Jones Circus Orchestra noch nicht genug bekommen: Die nächsten Monate zieht es die Jungs nach England - und mal wieder nach Europa. Gute Musik braucht Hörer und wer einen der raren Deutschlandgigs im September sehen kann, schätze sich glücklich, denn das Orchester ist bestimmt sehenswert - und wenn nicht, reicht auch schon der Klang aus, um eine lahme Bühnenshow wettzumachen.

Was die Jungs da genau machen, ist schwer zu sagen. Eine Retromischung aus diversen Rockstilen mit einer kleinen Prise Rock’n’Roll vielleicht. Fünfunddreißig Minuten, angefüllt mit ins Ohr gehenden Gitarren, ansprechenden Riffs, mehrstimmigem Gesang und gekonnten Bassläufen. Insgesamt klingt das dann sehr sanft, aber keineswegs langweilig. Ein Soundtrack, der auch noch in die Hippie-Zeit gepasst hätte. Zu Dexter Jones Circus Orchestra kann man sepiagelbe, streifige Stummfilme sehen, mit Kleinbussen im Sommer durch das Land fahren oder eine Woche am See leben.

“We Don’t Care” beschreibt neben dem unglaublichen Sinn für Ohrwürmer wohl auch am Besten das Selbstverständnis der Band. “We are everything you try not to be”. Abgesehen davon ist der Song eigentlich recht simpel gestrickt: Ständig gleiche Satzanfänge, Gegensatzkonstruktionen und irgendwie besticht das Ganze dann wohl doch durch das geniale Gitarrenthema, das sich zwar ebenfalls durch das komplette Lied zieht, aber durch eine der beiden anderen Gitarren immer wieder variiert wird.

Ein wenig gefühlvoller wird es in “Sensation”, einem sehr melancholischen Liebeslied, das man unweigerlich mit dem nachdenklich in die Ferne blickenden Tia Marklund verbindet. Sehr sanft von Gitarren begleitet, liefert der sich mit Kollege Jonsson ein Duell, wer verzweifelter und gleichzeitig gleichgültiger klingt.

Die Singleauskopplung “Feel The Cold” klingt dann wirklich ein bisschen nach The Kinks. “In Front of You All”, inhaltlich eine nette, wenn auch simple Abrechnung mit dem tratschenden Volk, geht dann wieder vor allem durch den beschwingten Refrain ins Ohr. “Expectations” hat ein wunderbares Intro, in dem ein monotoner Bass und ein super Drum die Hauptrolle spielen, die dann aber an Marklung abgegeben wird, der nur von der Klampfe begleitet über schwedische Depressionen im Rahmen “Alkohol, Einsamkeit, Kopfschmerzen” singt und auch nonverbal umwerfend klingt.

Side by Side wird dann, zum ersten Mal in diesem Album, mit einer Orgel eingeleitet, die aber inhaltlich sehr gut passt, eine düstere und bedrückende Stimmung kreiert und zusammen mit Marklund und Gitarre sehr nach Abgrund und Ende klingt. Und zum ersten Mal überlegt man, ob “Side by Side” vielleicht doch ironisch gemeint war.

Fazit: Eine sanfte, gefühlvolle und mit so viel Liebe zum Detail aufgenommene CD, dass sie eigentlich jeder hören sollte. Retro-Fans, solche, die es sein/werden wollen und bitte alle Ohren, die alternativ offen stehen: Zu- An- und Hinhören!

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