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De/Vision: Best Of

De/Vision haben ihre Sache gut gemacht
Wertung: 9.5/10
Genre: Elektro
Spielzeit: 96:28
Release: 24.11.2006
Label: Drakkar Records

“Etwas anders”. “Nicht greif- aber fühlbar”. Das sind die Antworten, die man mir auf die Frage: “Wie/was sind De/Vision?” gab. De/Vision, eine wohl der bekanntesten Elektropopformationen der schwarzen Szene, die 1988 bei Darmstadt ihre Anfänge hat. Nach dem Eigenvertrieb der ersten Singles über “Synthetic Product Records" gelingt der Band schließlich mit dem Hit „Try To Forget" der Durchbruch. Plattenfirmen werden auf das Trio aufmerksam - und auch Camouflage, denen bis heute nachgesagt wird, dass ihre Anfang der Neunziger entlaufenen Fans ein Zuhause bei der neuen Elektroformation fanden.

Es folgen „Farytale“ sowie ein Live-Album und „Monosex“ - und zehn Jahre nach Begründung der Band die erste Best of „Zehn“. 2001 trennt sich die Band von Keyboarder Markus, „Two“ spielen Steffen und Thomas alleine ein. Nach dem gitarrenlastigen Album entsteht 2003 „Devolution“ und ein Jahr später schon „Six feet Underground“.

Es knüpft neben der Musik auch das Artwork an oben genannte Statements des neuen Silberlings an und gibt einen Rückblick auf die letzten acht Jahre. Ganz in Gelb- und Erdtönen gehalten, haben Booklet und CD einen afrikanischen Hauch, auch passend zu den abstrakten Illustrationen, für die sich Richard James North vom Studio Mykones verantwortlich zeichnet. Und so wurde Best of-mäßig der Text im Heft einfach ausgelassen, stattdessen schmücken Tierzeichnungen und götzenähnliche Abbildungen die Seiten.

Doch zurück zur Musik, zum Schwerpunkt der Platte. Die Best of... bietet einen Überblick über alte Alben wie "Monosex" und "Void", aber auch "Two", "Devolution" oder, zum Großteil, "Six feet Underground", sind mit ihren Highlights vertreten und ergeben zusammen eine in sich harmonische und abwechslungsreiche Platte.

Beginnend mit der gekürzten Radioversion von “Void” “Foreigner” taucht man gleich ein in die Welten von untermalender Elektronik und Steffen Keth´s bekannter und immer wieder faszinierender Stimme. Ein relativ ruhiges Stück, in dem Thomas Adam an den Synthesizern kräftig herumgedreht hat und einen fast abgehobenen, futuristischen Sound kreiert hat.

Weiter geht’s mit dem zeitlosen Klassiker “The End”, den das Duo als Headliner auch schon auf dem diesjährigen Bochum Total zum Besten gaben. Das Stück startet mit einem kurzen Gitarrenintro, wendet sich im Laufe der (gekürzten) 4 Minuten aber mehr und mehr dem Keyboard zu. Auffällig ist natürlich auch das Tempo, mit dem Steffen den Text vorträgt, betont er doch wirklich jedes einzelne Wort so, dass Kritiker ihm unterstellen könnten, er ziehe es wie Kaugummi. Dafür ist der Geschmack aber viel zu gut, als dass man den Genuss nicht zu schätzen wüsste.

Einer der Ohrwürmer von “Monosex” - “Strange Affection” - scheint dahingegen im neuen Gewand daherzukommen. Doch obwohl es weniger ausweist als die Albenversion mit viereinhalb Minuten, wurde hier nicht ausschlaggebend gekürzt. Lediglich die kurze Stille vor dem Intro, die mich bis heute noch an ein landendes Raumschiff erinnert, wurde gestrichen. Seinen Ohrwurmcharakter und den langsam treibenden Rhythmus hat die Hymne nicht verloren.

Ein ganz besonderes Schmankerl wartet drei Songs weiter in Form von “Love will find a way”. Denn der ist “only available on CD Best of...” sprich, auch wenn uns das Lied irgendwoher bekannt vorkommt, auf CD hat es keiner zu Hause liegen. Der Titel ist zwar nicht De/Vision in ganz neu, aber trotzdem ein schönes Stück, das man zur Tour auf jeden Fall live erwarten kann. Dafür eignet es sich mit der Anspielung “home” zu gut als “Rausschmeißsong”.

Die erste CD schließt dann mit bekannten Stücken wie “We fly.. tonight”, “Lonely Day” und meinem persönlichen Liebling “I’m not dreaming of you” - bestechend wieder durch das lange Klavierintro, ein Melodiebogen, der nur leicht von elektronischen Effekten untermalt ist. Auch Strophen und Refrain konzentrieren sich ausschließlich auf Steffens Stimme. Ein tolles Stück, das schon durch seine Schlichtheit besticht.

Die zweite CD beinhaltet ein Repertoire unterschiedlichster Remixe. Auch enthalten ist “Breathless”, das seinerzeit auf dem Schattenreichsampler veröffentlicht wurde. Bei Remixen ist das ja immer so eine Sache: Entweder sie passen wirklich gut zu dem Lied - oder es hört sich an wie der 08/15-Einheitsmüll, mit dem vorwiegend der Diskobesucher auf elektronischem Niveau professionell gequält wird. Dennoch: De/Vision haben ihre Sache gut gemacht. Bzw. die Remixer, unter denen sich auch Produzent Georg Kaleve (u.a. Subway to Sally, Such a Surge), Telekommander und Schumann & Bach finden lassen.

Beim ungekürzten Einsteiger “Heart-shaped Tumor” jedenfalls ist die Arbeit vollkommen. Kommt der Song im Original eher etwas grob daher, erklingt er hier etwas abgeschliffener, weicher. Und trotzdem: Das Markante bleibt und geht trotz der sechs Minuten nicht verloren. Ebenfalls gut gelungen ist die “Extended Club Version”, die anfangs durch ein Glockenspiel besticht, das Intro wird durch einen einfachen Beat untermalt, was das Ganze aber etwas trocken erscheinen lässt. Zum Glück dauert die Reduzierung auf den Takt nicht an und überraschender Weise gibt der Rhythmus dem Gesang Steffans etwas Bestechendes. Dafür sei das elektronische eingeschobene Solo verziehen.

 

Dafür ist die “Wave in Head”-Variante ein gelungenes Beispiel, wie man eine Remix nicht zu gestalten hat. Zu Steffens ruhigem und langsamen Gesang erklingen irgendwelche Synthykonstruktionen, die maximal in einem Star Trek-Film etwas verloren hätten, aber bitte nicht in “Turn me on”.

Dennoch bleibt für das Gesamtwerk “Best of...” nur ein Prädikat: absolut gelungen.

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