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Devin Townsend: Synchestra

Heavy Devy einmal ganz entspannt
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 66:29
Release: 27.01.2006
Label: InsideOut Music GmbH

In der Brust von Devin Townsend schlagen zwei Herzen. Eine Tatsache, die ihn mit seinem schwedischen Kollegen Peter Tägtgren verbindet. Beide haben mit Strapping Young Lad bzw. Hypocrisy eine extreme Metalband, sind aber mit der Devin Townsend Band bzw. Pain auch in musikalisch anderen Gefilden unterwegs.

„The Devin Townsend Band ist so etwas wie die Antithese zu Strapping Young Lad.“, lässt uns der Kanadier wissen, den einige vielleicht noch als Produzent von Soilworks “Natural Born Chaos“ kennen. Perfekter hätte er es nicht sagen können, denn wo er mit den “Lads“ noch eine brutale Soundwand auf den Hörer niedergehen ließ, entspannt er ihn auf “Synchestra“ nun mit atmosphärisch-beschaulichen Klängen.

Es kommt nur äußerst selten vor, dass Townsend auf Blast–Speed setzt, was der fast schon friedvollen Art der Platte zugute kommt. Hier und da baut der Meister aber (natürlich) auch wieder einige, man kann es nicht anders sagen, abgefahrene Elemente ein, die beim ersten Hören doch ziemlich verwirren. Im Großen und Ganzen wirkt “Synchestra“ aber in sich geschlossen, was verständlich ist, sieht Devin die Platte doch als „einen einzigen Song“. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass hier beim ersten Hören nur wenig hängen bleibt und die Platte Aufmerksamkeit verlangt. Aber das ist bei Townsend ja auch nichts Neues und keinesfalls etwas Schlechtes.

Der kurze Opener “Let It Roll“ erinnert an einen ruhigen Song der Beatles. Devin selbst zeigt, dass er an seiner Stimme gearbeitet hat und lässt bei diesem Song an einen jungen Paul McCartney denken. Ohne Pause geht es weiter mit dem instrumentalen Stück “Hypergeek“, welches die Linie des Openers weiterführt, um dann plötzlich mit einer schnellen Passage zu überraschen. Jedoch gelingt es Townsend, die entspannte Atmosphäre dadurch nicht zu zerstören, sondern vielmehr zu bereichern.

“Babysong“ ist Devins Lieblingsstück der Platte, beginnt aber recht unspektakulär und hebt sich wenig vom Rest der CD ab. Im Mittelteil schwankt die Platte jedoch wieder zwischen schnellen und entspannten Rhythmen. Der Doppelschlag “Vampolka“ und “Vampira“ ist dann das ganz klare Highlight auf „Synchestra“. Bei “Vampolka“ ist der Name Programm! Die fröhlichen Rhythmen bieten den perfekten Übergang zu “Vampira“, welches sich als flottes Rockstück entpuppt. Devin selbst findet zwar, dass dieses Stück nicht auf die Platte passt, aber mit der Meinung dürfte er relativ alleine dastehen. Hier gibt es passender weise auch massiven Hammondorgeleinsatz, was den Song dazu prädestiniert, live gespielt zu werden.

Zwischendurch gibt es immer wieder instrumentale Zwischenstücke, die den Faden der vorherigen Songs weiterspinnen und in den nächsten überleiten. Leider verläuft sich die Platte zum Ende hin ein wenig in Belanglosigkeiten, besonders die Longtracks wirken stellenweise sehr gestreckt.

„Synchestra“ wird Ende Januar in 2 Versionen auf den Markt kommen. Neben der Regular Edition im Jewel Case, gibt es wieder das altbekannte Digipack. Das soll ein erweitertes 16-Seiten-Booklet, sowie eine Bonus DVD enthalten. Auf dieser soll ein Live-im-Studio-Gig der Devin Townsend Band zu sehen sein. Über die Länge der DVD liegen mir verschiedene Angaben vor: Das Labelinfo spricht von 57 Minuten (was sich aber ausdrücklich nur auf den Gig bezieht), während auf der Promo CD mit einer Spielzeit von 74:30 Minuten geworben wird. Dadurch besteht natürlich die Möglichkeit, dass noch etwas Bonusmaterial auf die DVD gepresst wird.

Das neue Lebenszeichen der Devin Townsend Band ist zwar nicht ihr stärkstes geworden, aber auf jeden Fall ein interessantes. Devin selbst sieht diese Platte als Seelentherapie für sich selbst und hofft, dass die Fans dies bemerken. Aber in der Hinsicht braucht er sich sicherlich keine Sorgen zu machen, da er stets ehrliche Musik abgeliefert hat. “Synchestra“ schafft es leider nicht, mich bis zum Ende hin zu fesseln. Die leichtfüßige Art der Musik bräuchte in den langen Songs am Ende einfach etwas Auflockerung. Was der Platte außerdem noch gut getan hätte, wäre ein absoluter Kracher wie “Bad Devil“. Das ist es aber auch schon gewesen mit der Kritik, denn „ganz nette Kost“ von dieser Band erhebt sich immer noch weit über vieles andere. Und solange der Kanadier Songs wie “Vampira“ in der Hinterhand hat, gibt es auch wenig zu meckern. Also: Daumen hoch für eine weitere mutige und interessante Platte aus dem Hause Townsend. Denn man kann vom “Mad scientist“ des Metal ja einiges erwarten, aber eines gehört mit Sicherheit nicht dazu: Durchschnittliche Musik!

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