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Devin Townsend Project: Ghost

Die Ruhe nach dem Sturm
Wertung: 7/10
Genre: Ambient, New Age, Worldmusic
Spielzeit: 72:41
Release: 17.06.2011
Label: InsideOut

„Ghost“ wurde als das ruhigste Album in Devin Townsends Karriere angekündigt und bereits nach einem Hördurchgang kann man diese Aussage blind unterschreiben. Die Platte bildet den Abschluss der vor zwei Jahren mit „Ki“ und „Addicted“ begonnenen Album-Tetralogie des Devin Townsend Projects und wird zeitgleich mit dem überharten, völlig durchgeknallten „Deconstruction“ veröffentlicht, welches wiederum den dritten Teil bildet und den krassen Kontrast zu „Ghost“ markiert. Manch einer mag da an „Deliverance“ und „Damnation“ von Opeth denken, zwei Scheiben, auf denen die Schweden ruhiges und hartes Material weitestgehend trennten, doch es sei an dieser Stelle bereits so viel verraten, dass der Kontrast bei Devin Townsend noch um einiges heftiger ist. Zu „Deconstruction“ jedoch mehr im entsprechenden Review, widmen wir uns „Ghost“.

„Ki“ war bereits insgesamt vergleichsweise ruhiger gehalten und dennoch ist jene Scheibe keineswegs mit dem vorliegenden Werk vergleichbar. Wo „Ki“ songorientiert war, haftet „Ghost“ etwas viel Verträumteres, ja, Esoterisches an. Zwar ist insgesamt ein songschreiberisches Konzept erkennbar, dennoch ist stets Platz für spacige und atmosphärische Soundscapes vorhanden, die zur Verstärkung der Stimmung hin und wieder mit Geräuschen wie plätscherndem Wasser untermalt wurden. Mit den rein experimentellen Ambient-Klängen einer Scheibe wie „The Hummer“ hat das Ganze aber auch nicht wirklich etwas zu tun, da die Musik hierfür zu melodisch geworden ist. Am ehesten lassen sich – abgesehen von New-Age-Mucke – wohl ganz alte Porcupine Tree, streckenweise Pink Floyd und zum Teil vielleicht auch Sigur Rós als Vergleich heranziehen.

Über immerhin 72 Minuten erstreckt sich die Spielzeit der Platte und für so manchen hartgesottenen Metaller und insbesondere alten Strapping-Young-Lad-Jünger mag sie mit zunehmender Dauer öde oder gar langweilig erscheinen, doch war Devin Townsend schon immer einer, der stets das getan hat, worauf er Lust hatte. „Ich bin ein Egoist, ich mache Musik nur für mich selbst. Wenn es noch andere Menschen gibt, denen diese Musik gefällt, dann freut mich das“, wurde der Kanadier einstmals zitiert, und aufgrund der Tatsache, dass „Deconstruction“ und „Ghost“ am gleichen Tag herauskommen, bietet sich außerdem die Möglichkeit, die unterschiedlichen Gesichter von „Hevydevy“ so deutlich wahrzunehmen wie nie zuvor.  

Sicherlich lässt sich „Ghost“ nicht leicht bewerten, da es – wäre es keine Townsend-Veröffentlichung – wohl kaum noch The-Pit.de-relevant wäre, doch objektiv betrachtet wird auch hier sehr gute Musik geboten. Das elfminütige „Feather“ beispielsweise ist einfach wunderschön, „Blackberry“ haftet mit dem smoothen Mandolinenspiel ein absolut cooles, entspanntes, aber völlig unaufdringliches Countryflair an, der Titelsong, „Monsoon“ oder „Texada“ entführen einen in fremde Sphären, eine gewisse Katrina, die für die immer wieder auftauchenden weiblichen Vocals zuständig ist, liefert mit ihrer weichen Stimme einen sagenhaften Job ab und die vielen Flöten unterstreichen den Weltmusik-Charakter der CD bestens.

Mag sein, dass „Ghost“ auch seine Längen hat und dass letztlich nicht gerade viele Melodien hängenbleiben, aber nach dem chaotischen und wilden „Deconstruction“ ist es das willkommene Durchschnaufen. Außerdem kann man zu dem Album wunderbar relaxen und im Zusammenhang mit illegalen Rauchwaren eignet es sich bestimmt prächtig. Auf der anderen Seite ist es aber auch kein Problem, es als Hintergrundberieselung laufen zu haben, zum Beispiel während körperlicher Betätigungen im Bett. Ein zweiter Teil soll übrigens noch in diesem Jahr erscheinen.   

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