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Devilment: II – The Mephisto Waltzes

Klare Steigerung zum Debüt
Wertung: 8/10
Genre: Gothic/Horror/Groove Metal
Spielzeit: 49:44
Release: 18.11.2016
Label: Nuclear Blast

Spötter haben in Devilments Debütalbum „The Great And Secret Show“ nichts anderes als „Cradle light“ gesehen, was auf der einen Seite nicht ganz unverständlich ist, denn wenn man eine Stimme wie die von Dani Filth in der Band hat, kann man nur dämonische, düstere Musik machen und aufgrund der Einzigartigkeit seines bekanntlich sehr streitbaren Gesangsorgans liegt es in der Natur der Sache, sofort an seine Hauptband zu denken. Auf der anderen Seite sind die Kompositionen von Cradle Of Filth ausgefeilter, detailreicher und komplexer und auch lyrisch anspruchsvoller und poetischer.

Gerade einmal zwei Jahre ist es her, dass das englische Quintett sein – zumindest was den Titel betrifft – von Clive Barker beeinflusstes Erstlingswerk unters Volk brachte, und damit eben solche Stimmen wie die eingangs erwähnten verstummen, war es sicherlich notwendig, so schnell wie möglich Nachschub zu liefern. So wird auch Dani im Promoschreiben zitiert: „Wenn man nur ein Album macht und dann aufhört, denken die Leute, dass das Ganze nur ein Nebenprojekt war, das nicht gut lief“, was natürlich nicht von der Hand zu weisen ist.

Diesmal soll alles „größer, gewagter und charakteristischer“ sein – ein Statement, das man gerade beim Zweitwerk einer Band ziemlich häufig hört. Aber es trifft in diesem Falle absolut zu, denn in der Tat gibt es von allem ein bisschen mehr: Mehr Bombast, deutlich mehr weiblichen Gesang und vor allem deutlich bessere Hooklines. Die 2014er Scheibe war und ist zweifellos hörenswert und hatte insbesondere mit dem Titelsong einige starke Nummern zu bieten, kam nur leider in der etwas unspektakulär dahinplätschernden, nicht zwingenden ersten Hälfte nicht so richtig in die Gänge. Ein klassischer Siebener irgendwie.

Wirkte der Debüt-Opener „Summer Artieries“ seinerzeit ein bisschen sperrig, kommt „Judas Stein“ beispielsweise wesentlich schneller auf den Punkt, noch eingängiger wird es dann allerdings bei „Hitchcock Blonde“ mit seinem Groove, der perlenden Keyboardmelodie und den markanten Shouts im Refrain – kein Wunder daher, dass das Stück als Single ausgekoppelt wurde. Im Übrigen ist dieser Track auch mal wieder ein Exempel für die stets ebenso originellen wie amüsanten Titel, die Dani sich (wie ja auch bei Cradle) gerne mal aus dem Ärmel schüttelt. „Even Your Bloodgroup Rejects Me“ von „The Great And Secret Show“ war auch schon ziemlich cool, mit „Shine On Sophie Moone“ schießen die Briten jedoch den Vogel ab.

Wir erinnern uns alle sicherlich an „The Ballad Of Chasey Lain“ von der Bloodhound Gang, in der Sänger Jimmy Pop recht plakativ hauptsächlich vom Hinterteil der amerikanischen Pornodarstellerin schwärmte; Devilments Ode an die Sexgöttin aus Ungarn fällt definitiv substanzieller aus, die Lyrics offenbaren viel mehr eine nahezu verklärende Besessenheit des Protagonisten von der magyarischen Schönheit. Ob diese von dem Song weiß und was Dani selbst dazu zu sagen hat, wäre auf jeden Fall interessant zu erfahren. Auch wenn der Sänger, so viel sei gesagt, im Vorfeld auf die wohl dosierte Portion morbiden Humor in den Texten hinwies.

Fest steht: Der Track zählt ganz klar zum stärksten Material der Platte. Furios, treibend und aggressiv startend, wartet er in der Mitte mit einem ebenso überraschenden wie wunderschönen Break auf, nach dem das Stück eine ruhige, geradezu verträumte Richtung einschlägt, veredelt mittels ätherischen Vocals von Keyboarderin Lauren Francis, die wie erwähnt in Sachen Gesang auf der zweiten Langrille wesentlich mehr zu tun bekommen hat und ihre Aufgabe tadellos erledigt. „Beauty and the Beast“-Kitsch muss keiner befürchten, die beiden völlig unterschiedlichen Stimmen ergänzen sich bestens und sorgen für Abwechslung, ohne dass es aufgesetzt und operettenhaft wirkt.

So auch im ebenfalls bockstarken „Full Dark, No Stars“, einer eleganten Gothic-Ballade mit hübscher Klaviermelodie und exzellentem Refrain, oder im wiederum sehr fett groovenden „Life Is What You Keep From The Reaper“, dessen Chorus absolut großartige Ohrwurm-Qualitäten besitzt und mit Sicherheit auf den nächsten Konzerten eines der Highlights darstellen wird. Die stärksten Momente hat das Album auch tatsächlich in seiner Mitte, auffällig ist insbesondere, dass man wohl vor allem kräftig an den Refrains gearbeitet hat.

Gerade hier darf sich meist Lauren hervortun und das erweist sich als überaus effektiv; auch bei einem etwas sperrigeren, dramatischen Song wie „Dea Della Morte“ ist es der Chorus, der hervorsticht. Das gilt genauso für „Entangled In Our Pride“, das nach aufwühlender Riffpower in der Strophe auf den aufgehenden Bombast-Chorus geradezu hinarbeitet, damit dieser nur umso heller erstrahlen kann.

Insgesamt darf für „II –The Mephisto Waltzes“ eine klare Steigerung zum Debüt verzeichnet werden. Die zweite neben „Hitchcock Blonde“ ausgekoppelte Single „Under The Thunder“ und das finale „Hell At My Back“ sind zwar etwas blasser ausgefallen (doch immer noch gut), aber unterm Strich liegt hier eine Platte vor, die einfach Spaß macht und vielleicht auch Leute anspricht, die mit Cradle Of Filth vielleicht schon Kontakt hatten, denen diese Truppe jedoch zu extrem, zu hart und/oder zu anstrengend ist. Und allen Geschlechtsgenossen unter den The-Pit.de-Lesern, die bislang noch nie was von Sophie Moone gehört haben, wünsche ich jetzt erst mal viel Spaß beim Googeln...

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