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Devil Sold His Soul: Blessed & Cursed

Ein außergewöhnliches Album
Wertung: 9.5/10
Genre: Progressive, Ambient, Post-Hardcore
Spielzeit: 64:03
Release: 09.07.2010
Label: Century Media

Eine Grundstimmung über die volle Distanz einer Platte durchzuhalten, ist gar nicht so einfach. Ganze Wagenladungen an Bands sind an diesem Versuch gescheitert, nicht so aber die Briten Devil Sold His Soul. Deren neue Platte nämlich steht ab Anfang Juli in den Läden und bietet über eine Stunde lang Verzweiflung, Trauer, Wut und – man möchte es kaum glauben – eine Spur Optimismus in Form unglaublich bewegender Instrumentals, die immer mal wieder durchblitzen.

Nach den beiden eher finster gehaltenen Alben „Darkness Prevails“ (einer EP aus dem Jahr 2005) und dem zwei Jahre später erschienenen „A Fragile Hope“ war es aber auch mal Zeit für ein bisschen Optimismus, schließlich hat das Sextett bisher durchweg gute bis sehr gute Kritiken erhalten – kein Wunder, präsentieren Bassist Iain, Samples-Master Paul, Drummer Leks, Sänger Ed und die beiden Gitarristen Jonny und Rick eine sehr ausgewogene Mischung aus progressiven Elementen, Ambient Metal und Post-Hardcore wie ihn beispielsweise Poison The Well fabrizieren. Dabei klingen DSHS immer ein ganz kleines bisschen wie 30 Seconds To Mars mit einem Schuss Lostprophets, nur ohne das ganze Teenie-Gekreische und die hübsch gestylten Jungs. Sie klingen ehrlicher, tiefgründiger, und genau das macht die Faszination aus, die die neue Platte „Blessed & Cursed“ ausstrahlt.

Dem ganzen Album wohnt ein merkwürdig verzaubertes Flair inne, was vermutlich am häufigen Einsatz von Samples liegt, die an Wassertropfen oder an sich bewegende Luft erinnern; das Bild, das einem für diese Platte automatisch im Kopf rumspukt, ist ein Sonnenuntergang, den man sich auf einem Feld oder einer Anhöhe sitzend anschaut. Klingt kitschig, passt aber gut zum Feeling der Platte. Schon beim Opener „Tides“ taucht sphärisches Gitarrengeplänkel auf, bevor Sänger Ed sich in fulminanten Shouts ergeht. Durch den teils klaren Gesang wird die sehnsüchtige Stimmung und die Verzweiflung nur noch mehr unterstrichen – ein Gefühl, das man während der gesamten Spielzeit nicht mehr abschütteln kann.

Bei „Drowning/Sinking“ kämpft sich Ed regelrecht durch die Strophen; gut platzierte Breakdowns erhöhen den Moshfaktor, bevor das Zwischenspiel von fragilen Gitarrenspuren einen harten Kontrast zu den Shoutings bilden – übrigens auch ein Stilmittel, das DSHS des Öfteren anwenden, das aber nie langweilig wird. Der Song gipfelt in einem keinesfalls kitschigen Chor, der mit einem Schrei kurzerhand beendet wird. Die Band versteht es, den Hörer immer mal wieder regelrecht zu schocken, so wie beim etwas progressiver ausfallenden „Callous Heart“, das erst leise vor sich hinplätschert, bevor Ed plötzlich losschreit; hat man den Lautsstärkeregler hier zu weit rechts stehen, steht einem ein mittlerer Herzinfarkt bevor.

Das fast siebenminütige „The Disappointment“ fällt ein wenig aus dem Raster, da der Song sofort mit Gebrüll startet und erst zwischendurch ein wenig gebremst wird; die Verzweiflung, die DSHS rüberbringen wollen, ist hier überdeutlich zu spüren. Besonders beeindruckend gestaltet sich auch das achteinhalb Minuten lange „A Foreboding Sky“ mit seinem klaren Gesang – der übrigens streckenweise dem von Alesanas Shawn Milke relativ nahe kommt – und dem bei der Hälfte des Songs losbrechenden Geschreis. Man kann diese Kombination noch so oft hören, langweilig wird sie nie.

Fazit: Devil Sold His Soul ist hier ein Album der Extraklasse gelungen, das ein wahres Kunststück vollbringt: Zwar sind alle Songs ähnlich aufgebaut, dennoch fällt es schwer, hier einen oder mehrere Tipps abzugeben, denn jedes einzelne Stück ist auf seine Art so interessant und genial, dass man sich einfach die komplette Platte anhören muss. Für mich eines der Highlights der Post-Hardcore-Szene!

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