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Deviated Presence: Fractured Mind

Technisch beeindruckendes Album, bei dem mehrere Durchläufe unumgänglich sind
Wertung: 7.5/10
Genre: Progressive Death-/Black Metal
Spielzeit: 79:58
Release: 24.04.2009
Label: Yonah Records / Alive

Ich bin ja wirklich einiges gewohnt, was Progressive Metal angeht, habe mir mit Watchtower, Cynic und den legendären, phantastischen, nicht zu überbietenden Psychotic Waltz, um nur einige Beispiele zu nennen, so manche nicht gerade leicht zugängliche Combo, die auf Breaks, Takt- und Tempowechsel setzt, zu Gemüte geführt – und doch muss man immer wieder die Erfahrung machen, dass es Bands gibt, die noch einen draufsetzen. Deviated Presence aus dem Ruhrpott sind so eine Band. Ihrem Namen, der übersetzt so etwas wie „abweichendes Auftreten“ oder „abweichende Anwesenheit“ bedeutet, machen sie alle Ehre, denn von der Norm abweichend ist diese Gruppe ohne jeden Zweifel.

Ebenso passend ist auch der Albumtitel „Fractured Mind“, da der Verstand des Hörers hier wahrlich auf eine harte Probe gestellt wird. Schon im Opener (gleichzeitig auch der Titelsong) geht es unheimlich komplex zur Sache: Es herrscht eine permanente Laut-leise-Dynamik vor, Growls und cleaner Gesang wechseln sich ab, verzerrte und akustische Gitarren treffen aufeinander, Jazz-artiges Drumming weicht rasenden Blastbeats, schwarz- beziehungsweise todesmetallisch angehauchte Riffs und frickelige Soli geben sich die Klinke in die Hand. Mit anderen Worten: Hier ist man zu jeder Sekunde gefordert und es dürfte jedem sofort klar sein, dass diese Scheibe nichts zum Nebenbeihören ist. Die Kapazität einer CD, die bei 80 Minuten liegt, wurde hier voll ausgenutzt und da es, wie man sich denken kann, nicht bei diesem einen Mindfuck bleibt, heißt es, eine Menge Geduld mitzubringen, um durch „Fractured Mind“, welches nach „Fall’s Passage“ (2004) und „Eerie Sphere“ (2005) bereits das dritte Studioalbum der Band darstellt, durchzusteigen. Mehrere Durchläufe sind absolute Pflicht, um die Details und die Struktur der Stücke auch nur ansatzweise zu verstehen.

„Darkness“ und „Silent Hours“, die dem über elf Minuten langen Opener, der trotz seiner Länge im Gegensatz zum restlichen Material trotz der unfassbaren Komplexität fast schon so etwas wie Eingängigkeit besitzt, folgen, sind so voll von Breaks und Wechseln (und besitzen weniger ruhige Parts als der Titelsong, was die Sache eher noch schwieriger macht), dass man davon zunächst geradezu erschlagen wird. Auf der anderen Seite sind hier jede Menge versteckter Melodien und Gitarrenharmonien enthalten, die sich eben erst nach vermehrtem Konsum offenbaren. – Meine Güte, wirklich starker Tobak, aber, was wohl jeder zugeben muss, rein technisch gesehen natürlich unglaublich beeindruckend.

Da ist das ruhige Intro zu „Eternal“ schon richtig erlösend, wenngleich einem bei diesem erneut über elf Minuten langen Track wieder kein langes Durchschnaufen vergönnt ist, da alsbald auch hier wieder mächtig todesmetallisch – zwischendurch von ein paar ruhigeren Passagen unterbrochen – zu Werke gegangen wird – selbstredend wieder mit einer Komplexität, die selbst Morbid Angel alt aussehen lassen würde. Man fragt sich nur, ob die Truppe um Bandgründer/Sänger/Gitarrist Felix Gebhart das auch auf der Bühne umsetzen kann, denn wie zur Hölle kann man so was bitte auch live spielen?

Und selbst beim recht balladesken „Daydreaming“, das phasenweise ein wenig an Opeths „Harvest“ erinnert, gönnt man es sich nicht, mal etwas straighter zu spielen – Tempowechsel und kompliziertes Schlagzeugspiel stehen auch hier auf dem Programm. Dennoch ist dieser Ruhepol, der einige wirklich hübsche Gesangslinien zu bieten hat, endlich einmal eine tatsächliche und sehr willkommene Pause zum Relaxen zwischen den frickeligen Prog-Death-Epen.  

Diese Ruhe erweist sich allerdings als trügerisch: Mit „Departure“ wird das nächste Inferno eingeleitet, das mit Black-Metal-Riffs und Blastbeat-Geknüppel aufwartet, welche wiederum von zahllosen Breaks und cleanem Gesang unterbrochen werden. Absoluter Irrsinn! Überhaupt ist die zweite Hälfte von „Fractured Mind“, was die aggressiven Parts betrifft, mehr in Schwarzwurzelgefilden denn im Todesbleisektor angesiedelt, wie auch die folgenden Tracks „Static Voyage“, „Mirror Insight“ und „Reflections“ (bei dem auch sehr schön einige auflockernde Keyboardsounds eingebaut wurden) beweisen, die in eine ähnliche Kerbe schlagen. Möglicherweise hat die Band aus diesem Grund auch das Cover farblich geteilt. Schon das Frontbild wurde quasi aufgesplittet (links eine friedliche, grüne Naturlandschaft, rechts ein Ozean bei Nacht, wenn ich das richtig erkenne), doch auch auf der Rückseite liegt eine Unterteilung vor: Die Auflistung der ersten fünf Tracks nämlich wurde mit weißem Hintergrund unterlegt, die Nummern sechs bis zehn dagegen mit schwarzem.

Doch ob das nun so beabsichtigt war oder nicht: Es ist weiß Gott nicht einfach, diese CD, die mit dem von Pianoklängen unterlegten „Pointless After All“ recht ruhig ausklingt, zu beurteilen, da in jedem Stück schier unglaublich viel passiert. Natürlich bleibt nicht wirklich viel hängen, aber wer solche Musik macht, hat logischerweise auch gar nicht die Intention, Eingängiges zu fabrizieren. Klar soll der Hörer hier gefordert werden, wobei 80 Minuten dieser schweren Kost vielleicht ein bisschen zu viel des Guten und selbst für einen hartgesottenen Progger ziemlich anstrengend sein dürften. Zudem täte Frontmann Felix vielleicht ganz gut daran, noch ein wenig an seinem Cleangesang zu arbeiten, der hin und wieder etwas eintönig herüberkommt, wobei die mehrstimmigen Parts wirklich gut arrangiert sind. Die Growls hingegen überzeugen auf ganzer Linie.

In jedem Fall ist es schon beeindruckend, was Deviated Presence mit „Fractured Mind“ abliefern und wer ein bisschen open-minded ist und sich nicht sofort von den vielen Breaks abschrecken lässt, sollte der Scheibe eine Chance geben.

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