Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Deutsche Laichen: Deutsche Laichen

Ein starkes Album - wenn nur der Moralknüppel nicht ständig zum Vorschein käme
Wertung: 7,5/10
Genre: Punkrock
Spielzeit: 27:37
Release: 19.07.2019
Label: Zeitstrafe

Eine Punkband, die sich Deutsche Laichen nennt und erst mal was von „Pöbeln und Feminismus“ erzählt – da rollen sich im ersten Moment die Zehnägel hoch. Und zwar nicht wegen Feminismus, sondern wegen dem Gepöbel. Andererseits: Eine Punkband ohne Pöbeln ist ja keine richtige Punkband. Also, noch mal auf Anfang: Die Fünfertruppe Deutsche Laichen hat ihr selbst betiteltes Album bereits letztes Jahr herausgebracht, verstaubt ist es dann eine Weile auf dem heimischen Musikstapel, was auch ein bisschen dem Promoschreiben geschuldet war. Wer braucht noch eine weitere Band, die den Zeigefinger hebt? Auch hier gibt es wieder zwei Seiten: Manche Menschen sind nun mal so blind, dass nur ein Zeigefinger im Auge noch Abhilfe schaffen kann. Und wenn das nichts bringen sollte: „Deutsche Laichen“ auf voller Lautstärke.

Ich als Frau – oder, wie Deutsche Laichen gerne sagen: als weiblich sozialisiertes Wesen – kann komischerweise nur selten mit weiblich sozialisierten Musikern etwas anfangen. Deutsche Laichen hören sich aber stellenweise ermutigend ähnlich an wie die kanadischen Kolleginnen von Mobina Galore, so ist der Sprung ins kalte Wasser nicht ganz so schockierend. Und Titel wie „My Cunt My Business“ oder flotte Rempler wie „Heartache Legbreak“ können dann schon im ersten Durchlauf ziemlich ordentlich punkten, nicht zuletzt dank des starken Doppelgesangs. Hier und da hört man ein bisschen Brody Dalle raus, dann wieder einen Hauch Courtney Love, aber eigentlich kann man hier so ziemlich alle abgerockten Ladies aus dem Punkrock-Business als Referenzen anführen, falsch wäre es nie.

Man mag jetzt über den gemeinsamen Konsens streiten, Songs wie „Rauchen“ hauen aber schlichtweg ziemlich ordentlich rein und fungieren gleichzeitig auch noch als überraschen penetranter Ohrwurm. Deutsche Laichen schaffen gar das Kunststück, sich weder auf Englisch noch auf Deutsch lächerlich zu machen – wer mal einige Texte deutschsprachiger Punkbands lesen durfte, weiß, dass dies keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist. „Emanzenlesbenschlampe“ ist dann textlich zwar recht übersichtlich, aber nichtsdestoweniger ein bockstarker Track, der sicherlich auch live für ordentlich Action sorgt. Nicht weniger knallig kommt „Du bist so schön, wenn du hasst“ daher, bei dem die Instrumentalfraktion für ordentlich Tempo und Mittanzfaktor sorgt.

Natürlich darf auch ein Songs über Polizeigewalt nicht fehlen („Bullen“). Deutsche Laichen bewegen sich also insgesamt ganz in den klassischen Punkthemen, machen aber zumindest musikalisch deutlich mehr richtig als viele ihrer GenrekollegInnen. Unterm Strich ist „Deutsche Laichen“ also ein durchaus empfehlenswerter Album – wenn auch der feministische Rundumschlag irgendwann gehörig an den Nerven zehrt, sei man nun weiblich, männlich oder gar nicht sozialisiert. Texte wie „You break my heart, I break your legs“ waren schon auf der Schule eher semilustig und haben auch 2020 noch keinen literarischen Wert gewonnen, sondern kommen im besten Fall stumpf und im schlimmsten Fall einfach nur doof daher. Gottlob können Deutsche Laichen musikalisch einiges reißen – so lässt sich „Deutsche Laichen“ tatsächlich im oberen Punktespektrum ansiedeln.

comments powered by Disqus