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Desultory: Counting Our Scars

Beeindruckendes Comeback schwedischer Veteranen
Wertung: 8.5/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 41:41
Release: 17.01.2011
Label: Pulverised Records

Eigentlich sollte jeder, der den Death Metal aus dem Land der Riesenmöbelhäuser und Elche sein Metier nennt, beim Namen Desultory zum Aufhorchen gezwungen sein. Die schwedischen Urgesteine haben schließlich nach ihrer Formation im Jahr 1989 zusammen mit den heute immer noch sehr erfolgreichen Weggenossen von Entombed, Dismember und Unleashed die sogenannte Stockholm-Szene begründet, die ihrerseits dem Metal schon die blau-gelbe Fahne aufgedrückt hatte, bevor die wohl populärsten Schweden aus Göteborg überhaupt erst bekannt wurden. Desultory hatten damals schon ziemlichen Kultstatus inne, nicht zuletzt durch die absoluten Klassiker-Alben „Into Eternity“ und „Bitterness“. Nach dem deutlich rockiger geratenen „Swallow The Snake“ im Jahr 1996 wurde die Band dann vom damaligen Label Metal Blade fallen gelassen und so löste sich die Truppe dann auch auf. Doch nach nun mehr vierzehn Jahren haben sich die Recken jetzt noch mal zusammengerafft und mit Pulverised Records ein neues Label gefunden, für das man kurze Zeit später einen neuen Langspieler aufgenommen hat. Das gute Stück hört auf den Namen „Counting Our Scars“ und man hat an keiner Ecke gegeizt. So ist das Material von Tore Stjerna, auch verantwortlich für Studioarbeit in Sachen Watain, Deströyer 666 und Demonical, in den Necromorbus Studios aufgenommen worden und das Artwork wurde von Travis Smith kreiert, der das auch schon für Opeth, Nevermore, Amorphis und King Diamond kredenzt hat.

Stellt sich eigentlich nur noch die Frage, was man musikalisch nach so langer Pause heutzutage noch von den Altmeistern erwarten kann. Diese Frage wird allerdings schnell mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht eines jeden Hörers dieser Scheibe beantwortet. Schon der Opener „In A Cage“ beeindruckt mit schierer Brutalität und gewohnt schwedischen Melodien, wie sie sahniger nicht klingen könnten. Differenziertes Songwriting mit ausgeklügelten Breaks und perfekt getimeten Wechseln zwischen Kopfschüttel-Passagen, Dauerfeuer-Einlagen und singenden Gitarren stellen eindrucksvoll die Klasse unter Beweis, die hier an den Tag gelegt wird. Es wird jedoch auch nie zu verschachtelt oder zu komplex, so dass der Hörer immer voll am Ball bleibt. Man hat es ebenfalls geschafft, den schwedischen Todmetal der alten Schule in ein, was die Produktion angeht, modernes Gewand zu kleiden, ohne dass etwas von dem Charme der alten Haudegen aus Stockholm verloren geht.

Zu den Fähigkeiten der lang gedienten Veteranen muss man nicht viel sagen, jeder beherrscht sein Instrument auf höchstem Niveau und die Vocals sorgen zusammen mit der ausgesprochen sauberen Lead-Gitarre für absoluten Gänsehaut-Faktor. Die Sternstunden der Scheibe treten in Form des groovigen „Ready To Bleed“, des stampfenden „The Moment Is Gone“ und des eingängigen, mit genialen Leads geschmückten „Dead Ends“ auf. Das restliche Liedgut ist allerdings ebenfalls mehr als grundsolide. Das Einzige, was dem Album hier und dort mal fehlt, wären mal ein paar unkonventionellere Ideen, die das Ganze etwas auflockern würden, aber stören wird sich daran wohl keiner.

„Counting Our Scars“ ist eine Superscheibe nach schwedischer Maßarbeit und die Herren von Desultory zeigen hier, dass sie noch lange nicht zu den alten Eisen gezählt werden sollten. Vor Dismember, Entombed, Unleashed und wie sie alle heißen, muss sich dieses Schlachtschiff keinesfalls verstecken. Alle Anhänger der Ikea-Fraktion des Metals und geneigte Tod-Metaller sollten hier auf jeden Fall beherzt zugreifen.

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