Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Desperados: The Dawn Of Dying

Durchschlagskräftig wie eine Packung blaue Bohnen
Wertung: 9/10
Genre: Country & Thrash Metal
Spielzeit: 48:14
Release: 07.05.2000
Label: Drakkar Records

Dieses Album ist heutzutage ein wenig in Vergessenheit geraten, obwohl es die Band mit leicht verändertem Line Up und Namen (Dezperadoz) noch heute gibt. Als „The Dawn Of Dying“ erschien, wurde es von Fans und Presse auch eher zwiespältig aufgenommen, was sicherlich auch an Tom Angelripper lag, der damals äußerst umtriebig war. Der Sodom-Frontmann hatte damals nicht nur sein „Onkel Tom“-Projekt, sondern machte gerne auch einen auf „Metal-Weihnachtsmann“, so dass viele ihn wohl nicht auch noch als Westernhelden brauchten. Ein Fehler, wie „The Dawn Of Dying“ bei näherer Betrachtung beweist. Thrash Metal mit Western Soundtracks zu kreuzen klingt natürlich erstmal ein wenig abenteuerlich, funktioniert in Kombination mit Toms Reibeisenstimme aber erstaunlich gut. Nur schade, dass er nach dieser Platte nicht mehr als Sänger zur Verfügung stand, wenn man mal von einigen Beiträgen zum dritten Album „An Eye For An Eye“ absieht. Aber hier soll es um das Debüt gehen...

Und das beginnt natürlich mit einem stilechten Western-Intro, das in zwei Teile aufgesplittet ist. „The Beginning“ besteht lediglich aus Geräuschen der Prärie und Hufgetrappel, während „As A Judgement“ ein direktes Ennio Morricone-Zitat ist. Richtig los geht „The Dawn Of Dying“ aber erst mit dem groovigen Thrasher „Gomorrah Of The Plains“, der noch mit einer Prise schmutzigem Rock'n Roll aufgewertet wurde. Tom Angelrippers dreckige Stimme passt hierzu natürlich wie die vielzitierte Faust aufs Auge. Ziemlich ähnlich aufgebaut ist auch der Titeltrack, der aber überraschenderweise nicht zu den Highlights des Albums zählt.

„My Gun And Me“ dagegen aber umso mehr. Das Lied hat starke Country Einflüsse und kann mit einigem Wohlwollen als „Halbballade“ bezeichnet werden. Bei dieser Nummer gibt der kreative Kopf des Projekts auch sein Gesangsdebüt. Alex „Bigmouthed“ Kraft spielte nicht nur die Gitarren-, Banjos-, Harfen-, Mandolinen- und Bassspuren auf „The Dawn Of Dying“ ein, er singt auch mit Tom „Booze“ Angelripper dieses Duett. Das funktioniert aufgrund seiner völlig anderen (melodischen) Stimme auch bestens und macht „My Gun And Me“ zu einem wahren Ohrwurm.

„Gone With The Wind“ ist danach wieder in keinster Weise besonders und kann weder mit kreativen Einfällen noch einer griffigen Hookline aufwarten, wie es so viele andere Lieder tun. „Rattlesnake Shake“ (genialer Titel übrigens) zum Beispiel ist ein Midtempo Stampfer allererster Güte und bringt jeden Fuß zum wippen. Da möchte man sich doch glatt den nächsten Whiskey am Tresen bestellen und danach vielleicht zu „Riders In The Sky“ das Tanzbein schwingen. Jenes Lied (1948 von Stan Jones geschrieben) hat im Laufe der Zeit so viele Bearbeitungen und sogar Titeländerungen erfahren, dass es schwer ist den Überblick zu behalten. Am bekanntesten dürfte Johnny Cashs Version „Ghostriders In The Sky“ oder (zumindest in der Metalszene) die gleichnamige Variante der apokalyptischen Reiter sein. Die Desperados haben mit Mandolinen, Banjos und harten Trashriffs eine ebenfalls exzellente Variante des Klassikers erschaffen.

Im Prinzip verändert sich stiltechnisch nicht mehr allzu viel. „Devils Horse“ spielt ein wenig mit Soundtrack-Elementen, „Dodge City“ ist die musikalische Vertonung aus staubigen Westernstadt und „Jumpin' Down The Running Train“ hat einen unwiderstehlichen Groove und eine lässig gespielte Mundharmonika zu bieten, was unglaublich gut in Ohr, Nacken und Bein geht. Abgeschlossen wird „The Dawn Of Dying“ von der Bandhymne „Desperados“, einer Ballade, die von Alex Kraft gesungen wird und stark an die ruhigen Momente von Black Label Society erinnert. „The End“ endet natürlich stilecht mit einer Schießerei, bevor man in den „Oriental Saloon“ einkehrt. Und jeder, der mal einen Western gesehen hat, weiß wie die Musik in einem Saloon in Feierstimmung klingt. Nach den ganzen harten Gitarren eine gelungene Abwechslung, die automatisch gute Laune macht.

So geht es mir zumindest jedes mal. In gewisser Weise kann ich es nachvollziehen, wenn man diesem Album nichts abgewinnen kann. Wenn jemand sich nicht für Italo-Western (die glatt polierten amerikanischen Vertreter wollen wir mal vergessen) interessiert, wird er mit den liebevollen Kleinigkeiten in der Musik und der gesamten Stimmung wohl nicht warm werden. Leute, die Clint Eastwood, Lee van Cleef oder Franco Nero für die coolsten Säue halten, die je durch die Prärie geritten sind und zudem ein Faible für Thrash Metal haben, kommen an „The Dawn Of Dying“ nicht vorbei und sollten dringend nach dieser Platte Ausschau halten. Denn die heutigen Dezperadoz haben leider nie an ihr Debüt anknüpfen können.

comments powered by Disqus

Auch die unsägliche Informationspolitik kann einem den Spaß nicht verderben

Stimmungsvoller Abend mit zwei motivierten Bands

Spektakulärer Abend, der kaum zu übertreffen ist

Das Wochenende klingt mit Volldampf aus

 

 

„Das ist genau der Punkt, kein erhobener Zeigefinger“