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Despairation: A Requiem In Winter's Hue

Despairation - diesmal ist der Name leider auch Programm
Wertung: 5.5/10
Genre: Gothic Rock
Spielzeit: 57:53
Release: 29.02.2008
Label: My Kingdom Music

Es gab Zeiten, da hätte man meinen können, Sascha Blach und seine Kollegen in Despairation hätten das Potenzial, um die legendären Opeth langfristig vom Thron schubsen können. Gerade die letzten beiden Releases der Melancho-Progressive-Rocker waren eine sichere Bank und in Sachen Emotionalität mitunter das Stärkste, was der deutsche Underground in Jahren hervorgebracht hat.

Die darauf folgende Kreativpause hat der Band aber anscheinend mehr Schaden als Nutzen gebracht. Das Songwriting ist mit einem Mal beliebig und austauschbar, stellenweise sogar richtig poppig. Ein Totaleinbruch? Womöglich schon…

Die wohl am nächsten liegende Frage ist die nach der Intensität vorangegangener Tage. Dort, wo einst verschachtelte Rhythmen mit bezaubernder Epik gepaart wurden, hört man heuer simpelste Schemen im Kreise leicht verdaulicher Melodien. Zwar hat Blach sich noch nicht in den Dunstkreis von HIM und Konsorten begeben, liebäugelt zwischenzeitlich aber ganz klar mit dem Mainstream-Bereich, was ja auch akzeptabel wäre, würde man sich nicht stellenweise so lieblos anbiedern.

Bereits der kitschige Opener „Kiss Of Ashes“ ist erschreckend seicht, wohingegen langatmiger Stoff wie „A Lovelorn Requiem“ und „Farewell In Blue“ fast schon abstoßend gekünstelt klingt. Und noch mal: Wohin mit der Intensität?

Zumindest konnten sich Despairation bei all der zweifelhaften Entwicklung dennoch ihren Status als eigenständige Band bewahren, wobei man auch hier ganz neue Einschränkungen festlegen muss. Galt man nämlich zuvor noch gerade wegen der fantastischen Vermischung von progressiven und finsteren Versatzstücken als innovativ und richtungsweisend, ist der Begriff Eigenständigkeit anno 2008 eher auf die belanglosen Arrangements gemünzt – eine Tatsache, die nicht nur den Kritiker, sondern auch den langjährigen Fan zutiefst bestützen sollte. Andererseits sollten sich Despairation mit „A Requiem In Winter’s Hue“ zumindest einige neue Fanschichten öffnen.

Fazit: Wer austauschbaren, lockeren Gothic Rock mag und in der düsteren Schiene auch mal ein paar fröhliche Noten und Melodien akzeptiert, der sollte sich das Ganze auf jeden Fall mal zu Gemüte führen. Wer die Band allerdings bislang für ihren Pioniergeist und ihre tiefgründige Melancholie verehrte, sollte gut überlegen, ob er einen Testlauf wagt. Die Genialität einstiger Tage ist nämlich auf dieser Platte fast gänzlich gewichen.

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