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Deserted Fear: Drowned By Humanity

Solides Album, aber mit Sicherheit nicht der neue Death Metal-Heilsbringer
Wertung: 7/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 47:29
Release: 08.02.2019
Label: Century Media

Es ist schon sehr wohltuend, dass die Death-Metal-Szene sich inhaltlich längst nicht mehr auf Blasphemie, Serienkiller, Foltern, Verstümmeln und Ausweiden reduzieren lässt. Statt mit billigen Klischees zu provozieren, die sowieso niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken und – seien wir ehrlich – ab einem gewissen Grad einfach nur noch peinlich sind, kanalisiert man seine Wut lieber auf konstruktive Weise. Bands wie Gojira oder Wolves In The Throne Room (auch wenn letztere nicht wirklich dem Todesstahl-Genre zugerechnet werden können) schlagen einen gänzlich anderen Weg ein und machen auf subtile Weise auf die Umweltzerstörung und Ausbeutung der Natur aufmerksam, anstatt mit dem drölfzigsten Splatter-Album abzunerven.

Außerdem: Was kann mehr Wut verursachen als die permanente Ignoranz der Menschheit? Dies scheinen auch Deserted Fear aus dem schönen Thüringen so zu sehen und ziehen es daher vor, mit sinnvollen Themen aufzuwarten – ein Album, das auf den Titel „Drowned By Humanity“ getauft wurde, zeigt ja recht deutlich, wie der Hase läuft. Für eine Extremband, die zudem noch keine zehn Jahre existiert, können die Eisenberger bereits einen beachtlichen Erfolg vorweisen – u.a. waren sie in den Top 50 der deutschen Albumcharts mit dem letzten Langdreher „Dead Shores Rising“ vertreten, sodass bereits von der „Hoffnung des deutschen Death Metal“ etc. die Rede war.

Mit ihrem cleveren Mix aus Brutalität und versteckten schwedischen Melodien konnte sich die Combo bisher von den meisten neueren Bands des Genres abheben und ordentlich Punkte an der Basis einheimsen – klar, dass die Hartwurstwelt beim Release des vierten Studioalbums da genauer hinsieht. Schnell wird offenkundig, dass man im Hause Deserted Fear nun noch mehr auf Groove und Eingängigkeit setzt: Nach einem rund anderthalbminütigen Soundtrack-artigen Intro wird mit „All Will Fall“ die erste Todesblei-Hymne ausgepackt, die grob gesagt die Richtung der Platte vorgibt.

Ein ordentlich treibendes Midtempo-Riff, unterlegt von flottem Doublebass-Drumming, und im Refrain garniert mit einer kleinen Ohrwurm-Melodie – der Track erinnert in seiner Machart nicht unerheblich an Amon Amarth, auch das folgende „An Everlasting Dawn“ schlägt in diese Kerbe. Das ist wahrlich nichts Neues und bei dem Vergleich mit den enorm erfolgreichen Wikingern werden ohnehin jede Menge Augenbrauen skeptisch gen Norden wandern, zumal Johan Hegg und Co. schon seit einiger Zeit jegliche Relevanz verloren haben, doch handwerklich und kompositorisch ist das zweifellos gut gemacht.

Maximal effektiv tritt der Wechsel zwischen aggressiver Härte und ausgefeilten, harmonischen Schwedentod-Gitarren dann bei „The Final Chapter“, das zwischen tief dröhnendem, tonnenschwerem Riffing und In Flames-artigen Leads pendelt, und dem an At The Gates erinnernden „Reflect The Storm“ zutage: Wer seinen Death Metal melodisch mag, aber wem gerade erstgenannte Formation nicht (mehr) kräftig genug Arsch tritt, ist hier sicherlich gut aufgehoben.

Dennoch nutzt sich das Rezept im Laufe der Scheibe leider merklich ab. Zwar walzt das vom kurzen Zwischenspiel „Across The Open Sea“ eingeleitete „Welcome To Reality“ so ziemlich alles platt und markiert mit seiner Angepisstheit auch im Text sogar die wohl stärkste Nummer, und „A Breathing Soul“ vermittelt dank seiner melancholischen, filigranen Gitarren und starker Dynamik Tiefgang – insgesamt jedoch schießt einem während der zweiten Hälfte des Rundlings immer wieder die Erkenntnis durch den Kopf, dass ein wenig mehr Uptempo, Abwechslung und Originalität wohl nicht geschadet hätten.

So werden erst im an letzter Stelle platzierten „Tear Of My Throne“ das erste Mal tatsächliche Blastbeats ausgepackt – und hierbei handelt es sich um eine alte, bislang unveröffentlichte Demo-Nummer, die zum ersten Mal frisch aufgemöbelt der Öffentlichkeit präsentiert wird. Dass die Truppe hier roher tönt, liegt also in der Natur der Sache, und doch hätten dem Trio mehr Rohheit, sprich Ecken und Kanten, und mehr Tempovariationen, mehr Mut gut zu Gesicht gestanden. Die arg sterile Henrik Udd-Produktion trägt ihren Teil zu diesem Eindruck bei – solche Musik muss einfach dreckiger klingen, siehe zum Beispiel die letzten Alben von Bloodbath und At The Gates. Alles solide und technisch einwandfrei dargeboten, aber die Heilsbringer der Szene sind Deserted Fear sicherlich nicht; über die komplette Distanz betrachtet fehlt irgendwie das Zündende, Mitreißende. Es bleibt nun vor allem abzuwarten, wie sich die neuen Songs live anhören, auf der Bühne ballern die Ostdeutschen eh am meisten.

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