Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Deserted Fear: Dead Shores Rising

Wie aus einem Guss
Wertung: 8,5/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 45:03
Release: 27.01.2017
Label: Century Media

Es brodelt im teutonischen Death-Metal-Sektor, und das nicht erst seit ein paar Tagen als „modische“ Randerscheinung, sondern mit zunehmend qualitativer Konstanz, sodass sich einige Etablierte verwundert die Augen reiben und sicherlich auch um die eigenen Pfründe besorgt sein dürften. Gerne immer wieder als Beteiligte genannte für das neue Hoch im Death Metal sind sicherlich Revel In Flesh oder auch Sulphur Aeon, aber auch Deserted Fear legen mit „Dead Shores Rising“ ein derart bockstarkes drittes Album vor, dass einem bei aller „Make it or break it“-Diskussion die Kinnlade nach unten klappt.

Sicher, einige Death-Metal-Fans an der Basis werden wieder meckern und das Rohe, das Gemeine, das besonders Böse im Sound vermissen und vielleicht auch als „Schuldige“ das neue Label Century Media ausmachen wollen, denn etwas mehr Melodie, ein wenig glatterer Sound wie auf dem neuen Album – und schon ist die Plattform für derlei Diskussion bereitet. Doch wer auch immer etwas zu lästern hat, der muss eben auch anerkennen, dass Deserted Fear einen wesentlichen Beitrag zur Ost-West-Vertiefung veröffentlichen und mittlerweile ein tiefenentspanntes Songwriting an den Tag legen, das sicherlich aus einem Teil Routine durch die ganzen Touren zu erklären ist, auf der anderen Seite aber eben auch schlichtweg mit Talent zu tun hat.

Nach mehreren Durchgängen zeichnet sich ein deutliches Bild: Keine großen Soli-Selbstbeweihräucherungen, viele elegische Melodien und vor allem ein komplettes Album wie aus einem Guss, ohne die Hitspitzen nach oben, aber auch ohne Schlenker nach unten. Gnadenlos scheitert man bei der Suche nach den einzelnen Highlights, „Dead Shores Rising“ zu zerlegen, wie man das vielleicht bei so vielen anderen Alben so leicht erledigen kann. Vielleicht, und das ist dann erst recht ein sehr subjektiver Eindruck, ragt da „Face Our Destiny“ ein wenig heraus, denn hier gibt es sogar einen Ansatz für ein Solo und nicht nur die bedrückend harmonischen Melodien, die einen schönen Kontrast zum sonstigen so schwergewichtigen Riffrollen bilden: Tempiwechsel von zackig bis doomig, immer mit fettem Groove, dabei aber auch brutal an den Eiern packend, auch wenn wie oben schon beschrieben der Sound fast schon eine Spur zu glatt ist.

Aber auch das schon als Videoclip vorgestellte „Open Their Gates“ mag als Beispiel dafür dienen, wie Deserted Fear subtil unaufdringliche, daher aber umso fesselndere Melodien in einer grundsätzlich sehr schnellen Nummer zum Ohrwurm formen, ohne die Grundfeste des Death Metal zu verraten. Dazu dann einfach nur headbangerkompatiblen Stoff wie die richtig fett rollenden „Corrosion Of Souls“ und „The Carnage“ oder aber das von zackigen Ausritten geprägte, einen Hauch verspieltere „The Edge Of Insanity“, welches einmal mehr gerade durch die Leadklampfe das I-Tüpfelchen aufgesetzt bekommt.

Erwachsen werden, was für eine ätzende Bezeichnung, doch irgendwie scheinen die Thüringer mit ihrem dritten Album genau jenem Begriff endlich mal sinnvollen Inhalt zu stiften. „Dead Shores Rising“ sprüht vor amtlichen Melodien, verzichtet nicht auf todesmetallische Härte oder tiefen Growls, macht aber das thüringische Quartett auf der einen Seite zu einem Botschafter für eine besser Ost-West-Verbindung, als Sprachrohr für eine starke, viel versprechende Death-Metal-Szene in Deutschland weit über Nationalgrenzen hinaus – wichtiger denn je, würde man meinen. Hoffentlich bleiben die Vier so unbekümmert und können mit der Last leben.

comments powered by Disqus

Axolotls Frontmann Matthes pünktlich zum achten Bandgeburtstag zurück

Brachiales Downtempo voller ausfüllender Aggressionen