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Der Weg Einer Freiheit: Agonie

Unbeirrt ans Ziel
Wertung: 8.5/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 25:17
Release: 01.07.2011
Label: Viva Hate Records

Obwohl es rein musikalisch gesehen kaum einen Grund dazu gab, haben Der Weg Einer Freiheit vergangenes Jahr einiges an Staub in der deutschen Black-Metal-Szene aufgewirbelt – für manche war es nicht tragbar, dass die Musiker der Band aus dem Deathcore stammen, einige hielten die Musik der Formation schlichtweg für belanglos und andere wiederum warfen der Truppe aufgrund ihres Images berechnende Profilierung vor, um genau die nun erreichte Aufmerksamkeit zu erzielen. Nicht nur in Interviews, sondern auch auf Tonträger gebannt kümmert dies das Trio um Bandkopf Nikita jedoch herzlich wenig, denn auch auf „Agonie“ halten Der Weg Einer Freiheit kompromisslos an ihrem Stil fest, ohne auch nur im Geringsten vom eingeschlagenen Pfad abzuweichen.

Das bedeutet auf der 5-Track-EP erneut brachialen, aber hochmelodiösen Black Metal mit dichter Atmosphäre, der zwar in puncto Innovation nicht annähernd die Kontroversen um die Band rechtfertigt, jedoch qualitativ weit über dem Durchschnitt angesiedelt ist, was nicht zuletzt Songwriter und Gitarrist Nikita zu verdanken ist, der mit seinen Melodien für einen deutlichen Wiedererkennungswert sorgt. Diese erhalten in den nun allesamt etwas längeren Songs noch mehr Raum zur Entfaltung und fesseln mit zahllosen Finessen im Detail, die das Songwriting nachvollziehbar und doch abwechslungsreich halten – dass dabei nun auch Elemente aus dem Post-Rock zum Einsatz kommen, wird sicherlich erneut Stimmen laut werden lassen, die der Band vorwerfen, Trends hinterherzulaufen, doch Fakt ist, dass Der Weg Einer Freiheit diese Einflüsse wesentlich geschickter und dezenter einbringen, als das Gros der ähnlich ausgerichteten Kollegen.

Bereits die melancholischen, flirrenden Gitarrenmelodien im Intro von „Der Stille Fluss“ stellen dies unter Beweis und bauen in nur kurzer Zeit eine zitternde Spannung auf, die sich auf ihrem Höhepunkt in einem wummernden Blastbeat und schwermütigem Riffing entlädt, dank der deutlich verbesserten Produktion nun auch in einem wesentlich druckvolleren Klangbild, das in den harten Momenten ebenso wie in den cleanen Zwischenspielen überzeugt. Das bombastische Finale setzt dem Ganzen mit sich immer weiter aufschichtenden Melodien und surrenden Gitarren-Leads die Krone auf und auch Sänger Tobias erreicht mit seinen fauchenden Screams den emotionalen Zenit. Weniger progressiv, aber immer noch mit eigener Note kommt anschließend „Ingrimm“ daher, das unter ständigem Drumgewitter eine erhabene Stimmung vermittelt und mit einem sehr bildhaften Text glänzt – überhaupt geben sich Der Weg Einer Freiheit in diesem Bereich keine Blöße und ergänzen die Musik mit einer zwar nicht übermäßig anspruchsvollen, aber doch passenden lyrischen Komponente, die größtenteils eher persönliche Themen behandelt.

Für eine kleine Überraschung sorgt die kurze Coverversion von „Ana“ des Komponisten und Pianisten Erik Satie, der im späten 19./ frühen 20. Jahrhundert lebte: Eines der verträumten Klaviermotive des Franzosen wird hier in wabernden Klängen reproduziert und erschafft einen hypnotischen, Schlaflied-artigen Übergang zu „Die Welt In Mir“, das völliges Kontrastprogramm dazu bietet. Schwärzer als je zuvor gehen Der Weg Einer Freiheit hier zu Werke und erschaffen mit peitschenden Riffs eine dreckige Atmosphäre, die auch von den fließenden Tempowechseln profitiert. Den Abschluss der EP bildet schließlich „Posthum“, das gleichzeitig auch der wohl stärkste Song auf der CD ist – in ähnlicher Manier wie in „Der Stille Fluss“ finden hier die Post-Rock-Einflüsse wieder den Weg in die Musik und verschwimmen mit den rasenden Riffs zu einer wiederkehrenden, eindringlichen Melodie, die bis zum Ende immer dramatischer wird und durch einige Rhythmuswechsel am Schlagzeug unterstützt wird. Nicht nur der Klimax vermag hierbei zu überzeugen, sondern auch eine zurückgezogenere Stelle zum Ende hin, in der Tobias aus weiter Ferne zu den hallenden Klängen zu schreien scheint.

Der Weg Einer Freiheit mögen vielleicht nicht den ursprünglichen Geist des Black Metals vertreten, stehen jedoch würdig für eine neue, moderne Generation dieser Bewegung, die den Wurzeln der Musik stilistisch näher ist, als man vorschnell annehmen könnte. „Agonie“ positioniert die Band dabei endgültig in den oberen Rängen der aufstrebenden deutschen Musiker aus diesem Bereich und bietet im Vergleich zum selbstbetitelten Debüt mehr Variation, wirkt aber auf der anderen Seite auch schlüssiger und atmosphärisch dichter. Wer den Erstling mochte, kommt auch um die im schicken Digipak vertriebene EP nicht herum, doch auch alle Freunde zeitgemäßen Black Metals, für die in erster Linie die Musik zählt, sollten Der Weg Einer Freiheit eine Chance geben.

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