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Dementi: Wer bettelt, wird nicht gefüttert

Bitte nicht um ein weiteres Album betteln!
Wertung: 7.5/10
Genre: Gothic Rock / Metal
Spielzeit: 66:16
Release: 31.07.2009
Label: Nemrod

Bereits seit 1997 erfreut die Erfurter Band Dementi ihre Fanschar mit ihrem ganz eigenen Mix aus Alternative Rock, Gothic und Metal. Anfangs noch relativ unbekannt, erarbeiteten sich die vier Jungs durch Auftritte auf mehreren großen Festivals wie beispielsweise dem WGT und durch ihre Alben „Zweigefühl“ und „Für Heute Reichts“, die kostenlos auf der Bandwebseite zur Verfügung stehen, eine durchaus beachtliche Fangemeinde. Nun wird mit „Wer Bettelt Wird Nicht Gefüttert“ nachgelegt – dem wohl besten Album der bisherigen Bandgeschichte.

Zum ersten Mal findet sich nun auf einem Dementi-Album ein Intro vor. Dieses vermittelt aufgrund von düsteren und dissonanten Keyboardsequenzen und einem Sprachsample („Der Teufel prüft uns ständig, deshalb müssen wir die richtigen Entscheidungen treffen...“) gleich einen beängstigenden Eindruck.

Bis hierhin könnte es sich auch um einen Horrorfilm handeln. Jener Eindruck wird noch verstärkt, wenn man sich den Text des darauffolgenden Tracks „Dein Zweites Ich“ anhört. Dieser ist wohl der morbideste der gesamten Diskographie von Dementi – warum auf diesem Album nicht „Parental Advisory“ steht, ist mehr als fragwürdig, da doch manche Alben wegen viel harmloseren Dingen mit diesem Hinweis geahndet werden.

Genug der Kritik am deutschen Jugendschutz, es geht hier ja schließlich um ein Album; ein Album, das stellenweise jedoch mehr durch die Texte, als durch die Musik überzeugen kann. Denn obwohl Dementi von krachenden, nach vorne gehenden Riffen, wie beispielsweise im Titeltrack bis hin zu gefühlvollen Balladen, wie etwa „Ein Atemzug“ alles abdeckt, wirkt die Musik in manchen Stücken sehr zurückhaltend. Bestes Beispiel hierfür ist „Was hält mich hier“. Hier wurden in den Strophen die Instrumente recht minimalistisch eingesetzt, im Refrain ergibt sich nur eine kaum merkliche Steigerung. Wäre nicht der Text, würde das Lied wohl einfach vor sich hinplätschern.

Dass es auch anders geht, beweist „Warten im Regen“. Zusätzlich zur recht einprägsamen Keyboardmelodie variiert hier die Stimme Nicos von ruhigem, klaren Gesang zu einem rauen, kehligen Brüllen. Ähnlich verhält es sich auch bei „Die Finger deiner Hand“. Dieses Stück beginnt auffallend ruhig mit Keyboard – und Gitarrenklängen, bis das Ganze ziemlich unerwartet in ein lautes und brachiales Riff übergeht. Der Kontrast zwischen laut und leise wurde hier ebenfalls im Zusammenspiel zwischen Strophe und Refrain und der durchaus beachtenswerten Bridge gelöst.

Textlich gesehen bietet „Wer Bettelt...“ allerdings keine Angriffsfläche. Wer Dementi kennt, weiß, dass Sänger Nico seine Botschaften mit direkter, unverblümter Art an den Mann bringt. So enthält das Album neben dem bereits erwähnten recht morbiden „Dein Zweites Ich“ beispielsweise auch religionskritische Texte („Das Buch“), es wird das Thema Drogenmissbrauch und Prostitution behandelt („Je Schneller Du Rennst“), bis hin zu einem klaren Statement gegen Krieg und Gewalt („Der Krieger Weint“).

Fazit: Textlich gesehen würde dieses Werk gewiss die Höchstpunktzahl verdienen. Leider handelt es sich hierbei aber um ein Album und nicht um ein Hörbuch. Aber trotz der zum Teil schwachen musikalischen Leistung liegt hier ein durchaus positiv zu bewertendes Album vor.  Bleibt noch die Frage, warum die Headline dann eher negativ gehalten ist. Nun, der Titel dieses Albums lautet: „Wer Bettelt Wird Nicht Gefüttert“. Wenn die Jungs von Dementi dieses Prinzip zu Herzen nehmen, könnte es bei allzu regen Anfragen der Fans kein weiteres Album geben – und angesichts dieses Werks wäre dies trotz der noch vorhandenen Schwächen mehr als bedauernswert.

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