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Delirium: Frankenblut

Der Trollsound – ein Für und Wider
Wertung: 7/10
Genre: Pagan Metal
Spielzeit: 39:28
Release: 11.11.2011
Label: Eigenproduktion

Die Franken, oft als Bayer fehlinterpretiert, sind nicht nur für ihre Partyfreude bekannt, sondern vor allem für ihren Lokalpatriotismus. Niemand scheint so stolz auf ihre eigene Region zu sein wie dieser Menschenschlag. Wen wundert es da, dass die fränkische Band Delirium nicht nur den Titel ihres Debüts, sondern gleiche ihre ganze Musik ihrer Heimat widmet.

Mit „Frankenblut“ geben Delirium ein Album zum Besten, welches deutlich dem Pagan Metal zugeordnet werden kann. Als Auftakt dient ein instrumentales Intro, das nicht nur stolz und kriegerisch zugleich klingt, sondern auch ebenso gut aus der Gothic-Reihe entstammen könnte. Obwohl der Synthesizer-Sound leider auch sehr nach Synthesizern klingt, schafft das Intro es dennoch passend auf das folgende Kampfgeschehen einzustimmen. Thematisch geht es bei „Frankenblut“ nämlich vor allem um Krieger, Blut und Loyalität und alles, was man sonst noch mit einer heroischen Schlacht in Verbindung setzt. Aber die Franken wären keine Franken, wenn die Rahmenhandlung ihrer Schlachten nicht vor allem aus der fränkischen Geschichte bestehen würde.

Musikalisch schlagen Delirium einen passenden rauen Ton an: keine Flöten, keine Ziehharmonika oder andere „exotische“ Instrumente werden auf dieser Scheibe verarbeitet. Bei „Frankenblut“ gibt es ein rumpelndes Schlagzeug, tiefe Gitarren und eine kratzige Stimme. Das muss reichen. Und wahrhaftig ergibt sich aus diesem sehr tiefen und rumpligen Sound eine Atmosphäre, die gut zu Kriegern und Schlachten passen will und sogar regelrecht „trollisch“ klingt. „Frankenblut“ besteht aber nicht nur aus reinem Pagan Metal. Hört man sich erst einmal in das Album ein, wird auch ein Hauch von rauem Deutschrock deutlich, der durch die deutschsprachigen Lyrics wohl eher zufällig als gewollt zusätzlich betont wird.

Aber gehen wir ins Detail: Das Schlagwerk wird nicht nur kraftvoll und fix, sondern auch abwechslungsreich bedient und bildet dadurch eine würdige Grundlage für Krieg und Zerstörung. Die Gitarren wie auch der Bass stehen dem Schlagzeug in Derbheit in nichts nach. Sehr solide und unaufhaltsam stampfen sie durch die rund 40-minütige Schlacht, so dass Delirium dem geflügelten Begriff „Axt“ völlig neues Leben einhauchen. Aber da nimmt der Anfang leider auch schon sein Ende. Denn obwohl der raue und äußerst basslastige Sound der Saiteninstrumente zum Album passt, vermisst man hier leider oft - und dann aber deutlich - die musikalische Innovation. Riffs werden in Liedern wie „Àsatrù“ mit etlichen Wiederholungen unverändert durchgekloppt, ohne dass man etwas von einfallsreichen Ideen oder Feingefühl für das Instrument mitbekommen würde. Die Vocals haben da schon mehr zu bieten. Meist auf einem kratzig-kreischendem Niveau, stimmt der Sänger auch durchaus kehlige Growls an, die in den richtigen Momenten eingesetzt werden und zu einer kraftvollen Stimmung beitragen. Im Ganzen zeichnen sich Delirium vor allem durch die Grobschlächtigkeit ihre Musik aus und da kommt leider die Kehrseite des Trollsounds zu tragen. Denn was auf der einen Seite rau, knallhart und zermalmenden klingt, wirkt auf der anderen Seite auch schnell unsauber, polternd und plump.

Nichtsdestotrotz bekommt man mit „Frankenblut“ ein solides Album auf den Tisch geschmettert, das nicht nur die Hörer fränkischen Geblüts zu einer freudig erhobenen Faust animieren wird. Wir werden sehen, wie Delirium in Zukunft noch die kriegerische Seite in uns zum Klingen bringen wird. Für diesen ersten Streich gibt es erst einmal optimistische sieben Punkte.

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