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Del Rey: Immemorial

Erfahrung trifft Leidenschaft
Wertung: 8.5/10
Genre: Postrock/Math-Rock
Spielzeit: 45:18
Release: 01.10.2010
Label: Golden Antenna

Als die in Chicago gegründeten Del Rey 1998 ihre Aktivitäten starteten, war Postrock noch gar nicht so weit verbreitet und gefragt, wie es heute dank diverser Szenegrößen wie God Is An Astronaut, Godspeed You! Black Emperor und Sigur Rós der Fall ist. Erreichte die Truppe zuvor trotz ihres langen Bestehens nie den Status dieser, könnte ihr neues Album „Immemorial“ genau zum richtigen Zeitpunkt kommen und die Szene ordentlich aufmischen, denn Del Rey müssen sich mit ihrer komplexen Mischung aus Post- und Math-Rock definitiv nicht vor größeren Bands verstecken.

Von vielen anderen Vertretern des Genres heben sich die fünf Jungs insbesondere dadurch ab, dass sie den Begriff „Postrock“ weniger wörtlich nehmen als viele andere: Zwar wird das instrumentale Fundament tatsächlich zeitweise so verwendet, dass es sich nicht mehr unter der ursprünglichen Bedeutung von „Rock“ einordnen lässt, häufig wird jedoch auch deutlich die Math-Rock-Seite der Truppe betont, die „Immemorial“ einen härteren Charakter verleiht, als ihn viele andere Alben aus diesem Bereich besitzen. Metallische Gefilde, in denen sich beispielsweise Pelican oder Russian Circles herumtreiben, werden jedoch gemieden, wodurch die schwebende, düstere Atmosphäre nicht durch unpassende Härte gestört wird.

Dass die Band schon seit einer ganzen Weile zugange ist, merkt man der Musik in nahezu jeder Sekunde an, denn das Songwriting ist exzellent und sehr ausgereift. Songstrukturen sind geschickt konzipiert und erhalten genügend Zeit, sich zu entfalten, bevor dank härterer Passagen einige sehr intensive Höhepunkte erreicht werden. Besonders positiv fällt in diesem Kontext natürlich die überragende technische Leistung der Formation auf, bei der sämtliche Instrumente genug Freiraum erhalten. Sogar der Bass spielt nicht selten eine tragende Rolle: Bereits im ersten Stück „Return Of The Son Of Fog Rider“ nimmt der Tieftöner eine recht prominente Stellung ein und trägt deutlich zur unheimlichen Stimmung bei, die durch das wummernde Schlagzeug einen bedrohlichen Unterton verliehen bekommt. Den sich langsam auftürmenden Math-Rock-Ausbrüchen stehen in dem abwechslungsreichen Song ruhige Parts mit verträumten Gitarrenmelodien gegenüber, die das düstere Ambiente beizeiten ein wenig aufhellen.

Mit „E Pluribus Unicorn“ wird dann ein wenig forscher zu Werke gegangen und die rockige Seite der Musik eindeutig betont: Schnelle Wechsel zwischen komplexen Rythmen verbinden sich mit dezent eingesetzten Chören und profitieren erneut von den beeindruckenden Fähigkeiten der Instrumentalisten. Trotz der etwas härteren Ausrichtung ist die Atmosphäre jedoch auch in diesem Stück noch sehr dicht und wird insbesondere durch viele wiederkehrende Motive im Songwriting unterstützt, die nach und nach ausgebaut und so immer kraftvoller werden. Tatsächlich wird das hohe Niveau über die komplette Spielzeit gehalten, sogar die kurzen Interludes wie „Innumeracy“ oder „Ouisch“ fügen sich perfekt in das Konzept ein. Auch relativ sphärisch kommt „Silent Weapons For Quite Wars“ daher, das wohl als Stück mit dem stärksten Postrock-Anteil genannt werden kann und mit einem hervorragenden Spannungsaufbau glänzen kann.

„Immemorial“ hat eigentlich alles, was ein gutes Album aus diesem Bereich ausmacht: Eine dichte, vielschichtige Atmosphäre, perfekt durchdachte Songstrukturen und eine gesunde Mischung aus technischem Anspruch und emotional geladener Impulsivität. Ob Del Rey mit ihrem neuen Werk aber nun übermäßige Popularität in der Szene erlangen werden, ist fraglich; zu gönnen wäre es ihnen jedenfalls. Die Verschmelzung der beiden Haupteinflüsse funktioniert blendend und gibt dem Album eine eigene Note, denn tatsächlich besitzt der Sound der Truppe so etwas wie eine Signatur und ist an bestimmten Melodiebögen und Kniffen im Songwriting recht gut erkennbar. Egal aber, ob die Jungs aus Chicago nun ein Geheimtipp bleiben oder nicht; es ist ihnen gelungen, ein kleines Juwel zu erschaffen, das man Genre-Liebhabern uneingeschränkt empfehlen kann. Musikalisch gehören Del Rey mit ihrem neuen Werk nämlich klar zu den Großen.

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