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Deine Cousine: Ich bleib nicht hier

Weder Punk, noch Pop, noch Rock - aber viel Pathos
Wertung: 4/10
Genre: Punkrock, Indie
Spielzeit: 39:37
Release: 09.09.2022
Label: Attacke Records

In der deutschen Musiklandschaft kann man sich schon was drauf einbilden, wenn Udo Lindenberg einen mit einem Newcomer-Preis auszeichnet und man dann noch Bestandteil seiner Liveband wird. Jetzt kann man „Blasphemie“ schreien oder auch nicht, aber es mag Menschen geben, die mit Lindenberg musikalisch irgendwie so gar keine Berührungspunkte haben. Da verwelken dann die Vorschusslorbeeren auch mal ganz schnell.

Deine Cousine scheint aber auch ohne prominente Unterstützung ganz gut zurechtzukommen, ist doch jetzt Anfang September mit „Ich bleib nicht hier“ bereits die zweite Full-Length-Scheibe erschienen. Sängerin Ina pendelt irgendwo zwischen Lo-Fi-Punk, poppigen Anleihen und Indie Rock. Allerdings: Das Artwork der neuen Scheibe lässt deutlich mehr Punk erhoffen, als letzten Endes auf den zwölf Tracks zu finden ist. Da kann auch Inas überraschend maskuline und eigentlich angenehme, weil leicht angeraute Stimme nicht allzu viel ausgleichen – Songs wie „Bang Bang“ bleiben zwar schnell im Gedächtnis, das ist aber keineswegs als Kompliment gemeint.

Texte wie „Mein Herz schlägt krass für dich“ muten dann auch eher sehr kindisch an und kaum als wären sie von einem erwachsenen Menschen geschrieben worden. Plattitüden wie in „Stärker als du denkst“ sorgen auch nicht unbedingt für ein Tiefenverständnis, gefühlt werden hier die allseits beliebten Sinnsprüche aus der weiten Welt des weiten Webs verwurstet – dabei müssen gute, deutschsprachige Songs keineswegs hoch philosophisch daherkommen, ein bisschen mehr Charakter wäre aber doch schön gewesen.

Denn genau das scheint das Grundproblem zu sein, an dem man sich als Hörer stören kann: Mit der Vorgeschichte und dem vermeintlichen musikalischen Anspruch hat man von Deine Cousine viel mehr erwartet. Schlecht musiziert wird hier nicht, die Instrumentalfraktion ist über jeden Zweifel erhaben, es mag nur leider beim besten Willen kaum Spannung aufkommen. Das erste Mal überhaupt merkt man positiv auf beim düster-rockigen Titeltrack, bei dem auch stimmlich deutlich mehr geboten wird als bei den bisherigen Songs. Hier haben wir den ersten Anspieltipp – und es steht zu befürchten, auch den letzten.

Tracks wie „Küsschen links, Küsschen rechts“ und auch das bereits erwähnte „Bang Bang“ muten dann eher an als könnten sie auch auf einer – sorry – Schlagerparty laufen und würden dort laut mitgegrölt. Der Knoten scheint aber nach dem Titeltrack erst mal geplatzt zu sein, denn „Träume findet man im Dreck“ knallt so richtig durch die Boxen und hat deutlich mehr Punkrock-Attitüde als die ersten vier Songs der Platte zusammen. Stimmlich wird hier nicht immer der richtige Ton getroffen, das macht man aber mit Schnelligkeit wieder wett.

„369“ kommt gar nicht mal schlecht daher, versprüht aber noch deutlich zu viel Kitsch, während das folgende „Kaputtgeliebt“ in Klischees geradezu badet. Jetzt könnte man einwenden, dass jede zerflossene Liebe ja irgendwie ein Klischee darstellt, eine andere Verpackung hätte man sich trotzdem einfallen lassen können.

Unterm Strich bleiben bei knapp 40 Minuten Spielzeit gerade mal zwei Tracks, die positiv im Gehirn verankert werden. Deine Cousine spielt textlich mit sämtlichen Punk- und Indie-Klischees, ohne musikalisch dazu aufschließen zu können. Anspieltipp bleibt hier der Titeltrack. Der Rest der Scheibe konnte zumindest hier nicht auf fruchtbaren Boden fallen.

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