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Deied: Tales Of Sodenliah

Frisches und interessantes Werk des Duos
Wertung: 7.5/10
Genre: Industrial, Dark Electro
Spielzeit: 46:53
Release: 23.09.2011
Label: Afmusic

Konzeptalben sind im Industrial- und Dark-Electro-Bereich nicht unbedingt an der Tagesordnung, wahrscheinlich aus dem einfachen Grund, weil es mit elektronischer Musik zwar recht einfach ist, die Menschen zum tanzen zu bringen, aber komplexere Geschichten eher selten erzählt werden können. Das deutschen Industrialduo Deied haben die Herausforderung allerdings angenommen und auf „Tales Of Sodenliah“ eine Story geschaffen, in der es der Menschheit erstmals gelingt, in die eigene Psyche einzudringen. Der Protagonist stolpert nun also auf der Suche nach Antworten auf die großen Fragen der Gesellschaft durch das imaginäre Tal Sodenliah, nur um am Ende herauszufinden, dass wir nicht mehr lange so weiterleben können wie bisher, ohne dass bald Schicht im Schacht ist.

Keine große Erkenntnis, zumindest keine neue, allerdings denkt man beim hören der Scheibe ohnehin nicht zwangsweise an den konzeptionellen Hintergrund. Dafür heben sich die beiden Musiker mit ihrem Sound erfreulicherweise von dem ganzen Bummbumm-Geboller ab, das des Nachts durch die feuchten Katakomben der Industrialtanzkeller wummert. Ohne monotone Rhythmen und trommelfellzerfetzende Vibrationen kommen Deied größtenteils aus, dafür gibt es sehr spezielle Samples, die so doch eher selten eingesetzt werden. Ein recht gutes Beispiel dafür ist „Orbituary“, das noch verhältnismäßig einprägsam beginnt, sich dann aber in ein waberndes und sprudelnes Beat-Bläschenbad verwandelt. Tanzen wird dazu sicherlich eher schwieriger, dafür ist der Wiedererkennungswert aber entsprechend hoch.

„A Shell Full Of Scars“ hat zwar einen exzentrischen Titel, ist aber auf den ersten Blick zumindest das erste und einzige Zugeständnis an die konventionellen Industrial-Gepflogenheiten. Ein wirklich guter Track mit nahezu perfektem Beat und Vocals, die zwischen dem üblichen, leicht montonen Singsang und aggressiveren Texten hin und her pendeln. Da haben Din-Tah Aeon und n1n0 tatsächlich schon einen Dancefloor-Klassiker an den Anfang der Platte gestellt, dass man sich fragen muss, was da noch kommen mag.

Von den Beats her erinnern Deied teilweise ein wenig an die Berliner Agonoize, nur dass hier die Vocals nicht annährend so aggressiv und verzerrt daherkommen und eine Spur mehr Wert auf atmosphärische Arrangements gelegt wird. „Lightmare“ beispielweise erscheint einem weniger in hektischem Stroboskop-Licht, sondern vielmehr in gedämpften Blau- und Lilatönen, tanzbar ist der Track aber allemal und könnte sicherlich auch in Clubs laufen. „The Spirit Of Sodenliah“ gerät dann sogar noch eine Spur experimenteller, dürfte aber tatsächlich den interessantesten Track der Platte darstellen: Opernhafter Frauengesang im Hintergrund, übermalt mit kristallklaren Beats und den angenehmen männlichen Vocals; irgendwie findet sich hier der perfekte Track für den Winterspaziergang. Spätestens in ein paar Wochen wird die Platte also in jedem Fall wieder herausgekramt.

Mit dem Tanzflächen-kompatiblen „Terra“ wäre hier eigentlich schon Schluss, wenn Deied nicht noch zwei Remixe von „A Shell Full Of Scars“ angehängt hätten. Remixe sind immer so eine Sache und Nummer uno, vergällt es einem gleich dadurch, dass er viel lauter aus den Kopfhörern schallt als das restliche Album und man sich deswegen erstmal hektisch die Ohrstöpsel aus dem Hirn frimeln muss. Abgesehen davon ist der Remix jetzt nicht unbedingt eine maßgebliche Bereicherung zum eigentlichen Track. Überarbeitung Nummer zwei hat dann von Herrn Ghostfog stattgefunden, der auch für das CD-Cover verantwortlich ist, und weicht immerhin schon mehr vom Original ab. Ein wenig gruseliger und düsterer kommt das Stück daher, aber alles in allem hätten Deied es auch bei der einen Version belassen können.

Fazit: „Tales Of Sodenliah“ entpuppt sich nach anfänglicher Skepsis als wirklich gutes und experimentelles Industrialalbum, das sich frisch von der Masse abhebt und so endlich mal den Tanz-Einheitsbrei hinter sich lässt. Die zwei Remixe am Ende hätte man sich, wie erwähnt, sparen können, allerdings tröstet einen die sonstige Qualität der Platte ganz gut darüber hinweg.

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