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Defloration: Abused With God’s Blessing

Trotz Dampfhammer-Attitüde ziemlich gute Platte
Wertung: 7/10
Genre: Brutal Death Metal
Spielzeit: 36:46
Release: 15.10.2010
Label: War Anthem Records

Man möchte laut „Klischee!“ brüllen, wenn man die neue Defloration-Scheibe zum ersten Mal in der Hand hält. Nicht nur, dass die Herren auf der Rückseite übermäßig grimmig aussehen (allen voran Sänger Uwe Rödel), das Cover ziert außerdem einen ebenso finster blickenden Geistlichen bei – einer schwarzen Messe? Der wochenendlichen Zerstückelung einer Jungfrau? Ihr könnt es euch selbst aussuchen, passend zum Titel „Abused With God’s Blessing“ ist es aber allemal und greift noch einmal – wenn auch etwas verspätet – den sexuellen Missbrauch katholischer Geistlicher an ihren Schützlingen auf. So gesehen ist es also ein aufrührerisches, gewohnt plakatives Motiv, wie man es im Brutal Death Metal des Öfteren findet.

Nun sind die Thüringer Defloration nicht unbedingt dafür bekannt, das Rad neu zu erfinden, ordentlich Bumms hat die neue Scheibe aber auf jeden Fall. Bereits 2006 machten sie mit ihrer ersten Full-Length „Dripping The Blood“ und ihrem US-styled Death Metal auf sich aufmerksam, seitdem schreddern sie in regelmäßigen Abständen die heimischen Lautsprecher ihrer Anhänger. Auch bei „Abused With God’s Blessing“ bietet mehr als genug Gründe, die Lautstärke nicht ganz auf Anschlag zu drehen – neben den unmenschlich tiefen, aber lustigerweise immer noch recht gut verständlichen Growls des Herrn Rödel, "scheddern und pumpen" Drummer Försti und Bassist Repper um die Wette, dass es für jeden Gastroenterologen eine wahre Freude sein dürfte. Da bleibt kein Stein auf dem anderen und der Magen dreht sich und dreht sich. Ganz nebenbei schaffen es die Todesmetaller aber auch noch, Gitarrensolo-technisch ordentlich vom Leder zu ziehen wie beispielsweise beim Rausschmeißer „Negation Of God“, bei dem sich die beiden Saitenhexer Betram und Sebastian in schier endlos ausuferndem Gefrickel verlieren, das man bei einer Brutal-Death-Scheibe so gar nicht erwartet hätte.

Wie beim Brutal-Todesgeschredder so üblich, wird gar nicht lange gefackelt und das große Massaker direkt mit „Angel Of Wrath“ eingeleitet. Der Herr am Mikro kommt variabler rüber, als erst befürchtet, wechselt schön zwischen sehr tiefen Growls und zwischenzeitlichem Gekeife, das mir sogar fast besser gefällt, aber sehr nach Halsschmerzen klingt. Mal sehen, ob die Jungs den Drive so halten können.

Der etwas merkwürdig anmutende Titel „Mr. Finster“ gräbt sich anfangs durch die unteren Regionen der Seele und der Stimme von Herrn Rödel, gewinnt dann aber zwischendurch sogar ein bisschen an Fahrt, obwohl der Mittelteil etwas unrhythmisch daherkommt. „The Real Massacre Of Knife“ entschädigt dann aber direkt: Fast Grindcore-lastig wird hier drauflos geballert, inklusive Old School-Gitarrensoli und Rülps-Vocals - großartig. Wenn man zu dem Song nicht plündern und morden will, dann weiß ich auch nicht. Am Ende prügeln die Herren nochmal derart drauf los, dass man einfach nur mit offenem Mund dastehen kann – oder wahlweise headbangen, obwohl das hier dann schon an Propeller-Geschwindigkeit erinnern dürfte.

„Standing At The Abyss“ lässt sich fast gemächlich, aber mit schöner Schlagzeugarbeit an, bevor Uwe wieder seine misanthropischen Ergüsse hinausröhrt. Dafür, dass wir uns schon beim vorletzten Song befinden, groovt das Gehörte noch ganz ordentlich, was nicht zuletzt am Bass liegen dürfte, den man zwar nur stellenweise heraushören kann, der den Track aber schön ein bisschen nach unten drückt. Ein rasantes, Gitarrensoli-behaftetes Finale bietet das eingangs bereits erwähnte „Negation Of God“, bei dem man sich von Zeit zu Zeit fragen muss, ob Försti da tatsächlich alleine die Felle bearbeitet oder ob ihm auf die Schnelle ein zusätzliches Paar Arme gewachsen ist.

Fazit: Auch wenn einem das ständige Geholze mit der Zeit an die Substanz geht, liegt der Spaßfaktor hier doch erstaunlich hoch. Nicht umsonst gehören Defloration zu den bekanntesten deutschen Brutal-Death-Bands und ich glaube, den Status können sie auch noch eine Weile halten. Wer sich dazu genötigt fühlt, seine Wohnung zu zertrümmern oder wieder einmal die Stadt in Schutt und Asche zu legen, dem sei „Abused With God’s Blessing“ wärmstens ans Herz gelegt.

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