Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Defaced: Forging The Sanctuary

Brutalität und Melodie reichen sich die Hand
Wertung: 8/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 49:50
Release: 03.01.2015
Label: Rising Nemesis Records

Zuerst einmal gilt es zu eruieren, welche Band denn hier gemeint ist, sind doch insgesamt noch drei Truppen unter dem Namen Defaced aktiv. Zum einen wären da die Instrumental Thrasher aus Frankreich, die letztes Jahr mit ihrem Debüt auf sich aufmerksam machten, zum anderen wären da noch die Death Thrasher aus Brasilien, die allerdings seit 2008 nichts mehr auf die Kette bekommen haben. Tatsächlich aber liegt mit „Forging The Sanctuary“ der zweite Komplettrundling der Schweizer Eidgenossen Defaced vor, die sich von 2006 bis 2012 als Trigger Tones versuchten und nun unter neuem Namen nach dem 2012er Debüt „On The Frontline“ erneut mit ultraderbem Death Metal auf brutalste Art und Weise genau den wunden Punkt zwischen Tritt in die Eier,  Polieren der Kauleiste und Hirnfickmassaker anvisieren.

Allein schon der Opener „Because I Despise“ – die kurzen atmosphärischen Störungen zu Beginn wollen wir mal kurzerhand unter den Tisch fallen lassen – sorgt dafür, dass die komplette Schlagersiedlung rundherum außer Takt gerät – Highspeed-Derb-Geballer in Vollendung, und dann auch noch prall produziert. Dazu das todmetallische Growlgeröchel von Neuzugang Thomas Gertsch, der seit 2014 seinen Vorgänger Manuel ablöst, da wird Toblerone-Land doch glatt dem Erdboden gleich gemacht.

Und auch wenn „Brutal Death Metal“ ganz gerne wie ein mahnender Sticker auf Defaced hinweisen mag, dann ist dieses wie immer auch nur die halbe Wahrheit, schaffen die Schweizer insofern auch etwas Abwechslung, indem sie einige groovige, manchmal gar atmosphärische Parts einbauen. Und wer dann vielleicht auch noch die Death-Metal-Reinheitslehre bemühen will, der sieht sich insofern getäuscht, versteckt sich doch der eine oder andere schwarzmetallische Schimmer im derben Geknüppel.

Ziehen wir für letztere Behauptung einmal „And With It Rose Satan“ ins Visier, denn neben der derben, immer wieder stark antreibenden Todesprügelei sind es einige Black-Metal-Riffs, die die These unterstützen, wozu dann auch noch Frontmann Thomas etwas bestätigende Nahrung beisteuert, indem er zwischen tiefsten Geröchel und nahezu blackmetallischem Gekeife pendelt und eine nicht zu unterschätzenden kalte Wirkung einstreut.

Überraschend sind aber immer wieder einige erwähnenswerte Facetten im Defaced-Sound: Im schon erwähnten Opener prügeln sie derbe drauflos, leiern sich aber auch eine Melodie aus dem Kreuz, die bei der ganzen Schredderei einfach nur zugewinnt, „Rapture Through Bondage“ erlaubt sich ein paar sehr schroffe Tempoverzögerungen, bevor die Blastbeats das Ruder wieder übernehmen, und überrascht vor allem mit dem sehr langen, sehr gefühlvollen Gitarrensolo im letzten Abschnitt, wobei „I, The State, Am the People“ eine bedrohliche Symbiose aus Black und Death Metal darstellt und mit erdrückender Kälte spielt, auf der anderen Seite aber wärmendes Blut durch die rasend sich windenden Adern pumpt.

Extreme ausloten? Okay. Brutal Death Metal auf die Fahne schreiben? Geschenkt. Die blackmetallischen Einflüsse ausleben? Ganz klar. „Forging The Sanctuary“ müsste auf dem Einkaufszettel für Fans atmosphärischer Prügelmusik ganz oben stehen, denn die Kombination der so nahe beieinander liegenden Musikstile und dazu auch noch das zwischen Gekeife und Gegrowle pendelnde „Stimmchen“ von Thomas kreieren ein wunderbar verstörende,  unheilvolle, destruktive und hervorragende Mischung. Zugreifen, damit sich es Defaced überlegen, nicht nochmals drei Jahre auf neues Material warten zu lassen.

comments powered by Disqus