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Deep Purple: Whoosh!

Bestes Album der Ezrin-Ära
Wertung: 8/10
Genre: Classic Hard Rock
Spielzeit: 51:29
Release: 07.08.2020
Label: earMUSIC / Edel

Je älter sie werden, desto reduzierter gestalten Deep Purple ihre Albumtitel. Schon „Now What?!“ war 2013 sicherlich keine intellektuelle Höchstleistung, ergab allerdings Sinn, wenn man es als trotzige, rhetorische Frage an all jene interpretiert, die die Band aufgrund der langen Veröffentlichungspause nach „Rapture Of The Deep“ bereits abgeschrieben hatten und dann doch von einer neuen Platte überrascht wurden. „Whoosh!“, die mittlerweile dritte Scheibe in Kollaboration mit Produzentenlegende Bob Ezrin beschränkt sich nun lediglich auf reine Lautmalerei, so benannt, da die Platte ihrer Ansicht nach wie aus einem Guss läuft, wie die Altrocker zu Protokoll gaben.

Das tut sie auch tatsächlich nach ein paar Durchläufen – mit Fug und Recht kann man sagen, dass Purple mit „Whoosh!“ die beste Scheibe in der Ezrin-Ära eingespielt haben. Umso erstaunlicher, da es ja lange Zeit so aussah, als würde nach dem 2017er Werk „Infinite“ nichts mehr kommen und sich die Briten nun doch endgültig in die Unsterblichkeit verabschieden – erfreulich, dass es manchmal eben doch anders kommt. Kompositorisch geht man recht kompakt (kein Song dauert über sechs Minuten) und doch abwechslungsreich vor: So groovt der Opener „Throw My Bones“, in dem Ian Gillan in amüsanter Grumpy Old Man-Manier trotzig fragt: „Why should I walk into the Great Unknown, when I can sit here and throw my bones?“, in knackigen dreieinhalb Minuten durch die Boxen und beweist umgehend, dass die Rocktitanen immer noch schmissige Ohrwürmer schreiben können.  

Auch das wütende „No Need To Shout“ geht ziemlich auf die Zwölf und erneut zeigt sich Gillan angepisst („shut your mouth and go away“) – sowohl musikalisch als auch textlich erstaunlich bissig. „Drop The Weapon“ dagegen wechselt effektiv zwischen rhythmischer Vertracktheit und melodischem Refrain, bei dem Ian, genau wie  im sonnigen „We’re All The Same In The Dark“ mit wundervollen mehrstimmigen Harmonien besticht.

Dass die Instrumentalfraktion ebenfalls brilliert, versteht sich von selbst – stets ist spürbar, dass die Herren noch richtig Bock haben, zumal sie bei über 130 Millionen verkauften Platten das Ganze wohl kaum noch des Geldes wegen machen müssen. Selbst eine harmlose Rock’n’Roll-Nummer wie „What The What“, die sicherlich ähnlich wie „One Night In Vegas“ vom Vorgänger keinen Innovationspreis gewinnen wird, macht allein schon durch die lässigen Gitarren- und Orgelsoli Laune.

Zur Hochform läuft die Band allerdings auf, wenn sie ihren klassisch geprägten Background einwebt: „Step By Step“ tönt mit seiner pompösen Kirchenorgel-Untermalung ebenso majestätisch wie melancholisch und offenbart einige Bach-artige Schlenker, „The Long Way Round“ erstrahlt geradezu herrlich frisch und unbeschwert, doch das unbestrittene Highlight bildet ganz klar „Nothing At All“. Was für eine göttliche, unheimlich leichtfüßige Nummer mit perlendem Orgel- und Gitarrenspiel von Don Airey und Steve Morse – einer der besten Purple-Songs in den letzten zwanzig Jahren! Zauberhafte Melodien und eine detailverliebte Verspieltheit machen das Stück zu einem Süchtigmacher, bei dem die sarkastischen Lyrics das Sahnehäubchen bilden.

Kaum schwächer, wenn auch komplett anders präsentiert sich das atmosphärische „The Power Of The Moon“, das mit seiner von einer markanten Basslinie dominierten Strophe, die eine geheimnisvoll aufgeladene Stimmung birgt, einen für Purple eher ungewöhnlichen Track darstellt. Das Mini-Epos „Man Alive“ mit seinem cineastischen Flair zeigt die Gruppe ebenfalls von einer anderen Seite und der Bonustrack „Dancing In My Sleep“ weist zu Beginn sowie am Ende gar dezente Electro-Elemente auf – das dürfte es in über 50 Jahren Deep Purple auch noch nicht gegeben haben – und hat noch dazu das vielleicht coolste Don Airey-Solo der Platte zu bieten.

Eine gute, Band-typische Mischung also aus druckvollen Ohrwürmern, musikalisch hochwertigen Klassik-meets-Rock-Fusionen und progressiv angehauchtem Material in Form von leichten, stilistischen Ausreißern – und zur Erfolgsgeschichte dieser Formation zählte ja schon immer auch ihre Experimentierfreudigkeit. Dass man „And The Address“ (den allerersten Purple-Song auf dem allerersten Purple-Album, bei dem von der heutigen Besetzung damals lediglich Drummer Ian Paice dabei war) neu aufnahm und ans Ende stellte, könnte ein Indikator dafür sein, dass „Whoosh!“ das letzte Album sein wird – doch andererseits war man sich 2017 noch sicher, dass „Infinite“ der Schlussstrich unter einer sensationellen Karriere sein würde, und es kam anders. Solange sich die Hard Rock-Großmeister auch mit über 70 noch einigermaßen fit fühlen, solch gute Alben veröffentlichen und kein „Kabarett auf der Bühne veranstalten“, wie Ian Gillan vor einiger Zeit so treffend formulierte, hat wohl niemand etwas dagegen, wenn sie noch ein paar Jahre dranhängen. 

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