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Deep Purple: The House Of Blue Light

Guter, aber trotzdem deutlich schwächerer Nachfolger zu „Perfect Strangers“
Wertung: 7,5/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 50:39/46:16
Release: 12.01.1987
Label: Polydor

Bereits kurz nachdem Deep Purple die Tournee zu ihrem „Perfect Strangers“-Comebackalbum absolviert hatten, machten sie sich daran, ihre nächste Platte zu komponieren und aufzunehmen. Da sowohl „Perfect Strangers“ als auch die zugehörige Rundreise ein Riesenerfolg wurden, waren die Erwartungen an den Nachfolger entsprechend hoch; man wollte zeitgemäß klingen, aber nicht die eigenen Trademarks vernachlässigen und man wollte eine größere Hörerschaft erschließen, sich gleichzeitig aber nicht plump anbiedern und alte Fans vergraulen. Das Ergebnis war ein Album, das die Fanschar – wieder einmal – spaltete. Letztendlich ist natürlich alles Geschmackssache, davon kann sich auch der Verfasser dieser Zeilen nicht freimachen.

Deswegen sei den Leuten, die „The House Of Blue Light“ (der Titel ist einer Textzeile aus „Speed King“ entnommen) tatsächlich qualitativ vor „Perfect Strangers“ sehen, selbstverständlich diese Meinung zugestanden – verstehen muss man sie ja nicht unbedingt. Der Knackpunkt an der Scheibe ist, dass die Band einfach zu viel wollte. Gerade wo man sich endlich wieder auf der Erfolgswelle schwimmen sah, träumte man davon, quasi als Krönung noch einmal mit einem Jahrhunderthit der Marke „Smoke On The Water“ aufzuwarten, und überarbeitete die Songs des neuen Albums ständig, nahm sie zum Teil sogar mehrfach komplett neu auf.

Wen wundert es, dass da schnell die alten Streitigkeiten zutage traten und man sich gegenseitig auf den Wecker ging. Das Werk klingt nicht so rund wie der furiose Vorgänger, hat weniger Feuer im Arsch und ist daher auch performancetechnisch nicht so stark. Ian Gillan räumt der Scheibe ein, ein paar gute Songs zu enthalten, aber es fehle der Spirit: Man höre fünf Profis, die ihr Bestes geben, aber es sei wie „ein Fußballteam, in dem elf Superstars spielen, aber nicht durch Herz und Geist miteinander verbunden sind“.

„Wir begingen den großen Fehler, dass wir modern klingen wollten“, ergänzte Jon Lord, „und fanden dann heraus, dass die Leute das nicht von uns hören wollten“. Auch das dürfte einer der Gründe sein, warum die Platte gern als „zu kommerziell“ angesehen wird. Gleich die erste Nummer „Bad Attitude“ tönt tatsächlich erstaunlich amerikanisch, ist jedoch zweifellos ein guter Ohrwurm, der durch Ian Paices kraftvolles Drumming und Ritchies kernige Strat nicht Gefahr läuft, weichgespült zu klingen. Die Synthies am Ende mag so mancher heute als altbacken abtun, eigentlich aber sind sie ein Farbtupfer, der den Song bereichert.

Mit „Call Of The Wild“ hat die Band einen weiteren Gassenhauer am Start – der Refrain läuft problemlos rein, ist aber gleichzeitig ganz schön cheesy, was ebenfalls für die Keyboardfills gegen Ende gilt. Andererseits hat all dies einen gewissen Charme, den so nur Purple verbreiten können – irgendwie eines jener Stücke, die man sich an manchen Tagen geben kann, während sie einem an anderen tierisch auf den Keks gehen.

So oder so muss man nicht immer gleich jede Band verteufeln, nur wenn sie mal etwas „poppiger“ klingt (um das schlimme Wort zu verwenden); sofort alles was nicht der reinen Hard-Rock-Lehre entspricht, umgehend als Sell-out zu bezeichnen, ist albern. Purple haben stets neue Dinge ausprobiert, um ihre Soundpalette zu erweitern, und sind dafür auch Ende der Achtziger offen. So setzt Paice in „The Unwritten Law“ elektronisches Schlagzeug ein, was dem Zeitgeist entspricht und hier auch gut funktioniert. Ein origineller, wenn für die Gruppe auch ungewöhnlicher Song.

Das schroffe „Mad Dog“ sowie „Dead Or Alive“, das ordentlich Speed hat und fast schon in die Metalecke geht (und dessen Riff wenige Jahre später von Yngwie Malmsteen schamlos für seinen Song „Demon Driver“ geklaut wurde) beweisen, dass Deep Purple keineswegs nur noch auf die Charts schielten. Frech ist allerdings von Plattenfirmenseite, dass die damalige CD-Version von „The House Of Blue Light“ fast fünf Minuten länger dauert als die Vinyl- und Kassettenversion (um den Verkauf der damals noch recht neuen – und teuren – CD zu pushen) – die remasterte CD-Neuauflage von 1999 beinhaltet jedoch ärgerlicherweise lediglich die kürzere Variante.

Vor allem in „Strangeways“, mit ihren exotischen Percussions und dem orientalischen Stakkatoriff noch eine ziemlich spezielle Nummer, macht sich dies bemerkbar, da gute 70 Sekunden der ekstatischen Synthesizer-Orgie am Ende weggeschnitten wurden. Ziemlich unerfreulich, denn es handelt sich hier um den klar besten Track des Albums, was soll so eine Verstümmelung? Stark ist auch das ebenfalls mit fernöstlich anmutenden Melodien ausgestattete „The Spanish Archer“, das dank seiner überragenden Gitarrenarbeit der beste Beweis dafür ist, dass Ritchie Blackmore mit der übertrieben selbstkritischen Aussage „Ich spielte scheiße auf dem Album“ viel zu hart mit sich selbst ins Gericht ging.  

So negativ wie die Band selbst muss man den zwölften Purple’schen Studio-Output wegen des überwiegend brauchbaren Materials also ganz sicher nicht bewerten, im Gesamtklassement nimmt er allerdings eher einen der unteren Ränge ein. Teilweise mangelt es am gewissen Etwas, es fehlen die Leichtigkeit und Euphorie des Vorgängers, außerdem offenbart es Schwächen im Songwriting: „Hard Lovin’ Woman“, das Gegenstück zu „Hard Lovin’ Man“ von „In Rock“, ist völlig farb- und belanglos und der Standardblues „Mitzi Dupree“ über eine Stripperin, die Ian Gillan während eines Fluges kennenlernte, textlich ungewohnt platt (Blackmore hasste den Song) – da zeigt sich der Sänger sonst lyrisch gewitzter.

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