Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Deep Purple: The Book Of Taliesyn

Das etwas rundere Album im Vergleich zum Erstling
Wertung: 8,5/10
Genre: Hard Rock / Psychedelic Rock / Progressive Rock
Spielzeit: 43:57
Release: 11.12.1968
Label: Tetragrammaton

Kaum drei Monate nachdem sie ihr Debüt „Shades Of Deep Purple“ veröffentlicht hatten, begaben sich Deep Purple wieder ins Studio, um den Nachfolger „The Book Of Taliesyn“ aufzunehmen, benannt nach dem gleichnamigen Buch, das u.a. eine Gedichtsammlung des walisischen Poeten Taliesin enthält, der im sechsten Jahrhundert lebte. Strukturell ähnelt das Werk seinem Vorgänger, erneut stehen eigenem Material ein paar Cover gegenüber, wobei sich auch auf dem Zweitlingswerk mit „We Can Work It Out“ ein Beatles-Cover findet – man war inspiriert, dies zu wiederholen, da Paul McCartney höchstpersönlich geäußert hatte, dass ihm die „Help!“-Version der ersten LP sehr zugesagt habe.

Gekoppelt wird dies mit einer weiteren Bearbeitung eines bekannten Klassik-Themas – diesmal wagt man sich an den großen Ludwig van Beethoven heran und nahm den zweiten Satz seiner siebten Symphonie als Grundlage für das schlicht „Exposition“ bezeichnete Stück. Noch weiter in den klassischen Bereich dringt man in Form der pompösen „Anthem“ vor, eine wundervolle und höchst romantische Ballade mit Melodien zum Dahinschmelzen und einem ausgiebigem Streicherpart in der Mitte. Natürlich von Jon Lord geschrieben und arrangiert, präsentiert sich die Band über die gesamte Albumlänge betrachtet kompositorisch dennoch einheitlicher: So führen der flotte Opener „Listen, Learn, Read On“, in dessen Lyrics auch der Albumtitel erwähnt wird, sowie das folgende, mit triumphalen Fanfaren aufwartende Instrumental „Wring That Neck“ jeweils vier Bandmitglieder als Autoren auf.

Letzteres befand sich ähnlich wie „Mandrake Root“ von „Shades“ auch im Liverepertoire späterer Purple-Besetzungen und wurde ebenfalls gern auf zwanzig, dreißig oder sogar noch mehr Minuten ausgedehnt. Eines der besten, interessantesten und wohl auch bekanntesten Stücke der Platte markiert außerdem „Shield“, das auf einer simplen, aber eingängigen Basslinie basiert und mit ungewöhnlichen, rhythmisch komplexen Percussion-Elementen ausgestattet wurde. Hier tendieren Purple ein wenig in Richtung Progressive Rock und zeigen, dass sie als Songwriter inzwischen gereift sind.

Trotzdem fuhr man alles in allem noch die eher psychedelische Schiene, was sich auch im quietschbunten Artwork von John Vernon Lord (der in keiner Weise mit dem Keyboarder und Organisten Jon Lord verwandt ist) widerspiegelt und u.a. darin begründet liegt, dass Purple in den USA in der Mark I-Besetzung viel erfolgreicher waren als in ihrer britischen Heimat, wo man entweder verrissen oder gleich ganz ignoriert wurde, und in den USA waren zu jener Zeit die Hippies das größte Publikum. Mit der superben Zehn-Minuten-Version von „River Deep, Mountain High“ betritt man auf jeden Fall psychedelische Gefilde, während Neil Diamonds „Kentucky Woman“ im Vergleich mit dem Original rockig aufgemotzt wurde und dadurch ebenfalls eine ziemlich eigene Note gewinnt.

In seiner Gesamtheit betrachtet, ist „The Book Of Taliesyn“ das etwas rundere Album als das Debüt – fast schon überflüssig zu erwähnen, dass die Kritiker das Werk erneut nicht besonders wohlwollend besprachen. In ihrer Heimat interessierten sich weiterhin nur wenige für Deep Purple, erst als die Band insgesamt größer wurde, entdeckte so mancher auch diesen Schatz für sich und kam zu einem positiveren Fazit.

Wie übrigens schon bei „Shades“ sind auch hier in der remasterten CD-Version einige Bonustracks zu verzeichnen, doch war beim Erstling nur mit dem Outtake „Shadows“ ein zuvor unbekannter Song dabei (der Rest sind alles Albumtracks als Live- und alternative Versionen in bescheidener Tonqualität), sind es hier mit „Oh No No No“ und dem traurig-schönen „It’s All Over“ (beides Cover) sowie „Hey Bop A Re Bop“ und „Playground“ (Eigenkompositionen) immerhin vier vorher nicht enthaltene Nummern. Funfact: In der Mark II-Besetzung hatten Purple später selber einen Song, der „No No No“ heißt.

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna