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Deep Purple: Stormbringer

Eines der unterschätztesten Purple-Alben überhaupt
Wertung: 9/10
Genre: Hard Rock / Blues Rock / Funk Rock
Spielzeit: 36:36
Release: 06.11.1974
Label: Purple Records

Bereits ein halbes Jahr nach dem Release von „Burn“ begab sich das Mark III-Line-Up schon wieder ins Studio, um den Nachfolger „Stormbringer“ einzutüten. Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Es ist und bleibt unfassbar, in welchem Tempo Bands in den Sechzigern und Siebzigern neue Alben herausbrachten und dabei dennoch meist durchgängig ein kompositorisch hohes Niveau beibehielten und stets Neues ausprobierten.

„Stormbringer“ markiert nichtsdestotrotz eines jener Deep Purple-Alben, an denen sich die Geister der Fans scheiden. Konnte man „Burn“ vielleicht noch als eine Art Übergangsplatte betrachten, war die Band mit ihrem neunten Studioalbum endgültig in einem Territorium angelangt (weg vom reinen Hard Rock), in dem sich so manch alter Supporter nicht mehr heimisch fühlte und das sich signifikant von den Werken der Mark II-Besetzung unterschied. David Coverdale und vor allem Glenn Hughes brachten Funk und Soul in die Band und waren songschreiberisch äußerst aktiv.

Die beiden Neuen hatten also mehr oder weniger das Zepter übernommen und Ritchie Blackmore fühlte sich zusehends ins Abseits gedrängt. Selbstverständlich entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass Coverdale und Hughes auf sein Bestreben in die Gruppe geholt wurden, der Gitarrist alsbald jedoch mit der Richtung, die Deep Purple musikalisch einschlugen, nicht mehr allzu viel anfangen konnte und sein Unbehagen darüber auch öffentlich äußerte.

Wegen des hohen Anteils an Funk und Soul ist es im Prinzip Glenn Hughes’ Album und somit wenig verwunderlich, dass er die Platte stets verteidigt und als seine Lieblings-Purple-LP bezeichnet. „Ritchie Blackmore ist verdammt funky, ob es ihm gefällt oder nicht. Er spielte wundervoll auf dem Album“, sagte der singende Bassist einmal über den Gitarristen und dessen Verhältnis zu „Stormbringer“. Recht hat er: Kann schon sein, dass Ritchie einen Song wie das extrem groovende, megafunkige „Hold On“ gehasst hat – dennoch steuerte er ein exzellentes Gitarrensolo dazu bei, das er angeblich nur mit dem Daumen gespielt hat.

Auch beispielsweise seine zarte Slidegitarre im melancholischen „The Gypsy“, das sich insbesondere durch sein hypnotisches Riff hervortut, auf dessen Basis Ian Paice zum Ende hin einige hervorragende Drumfills zaubert, zeigt, dass Ritchie keineswegs permanente Lustlosigkeit an den Tag gelegt hat, so launisch sein Charakter auch sein mag. Außerdem trug er trotz allem keinen geringen Anteil an Material zu „Stormbringer“ bei, so schrieb er in Partnerschaft mit David Coverdale den starken Titelsong, dessen Killer-Mainriff mal wieder einen tollen Ohrwurm zutage förderte, das nicht minder gelungene, temperamentvolle „Lady Double Dealer“ (beide wenig verwunderlich deutlich rockiger als der Rest) sowie die wundervolle, ergreifende Ballade „Soldier Of Fortune“, die sich durch gefühlvolle Gitarrenlicks, Davids wehmütigen Gesang und eine dezente Streicherbegleitung auszeichnet.

Obwohl sich Coverdale und Hughes ansonsten wie schon auf „Burn“ die Gesangsparts teilen oder im Duett vortragen, was erneut wunderbar funktioniert und sogar für den eingefleischtesten Gillan-Fan seinen Reiz haben sollte, veredelt der Frontmann dieses zum Sterben schöne Albumfinish solo. Dafür darf Glenn im souligen, ebenfalls balladesk angehauchten „Holy Man“ (neben „Hold On“ einer von zwei Songs, bei denen Blackmore kein Writing-Credit bekommen hat – das erste Mal seit Mark I-Tagen) allein ran und kann so das gesamte Spektrum seiner sensationellen Stimme zur Geltung bringen. Stevie Wonder soll ihn übrigens damals scherzhaft gefragt haben: „You sure you’re white?“ und benannte ihn als seinen liebsten weißen Sänger.

Da es sich bei „Love Don’t Mean A Thing“, „You Can’t Do It Right (With The One You Love)“ und „Highball Shooter“ gleichermaßen um ziemlich gutes Material handelt, ist „Stormbringer“ (neben dem folgenden „Come Taste The Band“) eines der unterschätztesten Werke im gesamten Purple-Katalog. Das Album swingt, groovt, ist sexy und kompositorisch bärenstark. Dass nicht jeder Fan seinerzeit darauf klarkam und möglicherweise auch heute nicht klarkommt, ist wegen der deutlichen Veränderungen trotzdem verständlich, selbst Jon Lord, der vermehrt Synthesizer auf der Scheibe einsetzte, war sich unsicher ob der musikalischen Orientierung, konnte es jedoch nicht übers Herz bringen, das Handtuch zu werfen. Im Nachhinein bezeichnete er es als Fehler, nicht wie Ritchie Blackmore nach „Stormbringer“ ausgestiegen zu sein.

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