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Deep Purple: Slaves And Masters

Das schwächste Purple-Album – wenn man es überhaupt als Purple-Album sehen will…
Wertung: 6,5/10
Genre: Hard Rock / AOR
Spielzeit: 46:51
Release: 05.10.1990
Label: RCA Records

Wenn „The House Of Blue Light“ von den Fans ambivalent aufgenommen wurde, dann ist das doch noch nichts gegen die Kontroverse, der sich dessen Nachfolger „Slaves And Masters“ gegenübersieht. Ian Gillan und Ritchie Blackmore hatten sich wieder mal in der Wolle und kamen auch musikalisch nicht auf einen gemeinsamen Nenner, sodass der Sänger nach der absolvierten Welttour zum zweiten Album des reformierten Mark II-Line-Ups gefeuert und durch Joe Lynn Turner ersetzt wurde – Mark V war geboren. Ursprünglich wollten Deep Purple Jimi Jamison von Survivor einstellen, doch dieser konnte den Job wegen anderer Verpflichtungen nicht annehmen.

Damit waren mit Blackmore, Turner sowie Bassist Roger Glover nun gleich drei Mitglieder in der Band, die schon bei Rainbow zusammen gespielt hatten – das Ergebnis ist ein Album, das mehr nach einer Mischung aus Rainbow in ihrer Achtziger-Phase und Foreigner klingt. Keyboarder Jon Lord erkannte es nie als wirkliches Deep Purple-Album an, ähnlich wie es bereits bei „Come Taste The Band“ der Fall war.

Dennoch war jene LP mit Tommy Bolin immerhin von Enthusiasmus und Energie geprägt, „Slaves And Masters“ wirkt dagegen geradezu zahm. Niemand bestreitet, dass Turner ein fähiger Sänger ist – auch wenn er weder die Power eines Ian Gillan noch den Blues eines David Coverdale in der Stimme hat – und handwerklich gibt es an der Platte natürlich ebenfalls nicht viel zu meckern. Dennoch darf man darüber diskutieren, wie viel Deep Purple tatsächlich in der Scheibe steckt; die AOR- und Poprock-lastige Ausrichtung und die glatte Produktion lassen das Ganze ziemlich weichgespült erscheinen, hier und da hat man einfach das Gefühl, es würde mit angezogener Handbremse agiert.

Dabei liegt mit dem Eröffnungstrio ein relativ starker Start des Werkes vor: „King Of Dreams“, eine groovige Nummer mit tollem Refrain, ist gleich der beste Song des Rundlings, was immer ein bisschen problematisch sein kann, die Platte so aber zumindest nicht mit einer Enttäuschung beginnen lässt. Die schnelleren Follow-ups „The Cut Runs Deep“ und „Fire In The Basement“ jedoch entpuppen sich ebenfalls als gediegenes Material, wobei ersteres gar Gangshouts auffährt – für Purple untypisch, macht sich aber nicht schlecht.

Und was ist an „Slaves And Masters“ schon typisch Purple? Ritchies unverkennbarer Gitarrensound und Jon Lords gelegentliche Orgelsoli vielleicht, ansonsten nicht so wahnsinnig viel. Selbst wenn man ausblendet, dass auf dem Cover Deep Purple steht, und sich vorstellt, eine andere Gruppe hätte die Scheibe eingespielt – in der Mitte nimmt die Qualität der Songs deutlich ab. „Truth Hurts“ und das lahmarschige „Breakfast In Bed“ wirken uninspiriert und die Ballade „Love Conquers All“ ist kitschigster Achtziger-Standard ohne Seele. Nee sorry, da funktioniert das Ausblenden dann schon nicht mehr, man wühlt doch wieder in der Vergangenheit und stellt ernüchtert fest, dass diese Band früher emotionale Großartigkeiten der Marke „When A Blind Man Cries“, „Soldier Of Fortune“ oder „Wasted Sunsets“ fabriziert hat und einem nun so eine Soße vorsetzt.  

Zum Glück fängt sich die Formation zum Ende hin wieder: „Fortuneteller“ mit seinem eingängigen symphonischen Keyboardriff ist wieder klar besser, kann aber dem atmosphärisch wie thematisch ähnlichen „The Gypsy“ von „Stormbringer“ nicht das Wasser reichen, „Too Much Is Not Enough“, das Turner eigentlich für ein Soloalbum vorgesehen hatte, macht trotz (oder gerade wegen?) cheesy Tastenkleister halbwegs Spaß und mit dem düsteren „Wicked Ways“ findet die Platte sogar noch einen richtig starken Abschluss.

Dass „Slaves And Masters“, obwohl ganz sicher nicht durch die Bank schlecht, bis heute für die meisten Fans der Band das schwächste Deep Purple-Album darstellt, verwundert nicht allzu sehr – zu soft, zu zahm, zu weit entfernt vom Trademarksound, zu viel Durchschnitt in Sachen Songwriting; für die meisten ist es wie für Jon Lord schlichtergreifend kein wahres Deep Purple-Album. Die Frage, wie die Scheibe geklungen hätte, wenn Gillan sie eingesungen hätte, ist müßig, denn hundertprozentig wären dann ganz andere Songs entstanden. An Joe Lynn Turner, der eine gute Gesangsleistung bringt, liegt es trotzdem nicht allein, dass die Platte eine Bauchlandung wurde und auch kommerziell floppte. Seine spätere Aussage, „Slaves And Masters“ sei „das letzte große Purple-Album“ ist natürlich trotzdem lächerlich.

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