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Deep Purple: Shades Of Deep Purple

Lange verkanntes, psychedelisch geprägtes Debüt
Wertung: 8/10
Genre: Hard Rock / Psychedelic Rock / Progressive Rock
Spielzeit: 43:27
Release: 17.07.1968
Label: Tetragrammaton

Viele Leute kennen Deep Purple hauptsächlich als Hard-Rock-Combo, die Welthits wie „Smoke On The Water“, „Black Night“ oder „Child In Time“ hervorgebracht hat. Dass die Band im ausgehenden Beat-Zeitalter ursprünglich als Pilzfrisurtruppe startete, die vor allem psychedelisch geprägt war und immerhin drei Alben aufnahm, bevor sie zu ihrem bekanntesten und kommerziell erfolgreichsten Line-Up mit Ian Gillan als Frontmann fand, hat so mancher wohl gar nicht recht auf dem Schirm. Der Sänger und Schlagzeuger Chris Curtis war im späten 1967 dabei, eine neue Band mit dem Namen Roundabout zu gründen, aus der sich nach kurzer Zeit das erste Purple-Line-Up (Mark I) formierte, dem Curtis selbst ironischerweise dann allerdings gar nicht mehr angehörte, sondern das sich aus Rod Evans (Gesang), Ritchie Blackmore (Gitarre), Jon Lord (Orgel/Keyboards), Nick Simper (Bass) und Ian Paice (Schlagzeug) zusammensetzte.

Beeinflusst von ihren Landsleuten von The Nice (der Band, der u.a. Keith Emerson angehörte, bevor er ELP ins Leben rief) sowie den Amerikanern Vanilla Fudge, waren die frühen Deep Purple zwar noch stark im Psychedelic Rock verwurzelt und gerade auf ihrem Debüt sicherlich noch auf der Suche nach ihrem Sound, hatten mit Jon Lords dominanter, wummernder Orgel sowie Ritchie Blackmores ziemlich mittenlastigem, harschem Gitarrenspiel allerdings schon recht eigenständige Merkmale vorzuweisen. Gerade letzteres, wie auch die kantige Produktion von Derek Lawrence (der auch die beiden folgenden Alben produzieren sollte) ließ Deep Purple härter als stilistisch ähnlich gelagerte Gruppen jener Zeit erscheinen. Lord und Blackmore sollten ihr Spiel im Laufe der Jahre noch verfeinern und sich später in legendären Soloduellen auf der Bühne gegenseitig anstacheln, ansatzweise jedoch ist dies bereits auf „Shades Of Deep Purple“ zu hören.

So wie im Albumhighlight „Mandrake Root“, das auch die Mark II-Formation noch bis 1972 in ihrem Liverepertoire hatte und auf Konzerten mit ausgiebigen Improvisationen auf zwanzig Minuten und mehr ausdehnte. Eine energetische, rabiate Nummer, die rifflastig beginnt, um zum Ende hin in einen schnelleren Groove zu verfallen, auf dem umfassend soliert wird. Dem gegenüber stehen das melancholische „One More Rainy Day“, das mit wunderschönen Harmoniegesängen im Refrain glänzt und von Lords Barock-artigen Orgelläufen geprägt ist, und die an die Beach Boys erinnernde, nette, aber nicht allzu relevante Popnummer „Love Help Me“.

Der instrumentale Opener „And The Address“ ist wiederum deutlich rockiger – doch dass das Material etwas eklektisch tönt, verwundert bei einem Erstling ohnehin nicht allzu sehr, außerdem war das Quintett trotz Erfahrung sämtlicher Beteiligter als Sessionmusiker in Sachen Songwriting bis auf den ein paar Jahre älteren Jon Lord eher unerfahren – so ist es nicht verwunderlich, dass er für den Löwenanteil der Eigenkompositionen sowie die Arrangements auf dem Purple-Erstling verantwortlich zeichnet.

Es war damals bei Frühwerken einer Band eh nicht ungewöhnlich, mangelndes eigenes Material durch mehrere Cover auszugleichen. Die Idee, den Beatles-Song „Help!“ in langsamer Geschwindigkeit darzubieten und somit ein gänzlich eigenes Gesicht zu geben, hat etwas für sich – es klingt ein wenig, als würde man die Originalsingle mit 33 statt 45 Umdrehungen auf dem Plattenteller abspielen. Ähnlich verfahren wurde mit dem vor allem durch Jimi Hendrix bekannt gewordenen Song „Hey Joe“ (Purples damalige Vorbilder Vanilla Fudge gingen beispielsweise mit „You Keep Me Hanging On“ in ähnlicher Manier vor), während man in „Prelude: Happiness“ ein Thema aus „Scheherazade“ von Nikolai Rimski-Korsakow bearbeitete, was bereits Jon Lords klassischen Background andeutet, der später ja noch eine größere Rolle spielen sollte. Und der Joe South-Hit „Hush“ steht sogar heute noch im Liveprogramm der Engländer.

Wer nur die späten Deep Purple kennt, wird sich möglicherweise etwas schwer tun mit den frühen Alben der Band. Obwohl so mancher nicht zu Unrecht schon „Shades Of Deep Purple“ als wichtige Platte auf dem Weg zu Heavy Rock und später Heavy Metal sieht, hat jene Formation nicht wahnsinnig viel mit der späteren Hard-Rock-Band Deep Purple gemein, die mit Led Zeppelin und Black Sabbath das Triumvirat der großen britischen Rockbands bilden sollte.

Ein Juwel, das man nicht unterschätzen sollte, ist die Scheibe allemal; Rod Evans’ warmer Bariton schmiegt sich wunderbar an die psychedelisch gefärbten, mal poppigeren, mal rockigeren Songs an, die durch sein lyrisches Organ eine romantische Ausstrahlung gewinnen, aufgrund von Blackmores aggressivem Gitarrensound gleichzeitig jedoch auch roh und ungeschliffen wirken. Die Presse (vor allem die britische) verriss die Platte damals gnadenlos – heute gilt sie als Klassiker. Ein untrügliches Indiz dafür, dass Purple schon Ende der Sechziger ihrer Zeit voraus waren. Ex-Yes-Keyboarder Rick Wakeman bezeichnete das Werk einst gar als sein liebstes britisches Album aller Zeiten.

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