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Deep Purple: Perfect Strangers

Überragendes Comebackalbum der Mark II-Formation
Wertung: 10/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 44:13
Release: 29.10.1984
Label: Polydor

Acht Jahre lang waren Deep Purple nach der Auflösung 1976 weg vom Fenster. In der Zwischenzeit feierte Ritchie Blackmore große Erfolge mit Rainbow (auch Roger Glover war dort Ende der Siebziger/Anfang der Achtziger aktiv), Ian Gillan sang u.a. das Black Sabbath-Album „Born Again“ ein und hatte mit seiner eigenen Band Gillan einige Alben aufgenommen, David Coverdale hatte die ebenfalls sehr erfolgreiche Gruppe Whitesnake gegründet, der zwischendurch auch Jon Lord und Ian Paice angehörten, während Tommy Bolin viel zu früh Ende 1976 verstarb, nachdem er nach Purples Split noch einige Zeit mit seiner Tommy Bolin Band im Vorprogramm von Peter Frampton und Jeff Beck gespielt hatte.

Die Gerüchte bezüglich einer Wiedervereinigung der erfolgreichsten und beliebtesten Purple-Formation Mark II brodelten bereits um 1981 herum (da hatten sich Led Zeppelin nach dem Tod von John Bonham 1980 bereits aufgelöst; im selben Jahr war John Lennon ermordet worden und eine Reunion der Beatles damit endgültig vom Tisch), doch wegen verschiedener Verpflichtungen der Musiker konnte dieses Vorhaben erst Ende 1983 bei einem ersten Treffen in die Tat umgesetzt werden. Ritchie Blackmore war eh unzufrieden mit Rainbow, da bei allem Erfolg der ganz große Durchbruch in den USA ausgeblieben war (dabei hatte man sich mit kommerziellerer Ausrichtung ein wenig an jenen Markt angebiedert) und löste die Band kurzerhand auf, um sich lieber auf die Reunion seiner alten Liebe zu konzentrieren.

Dass es bei der Mark II-Wiederauferstehung auch um viel Kohle ging, kann wohl kaum einer der Herren abstreiten. Nichtsdestoweniger ist dem Fünfer mit „Perfect Strangers“ ein Comeback nach Maß gelungen. Ursprünglich hatte Ritchie Blackmore in Anspielung darauf, dass Mark II 1973 nach „Who Do We Think We Are“ auseinanderbrach vor, die Scheibe „At Last, The 1974 Album“ zu nennen, glücklicherweise jedoch konnten die anderen Mitglieder ihn umstimmen – Jon Lord argumentierte plausibel, man wolle ja nicht wie 1974, sondern wie 1984 klingen.
 
Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: „Perfect Strangers“ ist eben kein bloßer Aufguss der alten Großtaten, sondern tönt frisch und motiviert. Roger Glovers Produktion hat den nötigen Punch, sodass selbst heutzutage nichts droht, sich altbacken anzuhören. Sowohl kompositorisch als auch performancetechnisch merkt man, dass alle Beteiligten nach so langer Zeit wieder Lust hatten, in dieser einzigartigen Konstellation zu musizieren; vorerst hatten es sogar die Streithähne Ritchie Blackmore und Ian Gillan geschafft, das Kriegsbeil zu begraben.

Blackmore spielt wie im Rausch, Gillan singt voller Inbrunst, Glovers Bass pumpt, Paice groovt und swingt und Jon Lord setzt, nachdem er während der Mark III- und Mark IV-Phase zunehmend mit Synthesizern experimentiert hatte, wieder verstärkt auf die Orgel, sodass Fans wieder vermehrt in den Genuss typischer Elemente wie Orgel- und Gitarrenduelle kommen.

Den Anfang macht das hymnische „Knocking At Your Back Door“, in dessen Text sich einmal mehr Gillans Talent zeigt, pikante Themen amüsant zu verpacken, da hier ebenso ungeniert wie mit Augenzwinkern für Analsex geworben wird (belustigende Randnotiz: Der Song wurde als Single ausgekoppelt und viel im Radio gespielt – offenbar kapierten die meisten nicht, worum es in den Lyrics eigentlich ging). Mit diesem Stück sowie dem mystisch klingenden, orientalisch angehauchten Titeltrack (nach eigenen Angaben Ritchie Blackmores Lieblings-Purple-Song), der auch heute noch fast bei jedem Konzert dargeboten wird, sind der Gruppe zwei absolute Oberkracher geglückt, doch reiht sich im Prinzip ohnehin Hit an Hit.

So basiert der packende Antikriegssong „Under The Gun“ genauso auf einem Killerriff wie „Nobody’s Home“ und beim famosen, explosiven „A Gypsy’s Kiss“ mit seinem fantastischen klassisch geprägten Mittelpart wird ordentlich aufs Gaspedal gedrückt, während das ätherische „Wasted Sunsets“ einen herrlichen Schmachtfetzen mit dichter Atmosphäre darstellt, bei der Gillans Gänsehautperformance eindrucksvoll beweist, dass er die hohen Noten immer noch trifft.

Im abschließenden „Hungry Daze“ zieht man dann doch mal die Nostalgiekarte, zitiert im Text den eigenen Klassiker „Smoke On The Water“ und kombiniert locker wehmütige Melodien mit einem exotisch stampfenden, tanzbaren Riff. Seltsam, aber ziemlich cool! Trotz dieses kleinen Schwelgens in Erinnerungen ist der Blick nach vorn gerichtet; den charakteristischen Klang von Deep Purple Mark II nach langer Bandpause ins neue Jahrzehnt zu transferieren, ist den Briten bestens gelungen, auch wenn einige Ignoranten wie der unsägliche Rolling Stone dies verkannten und die Platte verrissen.

Ein ganz, ganz starkes Comeback, zweifellos eines der besten der Rockgeschichte, einzig „Mean Streak“ fällt qualitativ leicht ab, macht aber genügend Spaß, um die Höchstnote nicht zu verhindern. Mit dem Bonustrack „Not Responsible“ findet sich in der CD-Version außerdem eine weitere gelungene Komposition und in der 1999er Neuauflage steht in Gestalt des zehnminütigen Instrumentals „Son Of Alerik“ (zuvor lediglich in gekürzter Form als B-Seite der „Perfect Strangers“-Single erschienen) sogar noch ein weiterer Bonus zu Buche – ein wunderschönes, relaxtes Stück, bei dem Ritchie einmal mehr zeigt, welch herausragender und gefühlvoller Gitarrist er ist.

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