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Deep Purple: Now What?!

Die Luft scheint endgültig raus zu sein
Wertung: 5/10
Genre: Classic Hard Rock
Spielzeit: 60:04
Release: 26.04.2013
Label: earMUSIC / Edel

Lange Zeit war gar nicht klar, ob Deep Purple überhaupt ein neues Studioalbum veröffentlichen würden – nachdem der letzte Output „Rapture Of The Deep“ nun bereits acht Jahre zurückliegt, begann die Gerüchteküche immer mehr zu brodeln, und Bassist Roger Glover goss vor zwei Jahren noch Öl ins Feuer, indem er meinte, dass man sich innerhalb der Band tatsächlich nicht einig darüber sei, ob man sich wirklich noch einmal für eine neue Platte zusammenraufen könnte.

Alles ganz offensichtlich nur Enten, denn 2012 hatte man sich mit Top-Produzent Bob Ezrin (u.a. Alice Cooper, Pink Floyd, Kiss) im amerikanischen Nashville zusammengefunden, um mit „Now What?!“ die nunmehr 19. Studiolangrille der lebenden Rocklegende einzuspielen. Bei einer derart berühmten und erfolgreichen Band, deren letzte Scheibe auch noch so lange zurückliegt, ist die Erwartungshaltung naturgemäß ziemlich hoch – sollte man zumindest meinen. Immerhin existiert ein nicht geringer Prozentsatz an Leuten, die die Combo schon lange abgeschrieben haben; immer wieder liest man davon, dass insbesondere Steve Morse einfach nicht zu der Band passe, dass dem Songwriting ohne Ritchie Blackmore der Biss fehle, dass Ian Gillan stimmlich massiv abgebaut habe (hierbei sollte man allerdings bedenken, dass der Mann inzwischen schon auf die 70 zugeht) und spätestens mit dem Ausstieg von Jon Lord (R.I.P.) sowieso alles vorbei gewesen sei.

Es ist schon klar, dass Deep Purple mit keinem Album der Morse-Ära an die Glanztaten aus den Siebzigern oder das grandiose „Perfect Strangers“-Comeback-Meisterwerk von 1984 heranreichen konnte. Doch konnte das auch kein klar denkender Mensch erwarten. Steve Morses Spiel ist und bleibt – so brillant es rein technisch auch zweifellos ist – natürlich Geschmackssache. Er klingt nun einmal cleaner als good old Ritchie und da sich beide Gitarristen in ihrem Stil vollkommen voneinander unterscheiden, hat natürlich jeder das Recht darauf zu finden, dass Morse nicht zu Purple passt.

Meiner bescheidenen Meinung nach war aber zumindest sein Purple-Debüt „Purpendicular“ ein sehr starkes Album. Die darauffolgenden Scheiben waren zumindest ganz in Ordnung, einschließlich der letzten Platte „Rapture Of The Deep“. Diese hatte mit dem starken Titelsong, der hübschen Ballade „Clearly Quite Absurd“ und dem epischen „Before Time Began“ einige sehr gelungene Nummern zu verzeichnen, allerdings auch einige Belanglosigkeiten. Letztere treten auf dem neuen Album leider noch viel häufiger auf: Wenn sich gleich die ersten drei Tracks allesamt gegenseitig an Langeweile überbieten, ist das schon ziemlich erschreckend. Dabei beginnt der Opener „A Simple Song“ mit einem wirklich schönen, vielversprechenden Intro, das dann jedoch abrupt und völlig unpassend rockigeren Tönen weicht – eine sehr krude Wendung, an die man sich auch nach mehreren Durchläufen nicht gewöhnen kann.

Was dann beim ebenfalls absolut standardmäßig dahinplätschernden, nichtssagenden „Weirdistan“ (wobei der Titel natürlich cool ist) dieses völlig deplatzierte, schräge Keith-Emerson-Gedächtnissolo soll, würde ich gerne mal von Don Airey wissen – geht gar nicht! Wobei man zugeben muss, dass die Keyboards über die gesamte Albumdistanz ganz gut und durchaus variantenreich eingesetzt wurden. Und dass die Band natürlich technisch über jeden Zweifel erhaben ist, steht ebenfalls völlig außer Frage. Auch Ian Gillan macht seine Sache im Rahmen dessen, was seine Stimme noch zulässt, sehr ordentlich. Die Produktion ist zudem perfekt – manch einem sicherlich zu perfekt, denn sie trägt letztlich mit dazu bei, dass „Now What?!“ entgegen seinem markigen Titel aalglatt und viel zu brav rüberkommt. Radiotauglicher Altherren-Rock, der weder etwas mit dem früheren rebellischen, dreckigen oder progressiven Rock à la „Deep Purple In Rock“ oder „Fireball“, noch mit dem ebenfalls guten Songwriting späterer Phasen wie auf „Burn“, „Stormbringer“ oder erwähntem „Purpendicular“ zu tun hat.

Allenfalls „Hell To Pay“ reißt den Hörer ein wenig aus der Lethargie und beim gelungenen, Jon Lord gewidmeten „Above And Beyond“ bleibt erstmals tatsächlich eine Melodie hängen. Auch „Blood From A Stone“ darf man als hörbares Stück bezeichnen, obwohl es sich eher nach den späten Doors als nach Deep Purple anhört. Bei „Après Vous“ werden die früher so spektakulären Gitarre-/Keyboard-Duelle zumindest mal angedeutet und ausgerechnet die gefällige, mit vereinzelten Pedal-Steel-Gitarrenklängen ausgestattete Ballade „All The Time In The World“ (wurde als erste Single ausgekoppelt) kann noch einen positiven Eindruck hinterlassen.

Sorry, aber das hier ist alles in allem biederer Durchschnitt, der eher für Hausfrauen als für Hard Rocker gemacht ist. Vielleicht sollte diese einst großartige und einflussreiche Band doch darüber nachdenken, zumindest studiomäßig einen Schlussstrich zu ziehen. Gegen die Kollegen von Uriah Heep, die vor zwei Jahren mit „Into The Wild“ ein bärenstarkes neues Album veröffentlichten, das tatsächlich rockte, stinken Purple jedenfalls gnadenlos ab. Fünf Punkte noch wegen der wenigen guten Tracks und der selbstverständlich technischen Klasse und objektiv betrachtet kompetenten Arrangements. Hoffen wir mal, dass es Black Sabbath dieses Jahr mit „13“ besser machen.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann