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Deep Purple: Now What?!

Nach acht Jahren Wartezeit endlich Nummer 19
Wertung: 7,5/10
Genre: Classic Hard Rock
Spielzeit: 57:06
Release: 26.04.2013
Label: earMUSIC / Edel

Lange Zeit war gar nicht klar, ob Deep Purple überhaupt ein neues Studioalbum veröffentlichen würden – nachdem der letzte Output „Rapture Of The Deep“ nun bereits acht Jahre zurückliegt, war die Gerüchteküche wieder mal kräftig am Brodeln, und Bassist Roger Glover goss vor zwei Jahren noch Öl ins Feuer, indem er meinte, dass man sich innerhalb der Band tatsächlich nicht einig darüber sei, ob man sich wirklich noch einmal für eine neue Platte zusammenraufen könne.

Alles ganz offensichtlich nur Enten, denn 2012 hatte man sich mit Top-Produzent Bob Ezrin (u.a. Alice Cooper, Pink Floyd, Kiss) im amerikanischen Nashville zusammengefunden, um in Form von „Now What?!“ die nunmehr 19. Studiolangrille der lebenden Rocklegende einzuspielen. Bei einer derart berühmten und erfolgreichen Band, deren letzte Scheibe auch noch so lange zurückliegt, ist die Erwartungshaltung naturgemäß immer ziemlich hoch – selbst wenn die Protagonisten mittlerweile nahe dran sind, die 70 Jahre zu knacken.

Das letzte Album besaß nicht ganz das Niveau der vorangegangenen Longplayer trotz des starken Titelsongs, der hübschen Ballade „Clearly Quite Absurd“ und dem epischen „Before Time Began“. Dennoch war es immer bemerkenswert, mit welcher qualitativen Konstanz Deep Purple Alben herausgebracht haben und es erwartet ja auch kein klar denkender Mensch, dass die Band  an ihre Glanztaten der Siebziger oder das grandiose „Perfect Strangers“-Comeback-Meisterwerk von 1984 heranreicht. Im Rahmen dessen ist das markig bezeichnete „Now What?!“ – ein Titel, der sich trotzig an alle Zweifler, die an eine neue Purple-Platte nicht mehr geglaubt haben, zu richten scheint – erneut ein gutklassiges Album geworden, wenn auch wiederum nicht auf dem Level der ersten drei Alben der Morse-Ära.

Das eröffnende „A Simple Song“ beginnt mit einem ruhigen, schönen Intro, bevor recht abrupt härtere Töne angeschlagen werden – eine etwas krude Wendung, an die man sich auch nach mehreren Durchläufen nur schwer gewöhnen kann. Wie schon sein unmittelbarer Vorgänger hat auch „Now What?!“ Mühe, in die Gänge zukommen, wobei „Weirdistan“ (cooler Titel), der fast schon obligatorische orientalisch geprägte Song, schon eine Ecke stärker ist: Bei weitem nicht so überragend wie der Titeltrack von „Rapture Of The Deep“, aber der Flanger-Effekt macht sich ebenso gut wie der aufblühende „It’s beautiful“-Part. Don Aireys schräges Keith Emerson-Gedächtnissolo ist dann ebenfalls ein bisschen gewöhnungsbedürftig.

Seine Stärken hat das Album (eine weitere Parallele zu „Rapture Of The Deep“) vor allem in der Mitte. „Hell To Pay“ rockt anständig, „Body Line“ besitzt einen wunderbar legeren Chorus und mit dem hymnischen „Above And Beyond“ hat die Gruppe einen würdigen Abschiedssong für den im letzten Jahr verstorbenen großen Jon Lord (R.I.P.) geschrieben. Tolles, elegantes Orgelriff und emotionaler Gesang von Ian Gillan. Auch das atmosphärische „Blood From A Stone“ ist sehr gelungen, auch oder gerade weil die Band hier interessanterweise fast ein wenig nach The Doors klingt.

„Uncommon Man“ mit seinen sieben Minuten Länge markiert dann so etwas wie das Epos der Platte, das Fanfaren-artige Keyboardriff setzt sich gut fest und hört sich ziemlich feierlich an, sodass die stetig wiederkehrende Zeile „It’s good to be king“ musikalisch passend untermalt wird. Überhaupt werden die Keyboards über die gesamte Albumdistanz recht variantenreich eingesetzt, auf die typischen, spektakulären Gitarre-/Orgel-Duelle muss deshalb jedoch nicht komplett verzichtet werden, wie „Après Vous“ verdeutlicht. Und dass die ganze Band technisch über jeden Zweifel erhaben ist, steht sowieso völlig außer Frage. Auch Ian Gillan macht seine Sache im Rahmen dessen, was seine Stimme noch zulässt, sehr ordentlich.

Sicherlich wird die Scheibe im kolossalen Purple-Katalog keine herausragende Stellung einnehmen („Vincent Price“ beispielsweise ist schon sehr geschmacksabhängig, für meine Begriffe passt die Vampir- und Horror-Thematik nicht zu Purple, das können Alice Cooper besser), doch man merkt zu jeder Sekunde, dass die Herrschaften großen Spaß bei den Aufnahmen hatten und die Produktion von Bob Ezrin ist nicht weniger als perfekt. Und mit dem wunderhübschen „All The Time In The World“ hat man gar einen kleinen Ausflug in Country-Gefilde parat, was ein Novum darstellen dürfte – ich kann mich jedenfalls nicht entsinnen, dass bei Deep Purple zuvor schon mal eine Pedal-Steel-Gitarre zur Anwendung kam. Solide Scheibe, mal sehen, ob Black Sabbath mit „13“ erfolgreich nachziehen können.

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