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Deep Purple: Machine Head

Purples berühmtestes Album – natürlich auch dank „Smoke On The Water“
Wertung: 10/10
Genre: Hard Rock / Heavy Metal
Spielzeit: 37:46
Release: 25.03.1972
Label: Purple Records

Ende 1971 machten sich Deep Purple daran, in Gestalt von „Machine Head“ ihr insgesamt sechstes Album innerhalb von nicht einmal vier Jahren aufzunehmen – da sie gedachten, den Spirit ihrer Liveperformances auch im Studio einzufangen, wollten sie etwas Neues ausprobieren und buchten das Rolling Stones Mobile Studio, wobei das Montreux Casino als Location herhalten sollte. Letzteres brannte jedoch während eines Frank Zappa-Konzerts bis zu den Grundmauern nieder, sodass man schließlich im Grand Hotel landete, das man kurzerhand in eine Art Aufnahmestudio umfunktionierte.

Diese Events sind jedem Rockfan natürlich durch den Text des berühmtesten Purple-Songs „Smoke On The Water“ bekannt, wobei man sich die Frage stellt, ob das Hauptriff oder der Songtitel selbst einen höheren Bekanntheitsgrad aufweisen (der Arbeitstitel war seinerzeit ohne Scherz „Durh Durh Durh“). Das Riff mag vielen bereits aus den Ohren herausquillen, weil man es so oft gehört hat, aber die Eingängigkeit kann wohl niemand bestreiten. Der Witz ist, dass die Band selbst zunächst gar nicht das Potenzial des Stückes erkannte, weswegen es erst 1973 als Single ausgekoppelt wurde; zunächst jedoch wurde „Never Before“ als Leadsingle veröffentlicht, weil man größere kommerzielle Zugkraft darin sah.

Beide Kompositionen finden sich im Gegensatz zu Singles voriger Alben in der Tracklist wieder – diesmal fehlt stattdessen die B-Seite zu „Never Before“, die emotionale Gänsehautballade „When A Blind Man Cries“, die im Gegensatz zum Restmaterial schon sehr aus dem Rahmen fällt, erfreulicherweise aber trotzdem in der 1997er Remaster-Edition als Bonus angehängt wurde.

Tatsächlich präsentiert sich „Machine Head“ wieder deutlich traditioneller und somit hardrockiger als „Fireball“, kann dafür allerdings songschreiberisch in jeder Hinsicht überzeugen; es ist immer wieder erstaunlich, was viele Bands der Siebziger – nicht nur Deep Purple – an Qualität veröffentlicht haben, obwohl sie eigentlich nie zur Ruhe kamen und ihre Alben quasi nebenbei komponierten, während sie permanent auf Tour waren.

„Highway Star“ eröffnet den Reigen einer Fülle von künftigen Hard-Rock-Klassikern: Ein treibendes, eingängiges Uptempo-Stück mit chromatischen, Bach-artigen Tonartwechseln, das schnell „Speed King“ als Setopener bei Konzerten ablöste und mit erstklassigen Lord- und Blackmore-Soli ausgestattet ist. „Maybe I’m A Leo“ ist ein melancholisch angehauchter, hart groovender Blues, wie ihn einmal mehr so wohl nur Deep Purples Mark II-Formation bringen kann, wobei das Besondere hierbei die Tatsache darstellt, dass das Riff auf einem Off-Beat beginnt. Textlich handelt das in einigen Teilen der Welt als B-Seite der „Smoke On The Water“-Single herausgebrachte Stück von Ian Gillans Sternzeichen.

Dass ein enormer Anteil von „Machine Head“ zum Standardliverepertoire avancieren sollte, sagt eine Menge über das Niveau des Materials aus. Die mitreißende Rhythm’n’Blues-Nummer „Lazy“, die entgegen ihrem Titel keineswegs träge und langsam daherkommt und bei der Gillan die Mundharmonika auspackt, ist heute noch gern auf Purple-Konzerten gehört und bietet viel Raum für Improvisation, genau wie der an sich kurze, knackige Hit „Space Truckin’“, der bald „Mandrake Root“ als ausgedehnter Mammuttrack mit Endlos-Jams ablöste. Auch das wiederum mit einem supereingängigen Mainriff versehene, preschende „Pictures Of Home“, das neben den üblichen Blackmore- und Lord-Soli als Schmankerl auch ein kurzes Basssolo von Glover enthält, steht häufig auf der Setlist.

Es können also gar keine Zweifel darüber aufkommen, dass „Machine Head“, welches erstmals über das neugegründete Eigenlabel Purple Records erschien, in jede, absolut jede gut sortierte Rocksammlung gehört – und das ganz bestimmt nicht nur wegen „Smoke On The Water“. Der Einfluss dieser meisterlichen Platte auf den späteren Heavy Metal, allein schon durch das schnelle „Highway Star“, das nicht umsonst als eine der besten Purple-Kompositionen überhaupt gilt, kann erneut nicht hoch genug eingeschätzt werden – wenngleich die erfolgreiche Thrash-Band, die unter dem Titel dieses Albums firmiert, sich eigenen Angaben zufolge nicht nach dieser Scheibe benannt hat.

Deep Purple waren ganz oben angekommen, schwammen auf einer Erfolgswelle und veröffentlichten Ende 1972 – also noch im selben Jahr – ihren legendären Doppeldecker „Made In Japan“, der bei vielen als das beste Rock-Livealbum überhaupt gilt und sehr eindrucksvoll demonstriert, was für eine Macht diese Band vor allem auf der Bühne war. So gesehen schon ein Jammer, dass interne Querelen dazu führten, dass das folgende „Who Do We Think We Are“ das vorerst letzte Studioalbum dieses unfassbaren Line-Ups sein würde.

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