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Deep Purple: Infinite

Kann nicht auf ganzer Linie überzeugen, hat aber seine Momente
Wertung: 7/10
Genre: Classic Hard Rock
Spielzeit: 45:38
Release: 07.04.2017
Label: earMUSIC

Dass Deep Purple tatsächlich noch die magische Zwanzig in Sachen Studioalben knacken würden, konnte man lange Zeit nicht unbedingt erwarten. Schließlich hieß es immer wieder, die Band würde kein neues Album mehr machen, doch dann kam – für manchen unerwartet – mit „Now What?!“ doch noch der 19. Studio-Output, nachdem acht Jahre lang in dieser Hinsicht nichts passiert war. Bis zum vorliegenden „Infinite“ hat es nun immerhin nur halb so lang gedauert – immer noch ganz schön viel Holz, aber von den alten Herren darf man halt auch nicht mehr Veröffentlichungen im Zwei-Jahres-Rhythmus erwarten.

„Now What?!“ war sicherlich kein Meisterwerk, aber eine Platte, die Spaß macht und ein solides Alterswerk der Rocklegende darstellt. Das vorliegende „Infinite“ enttäuscht zunächst ein wenig, wächst aber immerhin mit jedem weiteren Durchlauf. Die Produktion, wieder unter der Leitung von Bob Ezrin, ist auch diesmal in jeder Hinsicht perfekt ausgefallen und Ian Gillan singt auch im Jahre 2017 mit 71 Jahren noch erstaunlich gut.

Das vorab veröffentlichte, mit leichtem „Pictures Of Homes“-Feeling ausgestattete „Time For Bedlam“ ist alles in allem okay (nur die mit Effekten verfremdeten Sprechpassagen sind relativ nervig), das folgende „Hip Boots“ dagegen ziemlich belanglos, sodass der Beginn (wie schon auf dem Vorgänger) eher holprig ausfällt. Danach wird es mit dem melancholischen „All I Got Is You“, das balladesk und jazzig-smooth startet und anschließend kontinuierlich an Härte zulegt, aber um einiges besser. Clever ist hier auch der Titel: Man vermutet einen Lovesong, doch schnell wird klar, dass eher das Gegenteil der Fall ist – man könnte meinen, Gillan hätte gerade eine hässliche Trennung hinter sich, wenn man sich den überraschend angepissten Ton im Text zu Gemüte führt.

Purple laufen tatsächlich bei den Stücken mit melancholischer Atmosphäre zu guter Form auf: So darf man das progressive „The Surprising“, das durch seine Wendungen sehr spannend und vielseitig gehalten ist (der Titel passt also bestens), als wohl gelungenste Nummer auf der Platte bezeichnen, auch die esoterisch angehauchte Chill-out-Passage fügt sich gut ein. Das Quasi-Finale „Birds Of Prey“, das durch einen durchdachten Aufbau, der von einem markigen, simplen Riff bis zu epischem Bombast mit tollem Steve Morse-Gitarrensolo am Ende fast unbemerkt vollzogen wird, glänzt, ist zweifellos ebenfalls eine starke und sehr schöne Komposition.

Dazwischen finden sich Stücke, die zunächst als Füllmaterial an einem vorbeirauschen, im Endeffekt allerdings ebenfalls als solide klassifiziert werden können: Sicher ist der Rock’n’Roller „One Night In Vegas“ nicht unbedingt ein Song, der vor Einfallsreichtum überquillt, mit dem auflockernden Piano jedoch macht auch diese Nummer durchaus Laune, ebenso wie das spacige, mit wuchtigen Drums versehene „Get Me Outta Here“ und „On Top Of The World“, bei dem die erneut nervige Sprechpassage den Flow des Liedes allerdings leider erheblich stört. „Johnny’s Band“ hingegen erweist sich bald als echter Ohrwurm.
 
Die abschließende Coverversion des The Doors-Klassikers „Roadhouse Blues“ ergibt aufgrund der Textzeile „The future’s uncertain and the end is always near“ zwar Sinn und irgendwie hat es definitiv was, dass die Altrocker diesen Klassiker einer Band covern, die sie seinerzeit noch selbst miterlebten, dennoch ist die Angelegenheit ziemlich öde und somit völlig verzichtbar. Handwerklich gibt es da natürlich nichts zu meckern, aber ansonsten will der berühmte Funke nicht wirklich überspringen. Was wohl Jim Morrison und Ray Manzarek zu diesem Cover gesagt hätten?

Dass handwerklich jedoch alles im grünen Bereich liegt, braucht wohl eh kaum erwähnt zu werden: Steve Morse ist bekanntermaßen ein Gitarrengott, Don Airey der einzig legitime Nachfolger Jon Lords und Roger Glover und Ian Paice zeigen, dass sie im Hard Rock-Bereich immer noch eine der tightesten und besten Rhythmusgruppen überhaupt sind. Spaß hatten Purple garantiert auch  an den Aufnahmen zu diesem Album wieder, aber hundertprozentig überzeugen kann der 20. Studiolangdreher der Engländer trotz Spielfreude, Top-Produktion und technischer Finesse nicht, dazu fehlt die Konstanz und ein absoluter Überhit ist ebenfalls nicht enthalten – „Now What?!“ hat da im direkten Vergleich die Nase leicht vorn.

Trotzdem kann man vor dieser Rockinstitution selbstredend nicht genügend Respekt haben und bei zwanzig Alben kann nicht jedes immer nur ein absoluter Oberkracher sein. Trotzdem bleibt die Hoffnung, dass dies nicht das letzte Purple-Album sein wird, denn es wäre wünschenswert, wenn sie sich mit einem richtig fetten Überwerk verabschieden, zumal die Herrschaften auch noch so sympathisch herüberkommen und kein bisschen wie arrogante Rockstars wirken.

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