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Deep Purple: History, Hits & Highlights '68 - '76

Fast fünf Stunden Purple pur!
keine Wertung
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 287:00
Release: 26.06.2009
Label: Eagle Vision / Edel

Schon wieder eine Deep Purple-DVD? Der ein oder andere mag für solcherlei Nachrichten nicht mehr als ein müdes Gähnen übrig haben, da die britische Rocklegende inzwischen mehr DVDs veröffentlicht haben dürfte als Manowar verschiedenfarbige Versionen ihrer Alben.

Es mag sein, dass bei dieser Fülle an audiovisuellen Dokumenten auch das ein oder andere eher schwache Produkt dabei gewesen ist, doch bei vorliegendem Doppeldecker bekommt der Fan beinahe fünf Stunden lang die absolute Vollbedienung. Zugegeben, die Qualität der Videoclips ist zum Großteil nicht sonderlich berauschend und einiges von dem Material dürfte den meisten bereits bekannt sein, aber dafür bekommt man sehr detailliert vor Augen geführt, wie sich die Band in ihrer erfolgreichsten Phase, eben in ihren ersten Jahren, von 1968 – 1976, entwickelt hat – von einer psychedelisch angehauchten, eher braven Beatcombo mit Pilzfrisuren zu einer der bahnbrechendsten und wichtigsten Hard-Rock-Bands aller Zeiten, die sich immer wieder neu erfand und nicht davor zurückschreckte, herumzuexperimentieren.

So waren Purple wohl die erste Rockband, die mit einem ganzen Orchester zusammen ein völlig eigenständiges Konzert performte und als Frontmann Ian Gillan und Bassist Roger Glover wegen der ständigen Querelen mit Ritchie Blackmore schließlich gingen, steckte man nicht den Kopf in den Sand, sondern offenbarte mit funkigen und souligen Klängen eine ganz neue Seite von sich.

Die etwa zwanzigminütige „History“-Dokumentation, der erste Teil dieses Purple-Marathons, fasst dies in aller Kürze, quasi als Übersicht zusammen, und ist sicherlich nicht allzu ergiebig, doch auf Details wird ja später noch eingegangen. Immerhin lässt sich sogleich erfreulicherweise feststellen, dass die Möglichkeit gegeben ist, Untertitel (auch auf deutsch) einzublenden, was bei Musik-DVDs ja nicht gerade Standard ist.

Anschließend kann man jede Menge Clips bewundern, hauptsächlich Bootlegs und Fernsehauftritte (manche davon Playback, wie zum Beispiel bei „Fireball“). Deren Qualität ist wie erwähnt alles andere als toll, aber dafür wohnt ihnen ein äußerst hoher Kultfaktor inne – gerade, was die deutschen Fernsehauftritte anbelangt, die von charmanten Damen angekündigt und meist mit psychedelischen Farben untermalt wurden.

Die Tatsache, dass die Fans teilweise um die Band herum auf dem Boden im Schneidersitz sitzen, oder die beiden Frauen, die wie im LSD-Rausch ohne Pause zu „Mandrake Root“ tanzen, oder die Leute, die sich bei einem größeren Event mit mehreren Bands teilweise gar nicht positiv über Deep Purple äußern („Deep Purple ist scheiße!“ – „Sie improvisieren zu wenig im Vergleich zu anderen Gruppen!“ – hä? Viele Songs wurden auf eine halbe Stunde ausgedehnt, aber egal...), oder Hugh Hefner, der sich selbst an der Gitarre versucht, als das Quintett im „Playboy TV“ auftritt, oder Ritchie Blackmores Zerstören von Equipment und sein völlig sinnfreies Herumhampeln und Herumlärmen auf der Klampfe bei den Soloparts von „Mandrake Root“, oder Ilja Richters Spruch „Auch für unsere progressiven Musikfreunde hat ,Disco’ immer was parat“ – all das ist unsterblicher Kult und pure Nostalgie.   

So richtig interessant wird es allerdings auf der zweiten DVD, wo einige sehr ausführliche und sehr informative Interviews zu finden sind. Hier wird deutlich, dass Jon Lord als langjährige Konstante in der Band eigentlich immer so etwas wie das Sprachrohr für Purple war, vor allem, da Ritchie Blackmore sich weitestgehend von den anderen abgrenzte und auch im hier enthaltenen Interview einige äußerst merkwürdige Statements ablässt. Jedenfalls dürften Millionen von Fans nicht der Ansicht sein, dass das Songwriting größtenteils Müll sei... Dennoch sieht man in einigen Sequenzen sogar Dauergrisgram Blackmore hin und wieder lachen – ungelogen. 

Ansonsten jedoch gibt es viel Aufschlussreiches zu entdecken; Jon Lord philosophiert mit den Reportern über das Rockstardasein, über die Entwicklung der Musik und die Aggression, die diese angeblich bei den Leuten provozieren würde. Hierbei zeigt er sich übrigens äußerst schlagfertig: „Better to smash your equipment, than to go home and smash your wife“, sagt er sinngemäß zu dem Fragesteller, was von Glenn Hughes mit einem lauten Lachen quittiert wird.

Auch der bereits Ende 1976 mit nur 25 Jahren an einer Überdosis Heroin verstorbene Purple-Kurzzeitgitarrist Tommy Bolin, der das schwere Erbe von Ritchie Blackmore antreten musste und trotz großen Talents eigentlich nie eine richtige Chance bei den Fans hatte, kommt kurz zu Wort, allerdings hat man schon bei diesem kurzen Schnipsel das Gefühl, dass der Amerikaner bereits völlig von Drogen vernebelt ist.

Insgesamt ist diese Doppel-DVD auf jeden Fall eine lohnenswerte Anschaffung. Es ist ein wenig schade, dass die Qualität der Mitschnitte Bootleg-Niveau meist kaum überschreitet, und warum „Burn“ in exakt derselben Version zweimal enthalten, sowie beim bereits x-fach gesehenen Promoclip zu „Black Night“ die Gitarrenspur nicht zu hören ist, bleibt wohl ein Rätsel der Macher dieses Dokuments, aber viel Unterhaltung, Spaß und Information bietet „History, Hits & Highlights“ zweifelsohne. Auch für Neulinge ist diese DVD sicher nicht der schlechteste Einstieg, da man hier, wie bereits erwähnt, in ein paar Stunden einen guten Überblick über die rasante Entwicklung und das unglaublich vielfältige Schaffen der Band erhält, durch die ausführlichen Interviews auch etwas über die Persönlichkeiten in der Gruppe erfährt und mittels der langen Jams bei „Mandrake Root“ und „Wring That Neck“ einen eindrucksvollen Beweis dafür geliefert bekommt, welch starke Liveband Purple waren. – Klare Kaufempfehlung! 

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