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Deep Purple: Deep Purple

Das dritte und letzte Album des Mark I-Line-Ups
Wertung: 8,5/10
Genre: Hard Rock / Psychedelic Rock / Progressive Rock
Spielzeit: 44:34
Release: 21.06.1969
Label: Tetragrammaton

Als sich Deep Purple nach ihrer zweiten US-Tour daran machten, ihr drittes Album innerhalb von zwölf Monaten aufzunehmen, das sie schlicht nach dem eigenen Bandnamen benannten, war im Prinzip bereits klar, dass sie ihren Sänger Rod Evans zu ersetzen gedachten. Durch zahlreiche Livegigs, bei denen sie in eine immer härtere Richtung tendierten, zu wesentlich besseren Performern geworden, nährten sich Zweifel ob der mit einer zwar lyrischen, aber doch eher limitierten Stimme ausgestattete Evans in der Lage wäre, derartiges Material zu managen.

Das Drittwerk ist konsequenterweise dann auch härter ausgefallen als seine beiden Vorgänger und deutlich mehr durch Ritchie Blackmores Gitarre geprägt, dessen Songwriting- und spielerische Fähigkeiten mit der Zeit gewachsen waren. Eine Klassik-Adaption gibt es diesmal nicht und mit dem zarten, zerbrechlichen „Lalena“ von Donovan Leitch findet sich lediglich ein Cover in der Tracklist. Die besinnliche Nummer markiert den Ruhepol der Scheibe und hier kommt Rod Evans’ tiefe Stimme noch einmal richtig schön zur Geltung.

Ansonsten wird recht hart gerockt, wie beim energiegeladenen „The Painter“, in dem Ritchies spritziges Gitarrenspiel einen Ausblick auf seine kommenden Großtaten gibt, dem rauen Blues „Why Didn’t Rosemary“ (inspiriert vom Film „Rosemary’s Baby“) oder dem auffallend perkussiv geprägten Eröffnungstrack „Chasing Shadows“ (hier kann sich Ian Paice erstmals als Songwriter profilieren). Oberflächlich betrachtet ist Jon Lords Einfluss also nicht mehr so dominant wie zuvor, dennoch ist er bei jedem eigenen Song als Co-Autor mit aufgeführt. Die brillante, locker-flockige Nummer „Blind“, mit Lord am Cembalo, ist gar der einzige von ihm allein geschriebene Song im gesamten Purple-Katalog, bei dem Blackmores ultraverzerrtes Gitarrensolo für die scharfen Kanten sorgt, Paices virtuoses Schlagzeugspiel indes für das lässige Feeling.

Die beiden bekanntesten und herausragenden Stücke finden sich allerdings am Ende der Platte: „The Bird Has Flown“ ist eine facettenreiche Hard-Rock-Nummer mit dem bis zum damaligen Zeitpunkt vielleicht coolsten Orgelsolo Lords und einem geheimnisvoll tönenden, sich steigernden Ende. Das zwölfminütige „April“ (der längste Song, den Purple je im Studio aufnahmen) hingegen eine Steigerung zu „Anthem“ auf „The Book Of Taliesyn“ mit einer langen, rein symphonischen Sequenz in der Mitte und sogar sporadischen Chorgesängen.

Ohne Zweifel beeindruckend und dennoch nur ein Vorbote des bald darauf im neuen Line-Up aufgeführten „Concerto for Group & Orchestra“, an dem Jon Lord während dieser Zeit bereits arbeitete, konnte sich nicht jeder in der Gruppe mit seinen Visionen einer Fusion von Hard Rock und Klassik anfreunden. Nichtsdestotrotz war es neben Ritchie Blackmore auch Jon Lord, der die Formation in eine deutlich härtere Richtung führen wollte, zumal Psychedelic Rock massiv an Bedeutung verlor.

Dies dürfte auch der Anlass gewesen sein, warum am Ende nicht nur Rod Evans, sondern auch Bassist Nick Simper die Koffer packen musste. Während bei Evans einfach die Stimme nicht ausgereicht hätte für noch härtere Musik, waren es bei Simper wohl eher zwischenmenschliche Gründe sowie musikalische Differenzen, denn rein technisch macht er auf allen drei Alben wahrlich keine schlechte Figur am Bass. Schon bevor „Deep Purple“ erschien, war der Rauswurf der Beiden beschlossene Sache – Ian Paice weihte man ein und der Drummer stimmte zu, Evans und Simper wurden allerdings erst später vor vollendete Tatsachen gestellt, weil man nicht zusätzliche Unruhe in die Band bringen wollte, da noch Tourdaten zu absolvieren waren.

Hinzu kam, dass die beiden Nachfolger Ian Gillan und Roger Glover gemeinsam bei Episode Six spielten und dort ein solides Songwriting-Tandem bildeten – so war es praktisch, sie gleich im Doppelpack anzuheuern. Was danach passierte, ist bekanntermaßen Geschichte. Das selbstbetitelte Purple-Album dagegen blieb – genau wie die poprockige Single „Emmaretta“, die in der remasterten Edition der Scheibe als Bonustrack enthalten ist – kommerziell erschreckend erfolglos, was seiner Qualität natürlich nicht gerecht wird. Mag sein, dass die Platte gegen „In Rock“, was den Härtegrad angeht, nur ein laues Lüftchen ist – eine Weiterentwicklung ist klar zu erkennen und es sind einige erstklassige, von viel Kreativität zeugende Songperlen in dieser Fundgrube zu entdecken. Mark I mag weniger hart, dafür aber sehr viel poetischer als die Folgebesetzung sein und hat daher zurecht viele Liebhaber.

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