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Deep Purple: Burn

Bockstarkes Erstlingswerk der Mark III-Besetzung
Wertung: 9,5/10
Genre: Hard Rock / Blues Rock
Spielzeit: 41:37
Release: 15.02.1974
Label: Purple Records

Man kann darüber spekulieren, ob Mark II in den Siebzigern nicht noch weitere Großtaten geglückt wären, hätten Ian Gillan und kurz darauf Roger Glover nicht das Handtuch geworfen, weil vor allem erstgenannter Ritchie Blackmores egozentrisches Verhalten einfach nicht mehr ertrug. Jon Lord, der während dieser Zeit große Angst hatte, die Band würde sich auflösen, nannte den Abgang des Sängers und des Bassisten einmal „the biggest shame in Rock’n’Roll“ und machte nie einen Hehl daraus, Gillan als den einzig wahren Deep Purple-Sänger zu sehen, doch aus der Gruppe aussteigen wollte er genau wie der pragmatische Ian Paice dann auch nicht.

Fairerweise sei in Bezug auf Ritchies Rolle beim Ausstieg der Beiden erwähnt, dass Ian Gillan selbst einräumte, dass es ebenso an den Managern lag, die die Formation zum ständigen Weitermachen drängten, obwohl sie dringend eine Pause benötigt hätte. Bitterkeit war in jedem Fall dabei, denn angeblich hat der Mark II-Frontmann bis heute nie die beiden Platten mit David Coverdale und Glenn Hughes gehört, die als Ersatz für die Geschassten geholt wurden, und das darauffolgende „Come Taste The Band“ nur, weil „ich Tommy Bolin als Gitarrist mochte“.  

Von den ständigen Querelen mit Ian Gillan abgesehen, wollte Blackmore aber auch eine neuerliche Veränderung im Sound und sich wieder mehr auf die Blueswurzeln der Band konzentrieren. Glenn Hughes schien dafür der richtige Mann, doch der singende Bassist (der kurioserweise nicht viel von der Mark II-Besetzung hielt und meinte, sie hätte weder Groove noch Sex – eine schwer nachvollziehbare Meinung) erklärte zunächst, er würde sich nur darauf einlassen, bei Purple einzusteigen, wenn man wie geplant Paul Rodgers als Leadsänger holen würde. Der sagte allerdings ab, weil er selbst gerade dabei war, Bad Company zu gründen.

Stattdessen holte man auf Ritchies Wunsch den bis dato noch völlig unbekannten David Coverdale ins Boot, der durch sein individuelles Timbre positiv auffiel und zweifellos jede Menge Blues in der Stimme hatte. Trotz seines unbestreitbaren Talents ein mutiger Schritt, einen Nobody einzustellen, denn Purple waren damals unglaublich erfolgreich – beim legendären California Jam-Auftritt 1974 (Blackmore demolierte eine sündhaft teure Kamera, zerstörte zwei Gitarren und setzte einen Verstärkerturm in Brand) trat man vor mutmaßlich mindestens 250.000 (!) Zuschauern auf. 

Auch wenn man der Mark II-Phase hinterhertrauern und sich fragen mag, was seinerzeit da noch hätte kommen können: „Burn“ stellt trotz – oder genau deswegen? – eines überarbeiteten Soundgewands mit den zwei neuen Mitgliedern eines der stärksten Deep Purple-Alben überhaupt dar. Bereits im November 1973, also nur wenige Monate nach Gillans und Glovers Ausstieg, fanden die Aufnahmen für das achte Studioalbum statt, bei dem sich Coverdale und Hughes die Vocals teilten, was laut Hughes vollkommen frei von Eitelkeiten ablief; es sei ganz von selbst klar gewesen, wer welchen Part singt und man habe ein sehr freundschaftliches Verhältnis gehabt.

Wenn jemand Zweifel am neuen Line-Up hatte, so wurden diese gleich mal mit dem phänomenalen Titeltrack weggefegt. Eine Wahnsinnsnummer voller Energie und Feuer (pun intended), furiosem Gitarren-, Orgel- und Schlagzeugspiel, unglaublichen Schreien von Glenn Hughes und der erste Beweis dafür, dass das Zusammenwirken zweier Sänger prima funktionierte. Live war diese neuerliche Fusion aus rockigen Riffs und klassisch geprägten Melodien umgehend Standard.

Und obwohl dieser famose Auftakt kaum zu toppen scheint – das übrige Material ist kaum einen Deut schlechter: „Might Just Take Your Life“ groovt, als gäbe es kein Morgen, beim funkig-verspielten, flotten „Lay Down, Stay Down“ wird das Tanzbein geschwungen und „You Fool No One“ mit seinen vielen Percussion-Elementen bildete fortan eine weitere Nummer, die auf Konzerten gerne auf eine Viertelstunde und mehr ausgedehnt und mit Schlagzeugsolo sowie weiteren Improvisationen versehen wurde.

Am bekanntesten neben dem Titelstück dürfte allerdings wohl die bluesige, dramatische Ballade „Mistreated“ sein, die ab sofort ebenfalls zum Standardliveprogramm gehörte und bei der sich Coverdale mit pathetischem Gesang und Blackmore mit spektakulären Soli hervortun konnten. Sehr stark außerdem das getragene, elegische „Sail Away“, bei dem Lord mit Synthesizern herumexperimentiert, genau wie im instrumentalen Schlusstrack „A’ 200“, dem vor allem dadurch ein futuristischer Charakter innewohnt – möglicherweise ließ man sich hier von Science-Fiction-Filmen oder -Büchern inspirieren.      

Schade nur, dass die Lyrics nicht immer der Weisheit letzter Schluss sind – auch das vermerkte Jon Lord einst: David Coverdales Texte waren im Gegensatz zu Gillans vielfältiger Dichtung nie wirklich seins (und der Text von „Mistreated“ beispielsweise ist schon arg limitiert). Musikalisch jedoch gibt es keinen Anlass zur Kritik: Auch wer Mark II bevorzugt, kann kaum leugnen, dass „Burn“ ganz sicher unter die Alltime-Top 5 von Deep Purples Alben gehört, einzig das zwar nicht schlechte, qualitativ dennoch einen Tick schwächere „What’s Goin’ On Here“ verhindert die Höchstnote.

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