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Dee Calhoun: Rotgut

Ehrliche Musik mit Ecken und Kanten und ohne Klischees
Wertung: 9/10
Genre: Southern Blues, Doom, Acoustic Rock
Spielzeit: 52:59
Release: 06.06.2016
Label: Argonauta Records

Iron Man, das klingt nicht nur nach Comics und schwerer körperlicher Ertüchtigung, sondern auch irgendwie dreckig, hart, laut – und nein, hier geht es nicht um eine mehr schlecht als recht benannte Iron Maiden-Coverband, sondern um die bereits 1988 gegründete Doom-Truppe. Deren Sänger Screaming Mad Dee macht nun unter dem Namen Dee Calhoun solo einigen Lärm und wirbelt mit seinem Debüt „Rotgut“ sicherlich gehörig Staub auf. War er erst seit 2010 bei Iron Man an vorderster Front, hatte der Ami doch schon als kleiner Junge die ersten Auftritte auf Platte, entsprechend finden sich mannigfaltige Einflüsse und handwerkliche Spielereien auf den zwölf Songs.

Passend zum recht wechselhaften, aber doch irgendwie drückend-schwülen Sommer veröffentlicht der Mann mit Bart, Sonnenbrille und langem Haupthaar seine Debütscheibe, eine Mischung aus dem bekannten Doom, Rock und Southern Blues, auf der sogar ein Duett mit seinem Kiddo Platz findet („Little ´Houn, Daddy ´Houn“). Neben Akustikgitarre, Tamburion und Mundharmonika bietet „Rotgut“ also auch ein fast familiäres Feeling – man wünscht sich direkt, die dargebotenen Songs live in einer Kneipe anschauen zu können, mit dem Sänger auf einem zerschlissenen Barhocker direkt vor sich.

Sitzt man bei 31 Grad Außentemperatur in einer Dachwohnung, so wie die Schreiberin dieser Zeilen, wird die ganze Atmosphäre noch einen Hauch authentischer. Beim bloßen Tippen fließt der Schweiß in nicht unerheblichen Mengen, Songs wie das leidenschaftliche „Backstabbed In Backwater“ mit seiner monotonen Gitarre und der kreischenden Mundharmonika tun da ihr Übriges. Der Bartträger selbst hält sich vocaltechnisch kein bisschen zurück und überzeugt mit kraftvoll heiserem Gesang.

Noch mehr überzeugen kann der Gute aber bei etwas melancholischeren Stücken wie dem folgenden „Train Back Home“, bei dem der Gesang mit leichtem Hall ausgestattet ist und so ein bisschen Power-Metal-Feeling im Refrain vermittelt, ansonsten aber recht klassisch im Südstaaten-Gewand daherkommt. Schön kontrastreich stehen dann Schulter an Schulter das bluesige „Cast Out The Crow“ und das sphärisch-melancholische „Winter: A Dirge“ nebeneinander in trauter Zweisamkeit, wie um einen freundlichen Mittelfinger an alle zu senden, die gerne an Schubladen herumschrauben. Und weil man die Platte noch mal von vorne hören will, ach was – hören muss, bemerkt man auch noch so ganz nebenbei, was für ein wahnsinnig geiler Opener „Unapologetic“ eigentlich ist.

„Rotgut“ gehört jetzt schon zu den Alben für die persönliche Bestenliste am Ende des Jahres. Rock’n’rollig, bluesig, southern rockig, ohne mit den üblichen Klischees zu spielen, sondern einfach gespickt mit ehrlicher Musik bietet die Scheibe eigentlich alles, was man als Fan von (Rock-)Musik vorfinden möchte. Tatsächlich war man bei Albumcover versucht, Songs über Bier und Gambling vorzufinden, stattdessen bieten die Tracks Möglichkeit zum Tanzen, Gänsehaut züchten und Mitnicken. Ein schönes Ding.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“