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Dee Calhoun: Godless

Ein bunter Strauß Erzählungen
Wertung: 8,5/10
Genre: Acoustic Singer/Songwriter, Doom Metal
Spielzeit: 63:50
Release: 10.07.2020
Label: Argonauta Records

Gerade mal zwei Jahre ist es her, dass Singer und Songwriter Dee Calhoun seine letzte reguläre Soloscheibe „Go To The Devil“ veröffentlichte, die bereits deutlich düsterer ausfiel als das Debüt „Rotgut“. Mit „Godless“ steht nun bereits die dritte Soloplatte des ehemaligen Iron Man- und derzeitigen Spiral Grave-Sängers in den Regalen, und schon Titel wie „Here Under Protest“ oder „The Greater Evil“ machen recht schnell deutlich, dass hier keine Partysongs vorliegen.

Wie gehabt wird Calhoun unterstützt von seinem Basser Lou Strachnan, der auch bei beiden oben genannten Bands dabei war bzw. ist, außerdem hat sich sein Sohn Rob „Little‘Houn“ Calhoun an der Percussion und den Backing Vocals häuslich eingerichtet (und darf beim leicht kitschigen „To My Boy“ sogar einen Gesangspart beitragen). Ein Familienunternehmen also, wenn man so will, und ein recht erfolgreiches noch dazu. Spätestens bei dem hallenden Titeltrack wird natürlich der DIY-Charakter der Scheibe deutlich – aufgenommen wurde das gute Stück so wie seine Vorgänger im liebevoll The DustBuster genannten Homestudio des Chefs, abgemischt dann in den Commodore Recording Studios. Mit großen professionellen Produktionen kann „Godless“ so zwar nicht mithalten, verbreitet aber so seinen ganz eigenen, ursprünglichen Charme – obwohl man ein paar Zusatzpunkte für den fehlenden Druck abziehen muss, der gerade Tracks wie „Spite Fuck“ sicherlich noch mal die Krone hätte aufsetzen können.

Thematisch finden wir uns wieder in der Alltagswelt des Künstlers – mal verarbeitet er den Wegzug seines Sohnes („The Day Salvation Went Away“), mal rechnet er mit seinen bigotten Landsmännern und -frauen ab („Prudes, Puritanicals, Puddles Of Piss“), das melancholische „The Moon Says Goodbye“, in dem Calhoun all diejenigen betrauert, die er verloren hat und all jenen Kraft geben will, die mit ähnlichen Verlusten zu kämpfen haben, schlägt dann wieder eine Brücke zu seinen literarischen Ergüssen, wurde der Track doch thematisch auch in der letzten Kurzgeschichtensammlung „Down The Rabid Hole“ verarbeitet.

Die beste Figur macht Calhoun aber immer noch bei düsteren Songs wie „Spite Fuck“, das durchweg die doomigen Wurzeln des Musikers repräsentiert; der Protestsong „No Justice“ scheint dato noch genauso aktuell zu sein wie vor anderthalb Jahren, als ein Freund von Calhoun erschossen wurde und der Song entstand – und ein Track wie „The Greater Evil“ hat dann trotz anfangs einschmeichelnder Gitarre noch mal eine ganz eigene Bissigkeit.

Genau diese Bissigkeit hätte von einer deutlich druckvolleren und professionelleren Produktion profitiert, so dass „Godless“ nicht ganz an den Vorgänger „Go With The Devil“ herankommt, bei dem zwar derselbe Produzent am Werke war, das aber deutlich mehr wie aus einem Guss anmutet. Nichtsdestotrotz bleibt Dee Calhoun ein großartiger Geschichtenerzähler, der auf „Godless“ wieder hautnah aus seinem Leben berichtet – angeraten ist es hier, sich die Lyrics auch mal zur Brust zu nehmen, die von den erzählerischen Fähigkeiten des Musikers aus Maryland zeugen.

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