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December Youth: Relive

Vor allem textlich genial
Wertung: 9/10
Genre: Post-Hardcore
Spielzeit: 31:44
Release: 17.06.2016
Label: Midsummer Records

December Youth sind angekommen in der immer größer werdenden Midsummer-Familie, die von Label-Papa Tim liebevoll gehegt und gepflegt wird. Zeit also, mit dem ersten Full-Length-Album herauszurücken – „Relive“ kommt am 17. Juni, also in knapp vier Wochen. Höchste Zeit, sich das gute Stück, das auch in feinem Vinyl erhältlich sein wird, mal zu Gemüte zu führen.

Zwei Jahre ist die „Transgressions“-EP jetzt alt, bei The-Pit.de konnten December Youth dafür sieben Punkte einheimsen, und im direkten Vergleich hat sich zumindest musikalisch erstmal gar nicht so viel geändert: Noch immer ist der Fünfer im Post-Hardcore verwurzelt, auch Punk und Rock finden sich wie selbstverständlich ein, mit voller Albumspielzeit erweitern sich aber natürlich auch die songschreiberischen Möglichkeiten.

Und die nutzen die Düsseldorfer gleich mal richtig aus: Mit den „Night Train Talks“ findet sich nämlich ein kleines Konzept innerhalb des Albums – Sänger Chris berichtet hier von nächtlichen Unterhaltungen in der Bahn, angefangen mit „(Night Train Talks) Monica“, einem wütenden, verzweifelten Stück, das die abgerissenen Gestalten beschreibt, die sich nächstens in den öffentlichen Verkehrsmitteln herumtreiben auf der Suche nach einem warmen Platz zum Schlafen oder einem Restschluck aus irgendeiner Flasche. „(Night Train Talks) Old Man“ berührt da schon textlich noch eine Spur mehr, der wirre Rat eines alten Herrn, sich „es“ nicht wegnehmen zu lassen, beschäftigt den Sänger im Lied dann doch bis in die späte Nacht hinein. „(Night Train Talks) The Angst In Us“ macht das Trio dann komplett und gehört sicherlich alleine schon wegen seiner geilen Leadgitarre zu den Highlights der Scheibe. Als Bahn- und Bus-Vielfahrer kriegt man bei den drei Songs richtig Gänsehaut (zumal ein Chor am Ende von „The Angst In Us“ völlig unvorbereitet auftaucht – das bleibt im Gedächtnis und macht ziemlich nachdenklich).

Überhaupt sind December Youth recht ernsthaft unterwegs, beschäftigt sich doch das brandaktuelle „Ailleurs“, angereichert mit mehrsprachigen Nachrichtenansagen, mit dem Leid der Flüchtlinge – „kein Weg ist zu weit oder zu gefährlich, denn sie fliehen vor Bürgerkrieg, Hunger und dem Tod“, so eine Nachrichtensprecherin, unterlegt von einem stumpfen Schlagzeug und melodischen Gitarren; Gänsehaut, Teil zwei.

Auch „Common Blues“ weiß auf ganzer Linie zu überzeugen, auch hier ist wieder Hysterie angesagt und nicht nur mit hysterischem Geschrei wird die Brücke zur EP geschlagen, auch das finale „Second Part Of A Tragedy“ knüpft an die frühere Tracklist an, wenn auch wesentlich bedrohlicher – mit war drums schleicht sich der Track an, Sänger Chris schreit seinen Frust heraus, erst zum Refrain hin zieht auch die Instrumentalfraktion das Tempo an.

Vor allem textlich haben December Youth hier massenweise Potential gezeigt und auch ausgeschöpft, verständlich und ohne große Metaphern kommen die Lyrics aus und treffen in den meisten Fällen direkt den Nerv des Hörers. Ganz große Anspieltipps sind hier die „(Night Train Talks)“-Trilogie und „Ailleurs“ – aber auch die restlichen Songs wissen bis auf wenige kleine Längen zu überzeugen.

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