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Decayor: Recurring Times Of Grief

Decayor bieten nichts wirklich Neues, haben aber starke Songs in petto
Wertung: 8/10
Genre: Doom / Death Metal
Spielzeit: 32:56
Release: 01.06.2009
Label: Eigenproduktion

Wenn man über Doom Metal aus Irland spricht, denkt man natürlich unweigerlich sofort an Mourning Beloveth. Zu denen sind bei Decayor durchaus Parallelen zu finden, schon was die grabestiefen Death-Metal-Vocals anbelangt, doch auch bezüglich vereinzelt eingestreuter Akustikgitarren und cleaner Gesangspassagen.

Damit aber kein falscher Eindruck entsteht: Decayor, die mit „Recurring Times Of Grief“ – nachdem man bereits im Vorjahr mit „Welcome To The Stench Of Betrayal“ ein Demo herausbrachte – ihre erste EP vorlegen, sind kein bloßer Abklatsch ihrer Landsleute, sondern haben vielmehr eine wirklich gelungene Scheibe mit drei überlangen, sehr hörenswerten Stücken plus Intro vorgelegt, die in puncto Songwriting äußerst überzeugend und sehr abwechslungsreich geworden sind.  

Aber der Reihe nach: Nach dem kurzen Intro „Stir Of Echoes“, bei dem sich zu Klavierklängen Sturm- und Gewittergeräusche gesellen, folgt mit „Veil Of Despair“ der erste der drei Longtracks: Düsteres, schleppendes, episches Doom-Riffing, unterstützt von wuchtigen Drums, untermalt grabestiefen Death-Metal-Gesang, welcher über zwei Strophen gehalten wird, bevor sehr schöne Harmony-Gitarren und cleane Gitarren zu einem neuerlichen Heavy-Part überleiten, bei dem das Tempo ein wenig angezogen wird. Nach einem Break folgt ein superbes Stakkato-Riff, zu dem Frontmann Pauric Gallagher nun eher Black-Metal-artig kreischt und bei welchem das Tempo neuerlich angezogen wird; danach geht es in den Anfangsteil zurück, der ausgefadet wird. Die Kreischvocals könnten im Gegensatz zu den Growls ein bisschen mehr Power vertragen, aber von der Sache her sind auch diese gut eingebaut.

Schon anhand dieses 12-Minuten-Brockens wird jedenfalls deutlich: Das Trio versteht sein Handwerk, die Parts gehen bemerkenswert schlüssig ineinander über. Auch die Arrangements im Gitarrenbereich können sich hören lassen.

Nicht minder gelungen ist allerdings auch der zweite Track „The Sacred Heart Is Bleeding“, der zunächst mit Tribaldrumming und simplem, düsteren Riffing im Midtempo beginnt, bei dem Gallagher wiederum tiefe Growls zu Tage fördert, bis dann in der Mitte des Stückes plötzlich Akustikgitarren die Szenerie unterstützen und der Frontmann auf einmal clean singt. Das Ganze scheint völlig unvermittelt aufzutauchen, ist aber wiederum problemlos und passend in den Song eingebettet. Vor allem jedoch ist diese Passage einfach wunderschön und episch, gleichzeitig haftet ihr etwas Leichtes an, wahrscheinlich bedingt durch die düstere Sequenz zuvor. Eine einsame Clean-Gitarre läutet dann den Schlusspart ein, bei dem die Band wiederum zum Anfangsthema zurückkehrt.

Ziemlich geil dann aber auch der letzte der drei überlangen Songs, „Weeping Willows“, der – passend zum Titel – mit melancholischen, sehnsüchtig klingenden Harmony-Gitarren, die ein wenig an My Dying Bride erinnern und deren Melodien sich ziemlich schnell in den Lauschlappen festsetzen, und sehr traurigen, cleanen Gesangslinien aufwartet, bevor das Stück eine Wendung nimmt und sich in ein recht schnelles Gebräu aus Black- und Death-Metal-Elementen verwandelt, das sich dank des Drummings immer mehr steigert – wiederum aber nicht unpassend gemacht. Gegen  Ende wird wieder die Doomsequenz vom Anfang aufgegriffen, die die CD dann auch beschließt.

Offenbar mögen Decayor es, erst am Ende wieder das Anfangsthema ertönen zu lassen und in der Mitte ihrer Stücke Platz für Überraschungen zu lassen. Doch eigentlich kann sich darüber niemand beschweren, wenn dabei derart gelungene und abwechslungsreiche Songs herauskommen. Die Iren spielen mit Elementen aus Death-, Doom- und Black Metal, lassen Einflüsse verschiedenster Metalbands durchschimmern, sorgen mit Cleangesang und Akustikgitarren für die melodischen Momente und präsentieren auf „Recurring Times Of Grief“ drei ziemlich unterschiedliche Songs, die dennoch alle klar erkennbar im Doom-Death-Metalbereich anzusiedeln sind. Klar, das mag alles nicht wirklich neu sein, was die Jungs hier fabriziert haben und die Songtitel sind auch nicht gerade das Innovativste, was die Welt je gesehen hat, aber die Band ist musikalisch ziemlich reif und songschreiberisch bereits auf einem recht hohen Niveau. Da kann man dann auch großzügig über ein paar etwas unpräzisere, leicht holprige Passagen beim Schlagzeug hinwegsehen.

Produktionstechnisch hätte das Ganze vielleicht ein wenig ausgewogener sein dürfen – die Drums sind ein bisschen zu stark im Vordergrund –, aber es handelt sich hierbei auch lediglich um eine Eigenproduktion, wie man anmerken muss. Man darf nichtsdestotrotz gespannt sein, was von dem Trio als nächstes kommen wird – es sollte an sich kein Problem haben, ein Label zu finden, um ein Full-length-Album aufzunehmen.

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