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Debauchery: Torture Pit

Diese Scheibe ist großes Death Metal-Kino
Wertung: 10/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 53:33
Release: 11.11.2005
Label: Black Attakk Records

Moment mal! Bin ich jetzt im falschen Film? Ich dachte eigentlich, dass Six Feet Under seit „Warpath“ keine respektable Scheibe mehr zustande gebracht haben. Und kam da nicht erst eine von denen? An den Release kann ich mich noch 100%ig erinnern. Aber an die Scheibe nicht mehr, geschweige denn an die belanglosen Songs. Also nochmal zum Player geschlurft, die Augen gerieben und auf die CD geschaut. Aha. Da steht nicht Six Feet Under, sondern Debauchery. Und im Speziellen der Albumtitel „Torture Pit“. Also wieder hin zum Wohlfühlsessel und von vorne gehört.

Die Jungs aus deutschen Landen haben auf ihrem neuen Album die Keule ausgepackt. Und das in jeder Hinsicht. Ich nenne das Album jetzt schon eine Perle des Death Metals. Zu hoch gegriffen denkt ihr? Dann schwingt euren Hintern zum Fachmann des Vertrauens, lasst euch das Album einlegen und dreht die Knöpfe auf Anschlag. Welches Death Metal Herz da nicht schwach wird, dem ist nicht mehr zu helfen. Hier stimmt einfach alles. Die Songs, der Sound, das Cover. Rundum-Death Metal mit Schirm, Charme und Melone. Warum man automatisch an Six Feet Under denkt, liegt wohl an der ähnlichen Marschrichtung bei den Kompositionen und am Röchelgesang von Thomas. Oft ist man geneigt zu sagen: der Sänger/die Band klingt wie ein kleiner Bruder von dem und dem. Hier nicht. Denn zur Zeit ist in meinen Augen Herr Chris Barnes der kleinere Bruder. Und wenn Debauchery so weitermachen, werden sich viele einheimische und internationale Acts sehr schnell in ihrem Schatten wiederfinden. Die oft genannten Herren ebenso. Für die Nackenmuskeln sind die 14 Songs jedenfalls tödlich. Gekonnt gelingt der Spagat zwischen Härte und Melodie. Und textlich erfreut es sowieso jeden Death Metal Jünger, was ihm dort zugetragen wird. Für jedes „Blood“ in den Texten einen doppelten Wodka und ihr erlebt die zweite Hälfte des Albums nicht mehr.

Eingeläutet wird der Todesreigen mit dem Titelsong des Albums. Und da bekommt man auch gleich eine nach vorne peitschende Dampfwalze in die Magengrube gerammt. Der Chorus erinnert vom Riff her an Bolt Thrower. aber das ist ja nicht die schlechteste Referenzband, denke ich. Gekrönt wird der Song dann mit einem sehr melodischen Solo. Ein perfekt gelungener Auftakt für das Album. Ohne Frage. Weiter geht’s mit "Butcherman". Hier regiert durchdringend und mächtig Gevatter Doublebass. An den Ecken und Kanten etwas Trash, ein paar Gitarrenobertöne hinzugepackt und rund ist die Sache. Und schon winkt das erste Highlight der Platte: "Debauchery Bloodpack". Das Tempo wird geschickt zurückgefahren und der Groove wird ausgepackt. Oben drauf ein eher untypisches Solo für eine Death Metal Band. Erinnert an Sentenced und Bands dieses Kalibers. Herrlich melodisch und kann dadurch einen fetten Akzent setzen.

Über zwei weitere Schädelspalter kommt der geneigte Hörer zur "Death Metal Warmachine". Jede Wette, dass dieses Teil ein fettes Ausrufezeichen bei jeder Show hinterlässt. Eine Verneigung in Richtung Metallica’s "Enter Sandman" ist nicht von der Hand zu weisen. Cool ist auch das Solo, welches erst von Akustikgitarren und dann von Stromgitarren begleitet wird.

So holzen und grooven sich Debauchery dann auch weiter und weiter durch die kommenden Songs. Mal etwas gezügelter im Tempo, mal wird der Blastbeat ausgepackt. Auffällig ist, dass fast jeder Song einen mitgrölfreundlichen Refrain besitzt. So schrauben sich Musik und Vocals noch fester ins Gehirn. Vorsicht sei jedoch geboten, wenn man im Auto bei offenen Fenster lauthals mitgrölt und das neben einem Polizeitaxi. Leichte Irritationen könnten die Folge sein.

Zum Ende wird es noch mal richtig ungewöhnlich. Jedenfalls im Vergleich zum Rest des Materials. Es beginnt mit "Cult Of Gore". Der Song ist eher im Black Metal verwurzelt. Blastbeats treffen auf hymnische Melodien. Dazu kommt verfremdeter Sprechgesang. Ein Song mit sehr viel Abwechslung. Starkes Teil. Den Abschluss der normalen Version des Albums bildet "Decadent Depravity Of The Dead". Zum Glück haben die Barden hier auf eine weibliche Gesangseinlage verzichtet. Denn auch ohne diese tendiert der Song in Richtung alte Tristania oder The Sins Of Thy Beloved. Gothic Metal halt. Dabei wird alles genretypisches verbraten: langsame Melodische Teile, orchestrale Untermalungen, Streicher, Pianoklänge. Definitiv nicht schlecht gemacht. Man muss sowas halt mögen.

Für alle, die sich die limitierte Digipackversion des Albums sichern konnten (oder noch werden) gibt es dann noch die Pussy-Version von "Blood For The Blood God". Ein netter, zeitloser Akustikhappen, der catchy vor sich hin swingt. Ich jedenfalls hatte ein breites Grinsen im Gesicht beim Hören. Der Vollständigkeit halber sei noch auf die Bonus-Live-DVD verwiesen, die unter anderem auch zwei Videotracks enthält.

Da Debauchery sehr tourfreudig sind und dabei in der Vergangenheit immer ein glückliches Händchen bewiesen haben, solltet ihr also die nächste Zeit Gelegenheit haben, die Band auf den Brettern zu sehen. Es lohnt sich.

Mit dem Thema Film habe ich angefangen und damit will ich das Review auch beenden. Nein, ich war nicht im falschen Movie. Denn diese Scheibe ist großes Death Metal-Kino. Ich wage es und ziehe die 10.

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