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Debauchery: Monster Metal

Die Heilige Dreifaltigkeit aus Gore, Grimmigkeit und... Blood God
Wertung: 7,5/10
Genre: Death Metal, Groove Metal
Spielzeit: 106:16
Release: 20.04.2021
Label: Massacre Records

Debauchery muss man eigentlich nicht mehr vorstellen. Seit bald 20 Jahren hat Fronter Thomas in schönster Regelmäßigkeit Death-Metal-Keulen raus, sei es unter der Flagge seiner Hauptband, unter dem Banner Blood God (nachdem man sich endlich des unsäglichen Bandnamens Big Balls entledigt hatte) und in jüngster Vergangenheit auch mit der deutschsprachigen Variante Balgeroth. Schön ist dann auch, dass die aktuelle Platte „Monster Metal“ als Heilige Dreifaltigkeit daherkommt. Der Titel mag an Lordi erinnern, vollgepackt sind die drei Platten – eine von jeder seiner Bands, da hat der Mann die Spendierhosen angehabt – jedoch mit schönstem Todesmetall. Klassisch angehaucht, wird die musikalische Ausrichtung dann allein schon mit einem Feature von Tim „Ripper“ Owens garniert, der direkt beim Opener „Bloodking“ sein Stimmchen entleihen darf, aber andere Teile der Scheibe kommen durchaus auch wie gekannt und geliebt vom Groove gepackt und fast schon mit Rock‘nRoll-Attitüde versehen daher – über Langeweile kann man sich bei Debauchery eigentlich nie beschweren, dafür sorgen allein schon die meist völlig überspitzten und immer schön blutig gehaltenen Texte. Herrlich erbauliche Titel wie „Hate Kill Murder“, „Skull Mountain“ oder „The Godmachines March To War“ setzen dem Ganzen dann die blutige Krone auf.

Abgesehen von dem überraschend guten „Bloodking“ haben Debauchery auf der „eigenen“ Scheibe noch eine ganze Reihe weiterer Perlen versteckt: Echte Durchhänger sind natürlich keine dabei, aber gerade Stücke wie der wunderbar wummernde Titeltrack oder auch das schleppende, mit unfassbar düsteren Gitarren versehene „The Godmachines March To War“ fallen dann doch noch mal besonders positiv auf und erspielen sich im ersten Durchgang einen Platz auf der Anspieltippliste. Spaß macht aus das deutliche flottere und aggressivere ausgelegte „Skull Mountain“, bei dem man Nacken und Füße kaum stillhalten kann – geil natürlich, wie die Truppe sich nach alle den Jahren noch den Spielspaß bewahren konnte.

Nun haben wir hier ja nicht nur Debaucherys „Monster Metal“ auf dem Plan, sondern mit Balgeroth auch noch die deutschsprachige Ausgabe der Blutgötter parat, die in der Diskografie bereits 2015 das erste Mal auftaucht. Nun mag man andeuten, dass es bei dem Gesangsstil eigentlich wurscht ist, welche Sprache gegrunzt wird, aber allein schon ein Titel wie „Die Belagerung Von Knochenheim“ fegt eventuelle Zweifel beiseite und insgesamt ist es doch spannend zu hören, wie die unterschiedlichen Sprachen die Atmosphäre des Songs verändern. Uns Deutschen wird ja nicht umsonst immer wieder vorgehalten, eine sehr harsche und grob klingende Sprache zu verwenden – zu den martialischen Bildern, die die Band heraufbeschwört, passt das natürlich besser als das deutlich geschmeidiger anmutende Englisch. Ein Titel wie „Böse Bis Ins Blut“ mag dann ein bisschen lächerlich und eher nach Poser klingen, kommt aber durch den Groove und die fiesen Vocals richtig schön boshaft daher und auch der Quasi-Titeltrack „Drachenungehauer“ bringt mit einer guten Portion Hall noch ein bisschen Dramatik in die Songauswahl, auch wenn es hier im Gegensatz zum Titel ein wenig an Biss fehlt, zumindest was den Refrain betrifft.

So weit, so blutig, aber bei Blood God wird die Sache dann doch ein bisschen problematisch. Die klassischen AC/DC-Eierkneifer-Vocals, die Thomas Gurrath hier auffährt, sind einfach nicht jedermanns Fall und passen auch nicht unbedingt zu den doch recht groovigen Originalstücken – wobei dieser Zahn gleich versucht wurde zu ziehen, indem man einfach ein bisschen an der Produktion geschraubt und entsprechend Dampf aus dem Sound genommen hat. So rocken zwar Songs wie „Debauchery Warmachine“ immer noch recht ordentlich, lassen aber den deftigen Groove der Ursprungsband vermissen. Da kommen dann auch eher Assoziationen zu Alvin and the Chipmunks auf… aber gut, auch die haben ihre Fans.

Will man diplomatisch bleiben, kann man hier unterm Strich durchaus anmerken, dass die Vergleiche der einzelnen Songs in unterschiedlichen Stilen und Sprachen recht spannend daherkommen. Scheißt man auf Diplomatie (und das tun wir hier meistens), hätte es zumindest die Blood God-Scheibe nicht gebraucht. Nichtsdestotrotz werden sicherlich viele klassisch orientierte Fans es feiern, die Blutgötter auch in dieser Variante erleben zu können, nicht zuletzt weil Songs wie „Debauchery Blood God“ eben auch so ganz gut funktionieren. Die Bewertung leidet dann aber in diesem Fall ein ganz kleines bisschen.

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