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Death SS: The Seventh Seal

Ein sehr markantes, kraftvolles und würdiges Comeback-Album
Wertung: 8/10
Genre: Gothic Horror Metal
Spielzeit: 63:28
Release: 19.06.2006
Label: Regain Records

In Italien rumort es derzeit nicht nur politisch, sondern auch musikalisch: Nachdem sich zuerst die melodischen Gothic-Metaler von Novembre in diesem Jahr mit einem Paukenschlag zurückmeldeten, setzt nun eine weitere Größe des opulenten Metal-Sounds wieder zum Angriff an. Die Rede ist hierbei von Steve Sylvester´s 1977 gegründeter Gothic-Horror-Metal Combo Death SS (vollständig ausgesprochen: Death of Steve Sylvester).

Dennoch dauerte es seinerzeit geschlagene 11 Jahre, bis das selbstbetitelte Debütwerk “In Death Of Steve Sylvester“ erscheinen konnte. Zuvor ergab sich für das Quintett mit seiner Mixtur aus melodisch-düsteren Hardrock- und Metalklängen nur die Möglichkeit, sich auf diversen Compilations zu verewigen und ihr ´81er Demotape “Horned God Of The Witches“ unnachgiebig unter das (seinerzeit metalmässig noch recht dünn besiedelte) Volk zu bringen. Doch nun begann sich Ende der 80er Jahre so langsam eben jene unnachgiebige Verbissenheit der Combo auszuzahlen: Alben wie beispielsweise “Black Mass“ (1989), “Heavy Demons“ (1991) und das im Jahre 1997 von Keith Appleton (Paradise Lost, Cradle of Filth) in England produzierte Bombastwerk “Do What Thou Wilt“ unterstrichen hierbei erfolgreich den Charakter der selbst ernannten „Horrormusiker“.

Für die Aufnahmen zum aktuellen Longplayer “The Seventh Seal“ entschloss man sich gar noch Los Angeles zu reisen, um mit dem Produzenten (und langjährigen Freund der Band) Fabrizio V. Zee zusammenzuarbeiten, welcher sich schon als Produzent für solch namhafte Artisten wie Ice-T, George Clinton, Steve Vai und Nina Hagen verantwortlich zeigte. Ziel der versammelten Truppe war es nun, ein Album zu kreieren, das sowohl den glamourösen Bombastrock der 80er Jahre für sich verbuchen sollte, als auch gezielte Verknüpfungen hin zum düsteren und modernen Industrial Metal aufweisen konnte.

Heraus kam dabei mit “The Seventh Seal“ ein Werk, das auf nicht ungeschickte Art und Weise einen Querschnitt aus Tradition und Moderne auffährt. So erinnert die Atmosphäre des Albums nicht zufälligerweise an unterschiedliche Versatzstücke der legendären Hardrock-Bands Black Sabbath, Alice Cooper, Kiss und Manowar. Was einen erst mal natürlich zu der vorläufigen Schlussfolgerung kommen lässt, dass sich auf “The Seventh Seal“ vornehmlich klassische (sowie traditionelle) Hard- und Glamrock Devotionalien ein Stelldichein geben. Hört man aber nun in den Eröffnungstitel “Give `em Hell“ hinein, so wird man nicht ohne positive Verwunderung sehr schnell feststellen können, dass vom vermuteten (musikalischen) „Altherren Sound“ erst mal so gut wie gar nichts vorhanden ist. Denn sinistere und unheilverheißende Synthesizerklänge leiten geschmeidig den Opener ein, um dann ungebremst in ein brodelndes Klangfeuerwerk aus knallenden Bassgitarren zu gipfeln. Hinzu gesellt sich der donnernde und aggressiv klingende Backgroundchor der Manen um Death SS, welcher so dann Steve Sylvester´s markanten Sologesangspassagen zu weichen beginnt. Dennoch kommen auch hier Bass- und Gitarrenläufe nicht zur Ruhe, was “Give `em Hell“ zu einem metallastigen Pulverfass der hochexplosiven Sorte werden lässt.

Nachfolgender “Venus Gliph“ lässt es nur bedingt gemäßigter angehen und vermag mit seinen progressiven Einschlägen im Refrain (dieses Keyboardspiel macht süchtig!) besonders positiv hervorzustechen. Richtig schöne und klassische Horrorfilmästhetik lässt sich bei “Der Golem“ (deutscher Titel, allerdings komplett in englisch intoniert) verzeichnen: Beginnend mit knisternden Soundeffekten (welche ein markantes Schallplattenrauschen simulieren) und karpatischen Violinenklängen, vollzieht der Song innerhalb kürzester Zeit ein Wechselbad hin zu organischen Metal-Salven mit subtil eingestreuten Elektroelementen.

Deutlich bedächtiger geht es bei der einzigen Ballade des Albums zu: “Another Life“ präsentiert nämlich eine ungewohnt sanfte und romantische Ader des Quintetts, deren Texte ansonsten nur vornehmlich aus irgendwelchen endzeitapokalyptischen Horrorfilmen abgekupfert zu sein scheinen. In diesem Falle aber eine wirklich gelungene und sensible Rockballade mit vereinzelter Klavieruntermalung darstellt. “S.I.A.G.F.O.M.“ (= Satan is a good friend of mine) und “Time To Kill“ suhlen hingegen in klassischen, hymnenhaften Dark-Rock Ressorts und unterhalten besonders auf Grund ihres eingängigen Ohrwurmcharakters. Eine ganz besondere Klasse für sich nimmt hierbei aber das epische (über 8 Minuten lange) Titelstück “The 7th Seal“ für sich ein: Eine elegische Weltuntergangsparabel, die auf Grund ihrer atmosphärischen Kälte und innerer Resignation unter die Haut geht und dort noch lange nachzuwirken vermag...

Warum aber nun der letztendliche Abschlusstitel “The Four Horsemen“ lediglich als offizieller Bonustrack fungiert, bleibt mir persönlich allerdings ein Rätsel. Da hier nochmals das ganze (musikalische) Können der Band aufgefahren wird und in eine subtile Power-Rock Nummer gipfelt, die durchaus das Zeug zum Klassiker hätte! Statt dessen hätte man diesen Platz wohl eher solchen (da durchschnittlich anmutenden) Titeln wie “Absinthe“ und “Psychosect“ zuteilen sollen.

Aber nun gut, wir wollen ja nicht so sein. Zumal, als Gesamtkunstwerk betrachtet, “The Seventh Seal“ ein sehr markantes, kraftvolles und würdiges Comeback-Album der Italiener geworden ist, an dem bestimmt nicht nur Fans dieser experimentellen Metal-Combo ihre helle Freude haben werden.

PS: Vorliegendes Albumcover stellt noch nicht das endgültige Artwork des Albums da! Dieses soll aber in den nächsten Tage folgen...

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