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Dead Tired: Satan Will Follow You Home

Hitzewelle in CD-Form
Wertung: 9/10
Genre: Hardcore, Punkrock, Sludge
Spielzeit: 39:33
Release: 08.07.2022
Label: No Damage Records

Wenn man sich bei dieser drückenden Hitze noch nicht eingeengt genug fühlt, sollte man sich mal die neue Scheibe von Dead Tired zu Gemüte führen. Durch Frontbrüller George Pettit überall als Alexisonfire-Ableger beschrieben, hat der Sound des Fünfers nur marginal etwas mit der Musik der ungleich bekannteren Truppe zu tun. Bei Dead Tired kann man die gute Laune mit der Lupe suchen, stattdessen herrscht düster-dumpfer Hardcore Punk allerorten, teils gar doomig angehaucht, teils mit Crust-Einschlag, aber immer nach unten zerrend. Ein kühles Getränk nebenher kann da nicht schaden.

Entsprechend rehydriert kann man sich dann an den zweiten Durchlauf von „Satan Will Follow You Home“ wagen, beileibe nicht die erste Veröffentlichung der bereits 2014 gegründeten Band, aber vielleicht das Album, das dem Quintett etwas mehr mediale Aufmerksamkeit sichern könnte; gerade im Zuge der erst kürzlich veröffentlichten, lange erwarteten neuen Alexisonfire-Scheibe. Dead Tired spielen hier ihren größten Trumpf aus: kontrolliertes Chaos. Und natürlich einen Sänger, der es versteht, das Chaos zu kontrollieren, das seine vier Kollegen auf den zehn Songs heraufbeschwören.

Überhaupt steht Pettit über dem wahnwitzigen Soundteppich wie eine Art manischer Dirigent; den Kollegen Franz Stefanik, Marco Bressette (beide Gitarre), Basser Nick Ball und dem neu dazugewonnenen Drummer Theo McKibbon gestattet der Chef durchaus mal ein paar Schritte ins Unterholz wie beim finalen „Domestic“, das sich im Vergleich zum Rest der Platte fast melodisch ausnimmt und mit ätherischen Gesängen den Lärm zu unterbrechen versucht; „Vast Lethality“ überrascht – und irritiert – dann gar mit einem quietschigen Saxophon-Intro, das recht schnell im Sludge-Sumpf ertränkt wird. Überhaupt ist gerade dieser Track bitterböse geworden und walzt träge wie Sirup durch die Boxen. Da bricht einem nur vom schieren Anhören der Schweiß aus. Nicht auszudenken wie solch ein Sound bei einer beengten Clubshow wirken mag.

„Predatory Loans“ entpuppt sich fast als klassische Crustnummer, treibt schön fleißig nach vorne und setzt als Opener schon mal Maßstäbe in Sachen Groove, an den die übrigen Tracks erst mal rankommen müssen. Gerade der Titeltrack übt dann noch mal richtig Druck aus, schießt dabei deutlich mehr in die Hardcore-Kerbe und lässt einen schon zuhause kaum stillsitzen. „Tyrants Palace“ stampft dann wie ein wütendes Nashorn nach vorne, überrollt mit dem massiven Sound alle winzigen Zweifel, die jetzt noch ob des Sounds dieser Platte bestanden hätten, und überlässt gleichzeitig dem neuen Drummer McKibbon auch mal das Spielfeld.

Wer unter 37 Grad draußen noch nicht genug schwitzt, sollte sich wirklich auf die neue Dead Tired-Scheibe einlassen. Düster, aggressiv, mitreißend und dabei mit einem so wunderbar ausbalancierten Sound, dass selbst die Sludge-Elemente, von denen die Truppe reichlich im Gepäck hat, nicht dumpf daherkommen. Der Fünfer bewahrt sich hier trotz einiger Jahre im Business eine Räudigkeit, von der sich viele jüngere Bands eine Scheibe abschneiden könnten. Eine Platte, die den Hörer nicht nur wachrüttelt, sondern direkt mit der Faust ins Gesicht kloppt.

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