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Dead Lord: In Ignorance We Trust

Gut, aber kann nicht ganz mit den Vorgängern mithalten
Wertung: 8/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 40:58
Release: 25.08.2017
Label: Century Media

Schwupps, schon sind wieder zwei Jahre rum und Dead Lord stehen nun auch schon mit ihrer dritten Studioplatte auf der Matte. Bisher hat ihre Art und Weise, wie sie quasi alte Thin Lizzy wieder zum Leben erweckt haben, mit guten Storytelling-Texten, einem hohen Energielevel, endloser Spielfreude und schlicht handwerklichem Können sehr viel Spaß und Freude bereitet – ob dies nach zwei sehr guten Alben auch mit der dritten Scheibe innerhalb von vier Jahren so überzeugend gelingt?

Auffällig ist der vor beißender Ironie triefende Titel, der einmal mehr verdeutlicht, dass die Band sich eben auch Gedanken um ihre Texte macht und fernab der üblichen, manchmal – seien wir ehrlich – ganz schön dämlichen Rock’n’Roll-Klischees agiert. Vor politischen Lyrics schrecken die Jungs um Frontmann Hakim Krim nicht zurück (wie sie ja mit Songs wie „Cold Hearted Madness“ in der Vergangenheit bereits bewiesen), die Anspielung auf den platten Ami-Slogan „In God We Trust“ ist doch recht eindeutig. In Zeiten, in denen rechtsextremer Abschaum in erschreckend großer Zahl aus seinen Löchern hervorgekrochen kommt und ein Vollidiot das mächtigste Land der Welt regiert, ist es sogar nötig, dass klar Position bezogen und sich nicht herumeiernd damit herausgewunden wird, dass man ja nur Musik mache und sich nicht politisch äußern wolle oder müsse.

So befasst sich beispielsweise der Opener „Ignorance“ in sarkastischer Manier damit, dass es für viele Menschen eben bequemer ist, ihnen Fremdes abzulehnen und alles über einen Kamm zu scheren, anstatt sich konstruktiv damit auseinanderzusetzen. Fronter Harim Krim kann als Schwede mit arabischen Wurzeln im wahrsten Sinne des Wortes sicherlich ein Lied davon singen. In „Darker Times“ wird ebenfalls keine rosige Zukunft für die Menschheit prognostiziert, schön aber, wie man dabei trotzdem stets das Gefühl hat, dass dieser Hauch von Ironie über dem Ganzen schwebt.

Doch wie sieht die musikalische Weiterentwicklung des Quartetts aus? Zunächst einmal ist der Sound etwas klarer als auf dem Vorgänger, wobei selbstverständlich immer noch genügend Rotz in der Mucke der Skandinavier zu finden ist, wie es sich bei dieser Art Musik gehört. Größtenteils macht man das, was man am besten kann: Thin Lizzy-Verbeugungen allerorts, spritzige Soli, feine Doppelläufe und filigranes, mitunter hektisches Drumming.

Das Eröffnungstriple, bestehend aus dem mit geilen Flanger-Effekten versehenen „Ignorance“, dem geradezu tänzerischen „Too Late“ und dem kraftvoll groovenden „Reruns“ ist zwar irgendwo typisch, aber songschreiberisch einfach bärenstark. Ansonsten versucht die Truppe aber durchaus, abwechslungsreicher zu klingen. Der balladeske Anteil ist höher als auf den Vorgängern, kann jedoch nur bedingt überzeugen: „Leave Me Be“ plätschert leider ein wenig, „Part Of Me“ ist mit seiner atmosphärisch passenden Mundharmonika und etwas härterem Schlussteil besser – dennoch haben „The Bold Move“ vom Vorgänger sowie „No More Excuses“ vom Debüt diesen beiden Stücken gegenüber die Nase vorn.

Überhaupt flacht die Platte in der Mitte leicht ab, denn auch „The Glitch“ – wenn auch sehr eingängig – ist dann doch ein bisschen zu simpel und lahmarschig ausgefallen, das folgende, wiederum recht ironische und wieder schnellere „Kill Them All“ reißt es aber ein bisschen raus. Mit dem sehr fetzigen „They!“ (live garantiert ein echter Bringer) und dem ebenfalls ordentlich flotten „Darker Times“ kriegen die Jungs zum Finale hin schließlich endgültig wieder die Kurve (am besten sind sie eben doch, wenn sie aufs Gaspedal treten), sodass es sich summa summarum bei „In Ignorance We Trust“ um eine gelungene Scheibe handelt. Wenn eben auch nicht ganz so stark wie die ersten beiden Alben.

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