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Dead Lord: Heads Held High

Überbietet noch das bereits starke Debüt
Wertung: 9/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 46:44
Release: 21.08.2015
Label: Century Media (Universal Music)

Vor gut zweieinhalb Jahren begeisterte eine vierköpfige Hard-Rock-Truppe aus der schwedischen Hauptstadt Stockholm mit ihrem Debütalbum „Goodbye Repentance“, nachdem sie 2012 bereits mit der 7“-EP „No Prayers Can Help You Now“ eine erste Duftmarke setzen konnte. Eindeutig von Thin Lizzy beeinflusst, würde man Dead Lord dennoch Unrecht tun, würde man sie lediglich als eine von vielen Bands abtun, die auf der nicht enden wollenden Classic-Rock-Revival-Welle mitschwimmen, dazu besitzen diese Jungs einfach zu viel Qualität. Sowohl songschreiberisch als auch handwerklich, vor allem aber überzeugen sie durch hörbare Hingabe und Leidenschaft.

Gemeinhin gilt ja das dritte Album als „das schwerste“, doch schon bei der zweiten Platte trennt sich häufig die Spreu vom Weizen, sprich: wer ein gutes oder gar brillantes Debüt veröffentlicht hat, muss noch lange nicht genial, sondern kann auch einfach nur eine Eintagsfliege sein. Nicht so Dead Lord, die auch mit ihrem zweiten Studio-Output voll ins Schwarze treffen und den Erstling sogar noch überbieten können. Zwar mag eine absolute Megahymne wie „Hammer To The Heart“ fehlen, nichtsdestotrotz bietet „Heads Held High“ hohes Songschreiber-Niveau von der ersten Sekunde des Openers „Farewell“ bis zum letzten Ton der Abschluss- und gleichzeitigen Titelnummer. Man wird mitgerissen von schmissigen Riffs, grandiosen Doppelleads und permanenter, sprühender Spielfreude – jeder Freund von Vintageklängen muss hier umgehend enthusiastisch Luftgitarre spielend durch die Gegend springen.

Zunächst einmal hat es ohnehin etwas für sich, einen Song namens „Farewell“ als Eröffnungstrack zu wählen, doch erweist sich dieser knackige Dreieinhalbminüter als perfekter Auftakt mit maximaler Eingängigkeit. Den Chorus singt man schnell mit, die Riffs summt man automatisch und auch nach mehreren Durchläufen zeigen sich keinerlei Abnutzungserscheinungen.

Beim dramatischen „Ruins“ wird anschließend kräftig aufs Gaspedal getreten, Rhythmusgitarre, Bass und Schlagzeug ergänzen sich großartig und sind ein steter Unruheherd, der den Hörer in wilde Zuckungen verfallen lässt, während darüber Hakim Krims Gesang und tolle Melodien der Leadgitarre schweben. Die Krönung bilden ein fantastischer Refrain und jede Menge Solopassagen, gipfelnd in einem frickeligen und dabei doch locker-flockigen Doppellead gegen Ende.

Wirklich neue Wege gehen die Schweden nicht, aber wer hat das ernsthaft erwartet? Dead Lord sind schlicht eine jener Combos, die die Liebe zu ihren Vorbildern in ihrer eigenen Musik zelebrieren, dies allerdings mit hundertprozentiger Überzeugung und dem nötigen technischen und kompositorischen Können tun. Und mit welcher Lockerheit sie die Symbiose aus durchdachten Gitarren-Arrangements, schnoddriger Rock’n’Roll-Riffpower und ohrwurmigen, mitunter gar hymnischen Melodien vollziehen, würde selbst Thin Lizzy zur Ehre gereichen.

Allein wie saucool bei den Midtempo-Nummern „Mindless“ oder „No Regrets“ gegroovt wird, spricht Bände. Letzteres basiert auf einem erneut sehr eingängigen Doppelgitarrenriff, wobei die Klampfen in den Strophen ein wenig zurückgenommen werden und eine lässige Bassline das Kommando übernimmt. „Cold Hearted Madness“ wiederum tönt etwas nachdenklicher, mit einem fast verletzten Unterton, ist dabei aber immer noch ordentlich heavy, während bei „Strained Fools“, „When History Repeats Itself“ und „Don’t Give A Damn“ das Tempo wieder merklich angezogen wird. Und gerade diese flotteren Stücke sind es wert, genauer abgecheckt zu werden – die filigrane, superbe Gitarrenarbeit und das nicht minder großartige Schlagzeug lassen einen sprachlos zurück.

In Gestalt von „The Bold Move“ haben die Stockholmer außerdem eine Halbballade am Start, ein wenig im Stil von „No More Excuses“ vom Debüt, die ruhig und melancholisch beginnt, um dann etwa ab der Mitte in ein wahres Feuerwerk auszubrechen. Der Energielevel wird also nur für eine kurze Verschnaufpause durchbrochen. Nett ist ebenfalls die Idee, den abschließenden Titelsong zum Ende mit ein paar verzierenden Klavierklängen anzureichern, die dem Ganzen noch zusätzliche Klasse verleihen. Also, ganz ehrlich: Dead Lord legen mit ihrem Zweitwerk so was von nach; kein Ausfall weit und breit, nur Spielfreude und Spritzigkeit pur, dazu ein Hakim Krim, der sich noch mal gesanglich gesteigert hat sowie eine exzellente Produktion: Old-schoolig und rotzig, dennoch kraftvoll tönt der Sound aus den Boxen – so und nichts anders muss man Musik dieser Couleur produzieren. Kaufen!

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