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DDP: Alexithymie

Punk trifft Lyrik
Wertung: 8/10
Genre: Punk
Spielzeit: 38:28
Release: 17.10.2008
Label: Impact Records

1993 wurde die Band DDP unter dem Namen Der Dicke Polizist gegründet. Während der Jahre zeigte sich jedoch, dass das Bild des beleibten Ordnungshüters in Zusammenhang mit dem Genre Punk quasi automatisch zu einer Einordnung in die Schublade Fun Punk führte. Man mag von Schubladendenken halten was man will; Fakt ist, dass die Namensänderung in DDP im Jahre 2005 ein durchaus sinnvoller Schritt war, denn das neue Album „Alexithymie“ der Kölner/Koblenzer Band zeigt: Fun Punk klingt anders.

Alexithymie bedeutet Gefühlsblindheit, „die Unfähigkeit, Gefühle hinreichend wahrnehmen und beschreiben zu können“ (Wikipedia). Ein treffender Titel, wie ein Blick ins Booklet zeigt: Desillusionierung, Verwirrung, Wut, Unzufriedenheit und Fatalismus sind die vorherrschenden Emotionen in den Songtexten, die ein für eine Punkband ungewöhnlich hohes Niveau aufweisen. Politisch und kritisch gefärbt erschließen sich viele Bilder und Metaphern dem Hörer meist auch nach mehrmaligem Nachlesen noch nicht in ihrer Gesamtheit; einige Texte sind eher Wortkollagen, die Stimmungen heraufbeschwören als typische Lyrik; Staat, Stillstand, Unmoral und Gesellschaft kritisierend. Alles nichts Neues (erst recht nicht im Punk), auf diesem sprachlichen Level aber doch etwas Besonderes.

Bei aller Politik und bei allem Protest umgehen DDP erfreulicherweise weitgehend die Gefahr, platter Parolenschmiererei anheim zu fallen. Statt den Hörer mit stumpfen „Dagegen“-Rufen zu bespucken versteht es die Band dagegen, ihn zum Nachdenken anzuregen. An einigen Stelle parodieren DDP sogar ebensolche Parolen: „Wir sind dagegen! / Und wofür seid ihr nicht?“; „Macht kaputt was euch gehört!“ (beides im Song „40 Jahre 1968“)

Das musikalische Gewand für ihre Texte schneidern DDP aus Punk, der sich an den Anfängen in den 80ern und deutschen Punkbands neuerer Zeit wie beispielsweise WIZO orientiert: Schnell, laut, melodisch, stellenweise anarchistisch chaotisch („Raus“), selten länger als 3 Minuten.

Nahezu alle Songs auf „Alexithymie“ folgen diesem Schnittmuster. In der Produktion hätte man aber mehr Wert auf eine insgesamt dreckigere Abmischung legen sollen, die hier eindeutig angebrachter gewesen wäre. So klingt der Sound an manchen Stellen ein wenig zu glatt geschliffen, auch wenn das Machwerk dadurch noch lange nicht in radiotaugliche Gefilde vorstößt.

Aus dem musikalischen Rahmen fallen lediglich die beiden letzten Titel des Albums: „Desperate Übermorgen“ konfrontiert den Hörer nach knapp 32 Minuten purem Punkrock urplötzlich mit einer langsamen Akustikgitarre und nistet sich in seinem Verlauf im Midtempo ein; der letzte Song „Kopf Seele Nichts“ wirkt durch seine Westerngitarre in Wohnzimmer-Lo-Fi-Atmosphäre kombiniert mit Drumcomputer und einem im Hintergrund dröhnenden elektronischen Verzerreffekt sehr befremdlich und irgendwie deplaziert. Folglich sind die beiden letzten Songs auch die schwächsten des Albums, da sie beide nicht so recht ins Gesamtkonzept passen wollen.

Fazit: Punk ist (wie so vieles) Geschmackssache und so ist es auch mit DDPs „Alexithymie“: Wer die Musik mag und auf textlicher Ebene gerne gefordert wird kann hier eigentlich bedenkenlos zugreifen. Wer mit der Einfachheit und Direktheit von Punkmusik nichts anfangen kann aber beim Musikhören trotzdem gern seinen Kopf beschäftigt, sollte vor dem Kauf auf jeden Fall probehören; dasselbe gilt für Punkliebhaber auf rein musikalischer Ebene. Wer weder Punk noch komplexer Lyrik etwas abgewinnen kann greift logischerweise lieber zu etwas anderem, verpasst damit aber eine vor allem lyrisch interessante, kurzweilige Platte.

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